Lange musste die SBB auf die Zulassung des «Cisalpino zwei» mit Neigetechnik für die Gotthardachse warten. Doch jetzt erteilt das Bundesamt für Verkehr diese Zulassung. Bisher durften die Züge mit der technischen Bezeichnung ETR 610 nur mit ausgeschaltetem Neigesystem über den Gotthard fahren, weil der Zug sonst in den engen Kurven zu entgleisen drohte. Das verlängerte die Fahrzeit von Basel über den Gotthard bis Mailand um rund 20 Minuten.

Neu darf die SBB auch am Gotthard, wie schon am Lötschberg, die Neigetechnik des «Cisalpino zwei» einschalten. Allerdings gilt die Zulassung des Bundesamts für Verkehr nur für reduzierte Geschwindigkeiten: Neigezüge dürfen den Gotthard zwar schneller befahren als konventionelle Züge, aber nicht so schnell wie von den SBB auch für den ETR 610 ursprünglich gewünscht. Das neue Temporegime gilt für alle Neigezüge, also auch für die Intercity-Neigezüge ICN. Diese werden deshalb besonders in engen Kurven langsamer als bisher über den Gotthard fahren. Trotz reduzierter Geschwindigkeit könnten die bisher verlorenen 20 Minuten aufgeholt und der Fahrplan eingehalten werden, sagte ein SBB-Sprecher am Freitag.

Da ist es für die Bahn doppelt ärgerlich, dass ein Unfall eines fabrikneuen Cisalpino-Zuges auf einer Testfahrt Mitte Februar in Trier zu einer mehrmonatigen Lieferverzögerung führt: Den letzten von den SBB bestellten neuen Cisalpino-Zug werde der Hersteller Alstom nicht wie geplant im Frühherbst ausliefern können, erklärte ein SBB-Sprecher. Der Hersteller habe den SBB aber versprochen, den Zug gerade noch rechtzeitig zum Fahrplanwechsel im Dezember 2011 zu liefern. Die Zeit drängt, denn für den nächsten Fahrplan rechnet die SBB fest damit, dass sie die ganze Flotte ETR 610 einsetzen kann.

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Ursprünglich hatte die Betreibergesellschaft Cisalpino AG im Jahr 2004 14 Züge des Typs ETR 610 bestellt. Zwölf davon sind ausgeliefert. Nach Auflösung der Betreibergesellschaft auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2009 teilen sich diese neuen Züge die beiden Muttergesellschaften FS Trenitalia und SBB auf. Der verunfallte Zug Nummer 13 war für die italienischen Staatsbahnen vorgesehen. Zug Nummer 14 wird an die SBB geliefert.