Es tut wohl, mit einem Wattestäbchen im Ohr zu stochern – besonders wenn es ein bisschen juckt. Bis zu zehn Prozent der Bevölkerung juckt es aber ständig in den Ohren. Viele nehmen das hin wie das gelegentliche Zwicken im Kreuz. Oder sie erwähnen es erst, wenn sie die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin darauf anspricht.

Doch kann Juckreiz gerade bei beginnenden, aber auch leichten chronischen Gehörgangsentzündungen häufig vorkommen. Oft ist die Ursache das übermässige «Putzen». Das Bohren mit Wattestäbchen zerstört den Schutzfilm der Haut. Sie trocknet schneller aus und bildet kleine Risse. Dort können Bakterien, zum Teil auch Pilze, die sowieso auf der Haut leben, leicht angreifen und sich ausbreiten.

Bakterien finden idealen Nährboden in Ohren von Personen, die viel schwimmen. Denn wenn die Haut ständig feucht ist, vermehren sich Bakterien im warmen Gehörgang besonders leicht. Dazu kommen Bakterien aus dem Seewasser und in Schwimmbecken die Reizung durch Chlor. Im angelsächsischen Raum bezeichnet man die Gehörgangsentzündung deshalb auch als «Swimmer's ear».

Duftstoffe lösen Allergien aus

Der zarten Ohrhaut zusetzen können auch Shampoos oder Duschgels. Die meisten enthalten Substanzen, die Allergien auslösen und die Haut stark reizen. Duftstoffe spielen hier eine zentrale Rolle, vor allem Geraniol, Citronellol und Hexyl Cinnamal. Sie sind in zahlreichen Mitteln enthalten. Laut Studien reagiert ein Zehntel der Bevölkerung allergisch auf Duftstoffe – ein Blick auf die Inhaltsangaben lohnt sich also.

Ein anderer bekannter Übeltäter ist die Waschsubstanz Cocamidopropylbetain, die in 90 Prozent aller Shampoos enthalten ist. Eine steigende Anzahl Menschen reagiert darauf mit Unverträglichkeit. Nicht zuletzt haben auch die verbreiteten Konservierungsstoffe Methylisothiazolinon und DMDM Hydantoin (welches das giftige Formaldehyd abspalten kann) unrühmliche Bekanntheit erlangt.

Ein Teufelskreis von Juckreiz und Kratzen

Alle diese Stoffe können das Ohr reizen, selbst wenn sie der Kopfhaut nicht immer schaden. Denn die Haut im Gehörgang ist viel dünner und empfindlicher. Die Rückstände solcher Produkte sollten gut weggewaschen werden – doch gerade im Ohr bleiben sie leicht liegen. Das ergibt einen längeren Körperkontakt. Kommt hinzu: Trockene Haut ist für Irritationen viel anfälliger. Die bereits schon geschächte Haut, reagiert eher auf Allergien und Reizungen.

Helfen da Haarpflegeprodukte, die als «natürlich» beworben werden? Nicht immer. Einige solche Shampoos enthalten sogar die aggressive Waschsubstanz Natriumlaurylsulfat, die sonst fast nur noch in industriellen Motorraum- und Bodenreinigern verwendet wird.

Auch die Natur hat es in sich: Extrakte von Korbblütlern wie Arnika, Kamille oder Ringelblume enthalten viele Laktone. Diese Stoffe haben gute, zum Beispiel entzündungshemmende Wirkungen, aber sie können Allergien auslösen. Das ist vielen Leuten nicht bewusst. Die meisten gehen irrtümlich davon aus, dass Chemie schädlich ist und Natur gesund.

Häufig ist Juckreiz im Gehörgang auch Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung. Bei ein Drittel der Heuschnupfenpatienten juckt das Ohr mit. Hautkrankheiten wie Schuppenflechte oder Neurodermitis können das Ohr in Mitleidenschaft ziehen. Auch Hörgeräte können die Gehörgänge irritieren. Die Ursachen für den Juckreiz können sich addieren und meistens entsteht auch ein Teufelskreis von Juckreiz und Kratzen beziehungsweise ‹Putzen› mit Wattestäbchen.

Was tun? Als Erstes empfiehlt sich das Fetten der Haut im Gehörgang mit einem pflanzlichen Öl. Irritationen durch Wattestäbchen, Ohrstöpsel oder Ohrpassstücke von Hörgeräten sollte man vermeiden – und sonst möglichst schonend ausheilen lassen. Wer die Haare täglich wäscht, sollte auf ein hautschonendes, allergenarmes Shampoo umstellen.

Die richtigen Tropfen für jede Ursache

Wenn das nichts nützt, lohnt sich der Gang zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Er klärt die Ursache ab und kann je nach Befund Ohrentropfen verschreiben: Salicyl- oder Mandelöl bei Irritation ohne Infektion, antibiotische Tropfen bei einem bakteriellen Infekt, Essig oder Alkohol bei Pilzbesiedelung. Auch ein Allergietest kann dort durchgeführt werden.

So beugen Sie am besten vor

  • Gehörgänge nicht oder nur am Ausgang reinigen, zum Beispiel mit einem Tropfen Mandelöl auf dem Finger oder einem in Öl getränkten Wattestäbchen.
  • Bei Neigung zu trockener Haut die Gehörgänge ab und zu fetten.
  • Bei täglichem Gebrauch das Shampoo mit Wasser verdünnen.
  • Darauf achten, dass beim Spülen kein Shampoo ins Ohr läuft.
  • Nach dem Schwimmen das Wasser aus den Ohren schütteln, zum Beispiel indem man bei seitlicher Kopfhaltung leicht am Ohrläppchen oder an der Ohrmuschel zieht. Danach die Ohrmuschel so gut wie möglich mit Handtuch oder Föhn trocknen.
  • Die meisten Apotheken stellen «Tauchertropfen» für Wassersportler her, die desinfizierend wirken und ein saures Milieu schaffen, das Bakterien hemmt.