Eigentlich hat Daniel Sveda ein sonniges Gemüt. Doch in letzter Zeit steht ihm das Wasser nicht nur bis zum Hals, sondern oft auch in den Augen. «Ich weiss nicht mehr, wie ich die Miete, das Auto bezahlen soll. Ich bin mit meinen Nerven am Ende», sagt der 33-jährige Vater von zwei Jungen und nestelt mit zittrigen Händen an seinem Handy herum.

Schuld an Svedas Unglück ist seine ehemalige Arbeitgeberin, die Kehrsatzer Transportfirma Lika-trans GmbH, sowie deren Geschäftsführer und Teilhaber Peter Strahm. «Per 1. Januar trat ich meine Stelle als Chauffeur an. Doch bereits um den ersten Monatslohn musste ich kämpfen», erzählt Sveda. «Am 7. Februar wurde der Lohn schliesslich überwiesen.» Leider besserte sich die Zahlungsmoral in Kehrsatz nicht: «Der Februarlohn wurde erst am 22. März bezahlt. Als ich mich wehrte, wurde mir noch in der Probezeit gekündigt.»

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Chauffeure erhielten nur Vorschüsse
Sveda steht nicht alleine da. Seit Monaten gingen und gehen Lika-trans-Mitarbeiter am Zahltag leer aus, müssen sich wiederholt mit einem Vorschuss von wenigen hundert Franken begnügen. Etliche ehemalige Angestellte meldeten sich beim Beobachter, weil sie erfolglos ihre Löhne einzufordern versuchten. Wer sich wehrte, dem wurde gekündigt, teils sogar fristlos.

Schon als Geschäftsführer der Peter Brechtbühl Spedition und Logistik AG, eines Berner Transportgeschäfts, das zur deutschen Logistikspezialistin Ristelhueber gehörte, konnte sich Peter Strahm im Vertrösten von Mitarbeitern üben, die vergeblich auf ihren Lohn warteten. Letzten September schliesslich wurde die Firma nach jahrelangem Überlebenskampf vom deutschen Mutterhaus in den Konkurs geschickt. Seither bedenken sich Ristelhueber und die Schweizer Firmenleitung gegenseitig mit Schuldzuweisungen.

Das Konkursamt klärt derzeit ab, wer den Kollaps des einstigen Berner Traditionsunternehmens zu verantworten hat. «Wir versuchen nicht zuletzt herauszufinden, ob allenfalls eine Straftat, etwa ein betrügerischer Konkurs, vorliegt», sagt Amtsvorsteher Kurt Hasler. «Sicher ist bis jetzt lediglich, dass der Buchhaltungsverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz nicht funktionierte.»

Peter Strahm, der während seiner Anstellung als Geschäftsführer von Lika-trans nebenbei noch eine eigene Transportfirma betrieb, hatte schon länger ein Auge auf die Peter Brechtbühl AG geworfen. «Strahm hat uns etliche Male gebeten, ihm die Firma zu verkaufen», bestätigt Ristelhueber-Besitzer Manfred Bartelmess.

Besitzer redet von «Engpass»
Als die Firma schliesslich am Boden lag, anerbot Strahm sich dem Konkursamt als Retter in der Not. Am 16. September übernahm Lika-trans nicht nur einen Grossteil des Wagenparks für günstige 60'000 Franken sowie einen Teil der Kunden der konkursiten Peter Brechtbühl AG, sondern auch rund 20 Mitarbeiter und die damit verbundenen Lohnkosten.

Das Glück währte nur kurz: Schon die ersten Monatslöhne wurden teilweise nicht bezahlt, die Mitarbeiter vertröstet. «Strahm erklärte uns, es handle sich nur um einen Engpass», erinnert sich Zoran Angelovic, ein ehemaliger Vertragsfahrer. Fünf Monate nach der «Rettung» beliefen sich die Betreibungen im Kanton Bern gegen Lika-trans auf über 160'000 Franken, Ausstände etwa aus dem Camionleasing, für Schwerverkehrsabgaben und für Benzin. Sogar die Konkursverwaltung betreibt die Firma – auf rund 37'000 Franken.

«Dass Lika-trans so schnell in Schieflage gerät, konnten wir wirklich nicht wissen», sagt der Konkursbeamte heute. «Alle Erkundigungen über die Firma hatten nichts Beunruhigendes ergeben, und wir waren froh, dass die Arbeitsplätze gesichert schienen.»

Seit einer Woche steht Lika-trans in Nachlassstundung. Peter Strahm verzichtet auf jedwelche Stellungnahme.

Quelle: Archiv
Richtigstellung

Das Unternehmen «Peter Brechtbühl AG» in Gümligen BE legt Wert auf die Feststellung, dass es mit der in finanzielle Schwierigkeiten geratenen «Peter Brechtbühl Spedition und Logistik AG» nicht identisch ist. Beide Firmen sind seit vier Jahren rechtlich und wirtschaftlich völlig unabhängig.