Es war "Stutzgeilheit"», sagt der ehemalige Mitarbeiter der Zuger Melgar Consulting AG zur Motivation, mit wenig realistischen Gewinnversprechungen Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wer ein guter Verkäufer war, konnte bei Melgar gut und gerne bis zu 50000 Franken verdienen pro Monat. Die Zeche bezahlten die Kunden.

Die Melgar Consulting AG war von 1994 bis 1997 als Vermittlerin von Optionsgeschäften in Zug aktiv. Sie stoppte ihr Geschäft, nachdem mehrere Kunden Strafanzeige eingereicht hatten. Es folgte der Konkurs. Das Verfahren wurde aber «mangels verfügbarer Aktiven» eingestellt. Die Bilanz der drei Melgar-Jahre: Praktisch

alle der fast 200 Kunden erlitten einen Totalverlust oder verloren grosse Teile ihrer getätigten Investitionen.

Inzwischen ist die Strafuntersuchung gegen die Verantwortlichen der Melgar abgeschlossen. «Es besteht der Verdacht auf gewerbsmässigen Betrug», bestätigt der zuständige Untersuchungsrichter Thomas Hildbrand. Er betont aber, dass bis zum rechtskräftigen Urteil durch das Gericht die Unschuldsvermutung gelte.

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Die während der Untersuchung zusammengetragenen Akten füllen mehrere Dutzend Bundesordner und sprechen für sich: Unausgebildetes Personal machte den Kunden per Telefon den Einstieg ins Optionsgeschäft schmackhaft.

Die Verkäufer redeten von minimalem Risiko und grossen Gewinnaussichten. «Optionen verkauft man am besten, wenn man nichts davon versteht», bilanziert ein Ex-Melgar-Mitarbeiter. Ein gelernter Koch habe bei Melgar den Kunden den Optionshandel mit Äpfeln und Birnen erklärt und Erfolg gehabt damit.

70 Prozent Kommission verlangt

Kam es zum Geschäft, gelangte nur ein Teil des Geldes in den Optionshandel, ein grosser Teil floss als Kommission in die Taschen der Melgar-Verantwortlichen. Ohne Wissen des Kunden. «Im Durchschnitt hat Melgar etwa 70 Prozent Kommission auf dem Optionspreis berechnet», sagt Hildbrand. Wer eine Option über 10000 Franken kaufen wollte, musste dafür also 17000 Franken bezahlen. In Extremfällen überstieg die Kommission den Betrag des Optionspreises um ein Mehrfaches. Als Vergleich: Wer Optionsgeschäfte über die Grossbanken abwickelt, bezahlt zwischen 0,8 und gut zwei Prozent Kommission.

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Unwissende Kunden getäuscht

Möglich waren diese horrenden Kommissionen durch die Klausel der Melgar-Geschäftsbedingungen, wonach «1 Prozent der Kontraktgrösse als Kommission berechnet» wurde. Für die unwissenden Kunden tönte das gut und sie wurden in ihrem Ein-Prozent-Glauben gelassen.

Nur: Die Kontraktgrösse ist jener Wert, welcher der Option zugrunde liegt (zum Beispiel 290000 US-Dollar); die Option selbst kostet dann beispielsweise bloss 3950 Dollar. Der Kunde bezahlte dafür aber insgesamt 6850 Dollar: den Optionspreis plus 2900 Dollar Kommission (ein Prozent von 290000 Dollar). Damit wurde aus dem vorgegebenen einen Prozent eine reale Kommission von 73 Prozent.

«Die Kunden wussten nie, wie viel ihre Option effektiv kostete», sagt der Exmitarbeiter. Nur bei einem Totalverlust wurde informiert mit der Empfehlung, den Verlust mit einem neuen Geschäft mit «praktisch sicheren» Gewinnaussichten wettzumachen.

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Was sagen die ehemaligen Kaderleute zu solchen Geschäftsmethoden? Der eine Melgar-Geschäftsführer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, der andere wollte sich auf Anfrage nicht äussern.

Für den zuständigen Untersuchungsrichter Thomas Hildbrand funktionierte Melgar nach dem «gängigen Strickmuster» unseriöser Anlagefirmen. Die Melgar Consulting AG ist leider kein Einzelfall: «Jeder der sieben Zuger Untersuchungsrichter in der Wirtschaftsabteilung hat einen oder mehrere ähnliche Fälle pendent», sagt Hildbrand. «Und es kommen laufend neue dazu.»

Im Rahmen des Strafverfahrens haben die Behörden Vermögenswerte «in Millionenhöhe» beschlagnahmt. Werden die Melgar-Verantwortlichen vom Gericht für schuldig befunden, stehen die Chancen gut, dass dieses Geld den einstigen Kunden ausbezahlt wird und sie für dieses Mal mit einem blauen Auge davonkommen.

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Die «Goldenen Regeln»

Wenn Ihnen per Telefon Anlagegeschäfte schmackhaft gemacht werden, gibt es nur eins: Hände weg!

Vorsicht ist auch am Platz, wenn von «reellen Gewinnaussichten von schnell einmal 20 bis 30 Prozent» oder ähnlichem die Rede ist.

Investieren Sie nicht in einem Bereich beispielsweise im Optionshandel , den Sie nicht verstehen.

Wollen Sie trotzdem in einem solchen Bereich spekulieren, lassen Sie sich von Ihrer Hausbank oder einer bekannten Bank beraten.

Investieren Sie im Hochrisikobereich des Optionshandels nur so viel, wie Sie bei einem (durchaus realistischen) Totalverlust problemlos abschreiben können.

Haben Sie einen Verlust erlitten, ziehen Sie einen Strich darunter. Schiessen Sie in keinem Fall noch mehr Geld hinterher.