Schenkt man Marcel Müller-Jones Glauben, so treffen auf der Post im appenzellischen 1700-Seelen-Dorf Wolfhalden täglich gleich Berge von Briefen ein. Der Grund: Seit einem Jahr gibt Müller-Jones die Zeitschrift «Partner und Freizeit» heraus. Wer nicht mehr allein sein und ein Chiffreinserat aufgeben will, kann an eine Postfachadresse in Wolfhalden schreiben.

Laut Müller-Jones wird das Angebot fleissig genutzt. «Zwei Tage nach Erscheinen der neuen Ausgabe geht es los. Das Postfach ist buchstäblich überfüllt mit Antworten auf Chiffreanzeigen», verkündete er in einer der letzten Ausgaben stolz. Seine Vermittlungszeitschrift habe in wenigen Monaten bereits «Tausende von Lesern gewonnen».

Tatsächlich reiht sich auf den rund 70 Seiten Chiffreinserat an Chiffreinserat, schön sortiert nach Regionen. Dazwischen finden sich Inserate von Partnervermittlungsbüros, Horoskope, ein paar Texte rund ums Dasein als Partner oder als Single sowie einige Leserbriefe, etwa von «N. aus Zürich» oder von «K. aus Bern». Das Heft erscheint monatlich, kostet Fr. 6.50 und ist am Kiosk erhältlich.

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Also eine wahre Fundgrube für Singles? Nur auf den ersten Blick. Bereits beim zweiten Hinsehen kommen Zweifel auf: Die exakt gleichen Chiffreinserate erscheinen nämlich in derselben Ausgabe mehrmals einfach unter anderen Regionen.

So ist zum Beispiel die «sportliche Golfspielerin», die auf der Suche nach einem «aktiven Mann bis 55 Jahre» ist, offenbar in der ganzen Schweiz zu Hause. Doch Marcel Müller-Jones bleibt dabei: «Das ist alles echt.»

Inserate mehrmals abgedruckt

Wie auch immer. Tatsache ist, dass Müller-Jones Inserate von Partnervermittlungsbüros mehrmals abdruckt, obwohl sie nur einmal bestellt worden sind. Das Institut «Partner Team» bestätigt dem Beobachter, dass es zwar einmal inseriert hat. Müller-Jones habe das Inserat aber mehrfach abgedruckt, um «Löcher zu füllen».

Die Rechnung mit unbezahlter Werbung geht früher oder später nicht auf.

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Das spüren vor allem jene, die für Müller-Jones gearbeitet haben. Beim Medienhaus Schläpfer AG in Herisau etwa ist eine Rechnung in der Höhe von 18000 Franken offen für den Druck mehrerer Ausgaben von «Partner und Freizeit». Auch vielen anderen, die bei der Produktion der Zeitschrift mitgemacht haben, schuldet Müller-Jones mehrere tausend Franken.

Trotzdem gelingt es ihm immer wieder, andere von seinen Ideen zu überzeugen. «Er tritt professionell auf und kann sich gut verkaufen», erinnert sich etwa Christoph Emmenegger vom Restaurant Albisgüetli in Zürich. Müller-Jones hat hier eine Single-Party organisiert, die Saalmiete aber nie bezahlt.

Die Branche bleibt skeptisch

Jetzt will Müller-Jones noch höher hinaus. In der letzten Ausgabe von «Partner und Freizeit» verkündet er, dass er einen Verband für Partnervermittlung gegrün- det habe. Der Verband habe einen Ehrenkodex, und bei Streitigkeiten zwischen Partnervermittlern und Kunden komme ein Ombudsmann zum Einsatz. Merkwürdig ist allerdings, dass Müller-Jones zwar behauptet, er habe elf Mitglieder beisammen, aber keine Namen nennen will: «Da muss ich zuerst Rücksprache nehmen. Fragen Sie mich Mitte Januar wieder.»

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Bereits 1996 versuchten einige Institute, einen Branchenverband zu gründen; das Projekt scheiterte. Müller-Jones Versuch löst deshalb bei den Partnervermittlern bestenfalls Kopfschütteln aus.

Doch Müller-Jones lässt sich nicht aus dem Konzept bringen. In finanzieller Hinsicht hat er bereits klare Vorstellungen. Die Mitglieder sollen einen Jahresbeitrag von 600 sowie eine Kaution von 1000 Franken zahlen. Letztere diene dem Ombudsmann dazu, Kosten im Zusammenhang mit Streitfällen zu decken. Ubrigens: Auch einen idealen Ombudsmann hat Müller-Jones bereits gefunden. Er heisst Müller-Jones.