Alle Fraktionen im Parlament unterstützen sie. Die Mehrheit aller Nationalratsmitglieder unterzeichnete sie: die Forderung nach einem «Schweizer Ort der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus». Der Bund soll in Bern ein Denkmal errichten für die rund 1000 Schweizerinnen und Schweizer, die in die Konzentrationslager der Nationalsozialisten gesperrt und teilweise dort ermordet wurden. Sowie für die Flüchtlinge, die im Zweiten Weltkrieg an der Schweizer Grenze abgewiesen wurden.

Zusätzlich zum Gedenkort soll der Bund ein Bildungsangebot finanzieren, das bei jungen Menschen die Kenntnis der damaligen Zeit stärkt. «Auch künftige Generationen müssen wissen, was geschah, damit sie ein Bewusstsein dafür entwickeln können, wie fragil Demokratie und Rechtsstaat sind», schreiben Alfred Heer (SVP) und Daniel Jositsch (SP) in ihren Vorstössen.

Beobachter als Auslöser

Vater der Idee ist Remo Gysin, Präsident der Auslandschweizer-Organisation. Eine Recherche des Beobachters vom Dezember 2017 begründete sein Engagement: «Ausschlaggebend war der Artikel über die vergessenen Schweizer Nazi-Opfer Holocaust Die vergessenen Schweizer Opfer », sagt Gysin. «Der Bericht zeigte, dass insbesondere Auslandschweizer betroffen waren, Widerstandskämpfer, Homosexuelle, Juden, Frauen. Bis heute hat ihnen der Bund kein Denkmal gewidmet, obwohl Historiker das fordern.»

Gysin überzeugte den Auslandschweizer-Rat, ein Konzept für eine Gedenkstätte zu entwickeln. Eine achtköpfige Steuerungsgruppe entstand. In wenigen Wochen will sie ihre Projektidee dem Bundesrat vorstellen. Neben der Auslandschweizer-Organisation unterstützen das Vorhaben Institutionen wie die Schweizer Bischofskonferenz, Pink Cross, der Schweizerische Israelitische Gemeindebund, die reformierten Landeskirchen und die Zeugen Jehovas.

«Es geht nicht nur um die Erinnerung an die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft. Deshalb soll neben dem Denkmal ein Bildungsangebot entstehen, das die Werte von Demokratie und Menschenrechten vertieft», sagt Remo Gysin. Dass die Idee im Parlament breite Unterstützung erfahre, freue ihn sehr. Er hofft, dass der Bundesrat nun mitzieht. 

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