Erdöl, das schwarze, klebrige Gold, brachte der Menschheit nach dem zweiten Weltkrieg ein unglaubliches Wirtschaftswachstum und viel Wohlstand.

Es hat sich in jede Faser unseres Lebens eingeschlichen. Wir fahren und fliegen damit, wärmen unsere Wohnung, tragen es in den Kleidern, verpacken unser Essen darin, trinken daraus und waschen uns sogar damit. Wir sind abhängig. Schwerst süchtig. Die ganze Menschheit.

Dank der Wissenschaft wissen wir aber längst, dass die Verbrennung von Gas, Kohle und Öl zu klimaschädlichem CO2 führt und wir dringend von unserer Sucht wegkommen müssen, wenn wir dramatische Konsequenzen verhindern wollen. Trotzdem haben wir es bisher nicht geschafft, unseren CO2-Ausstoss massgeblich zu reduzieren.

Die Existenz des Dealers steht auf dem Spiel

Dabei gibt es mittlerweile in fast jedem Bereich saubere Alternativen. Wir können uns auch ohne Öl fortbewegen und warmhalten. Mit dem CO2-Gesetz stimmen wir im Juni über Massnahmen ab, um den Ausstoss von Treibhausgasen zu verringern. Vor allem im Verkehr, in Gebäuden und in der Industrie. Die Zeit drängt.

Im Parlament dauerte es eine kleine Ewigkeit bis zu diesem gutschweizerischen Kompromiss-Gesetz, hinter dem nun Bürgerliche genauso stehen können wie Grüne. Aber die Erdöl-Lobby lässt sich nicht lumpen. Immerhin steht die Existenz des Dealers auf dem Spiel, wenn wir tatsächlich unsere Sucht überwinden.

Und es geht um einen Haufen Geld. Jährlich fliessen 8 Milliarden Franken für fossile Energien ins Ausland. Also hat die Erdöl-Lobby das Referendum ergriffen und versucht uns im aktuellen Abstimmungskampf mit teils dubiosen Informationen und Argumenten zu verwirren.

Alle wollen das Klima schützen

Irritierend ist, dass die Initianten des Referendums behaupten, auch sie wollen das Klima schützen. Einfach halt nicht so, wie es im CO2-Gesetz vorgesehen wäre. Man solle jetzt nicht übertreiben und in «planlosen Aktivismus» verfallen. Sie selbst beteuern jedoch: «Natürlich liegt auch uns das Klima am Herzen.» 

Ihre Strategie ist durchschaubar. Wenn die Erdöl-Lobby ehrlich wäre, würde sie dazu stehen, dass ihr das Klima egal ist. Weil Klimaschutz den Tod für ihr Geschäftsmodell bedeutet. Wäre die Erdöl-Lobby für einen wirksamen Klimaschutz, müsste sie sich selber abschaffen. Jetzt gilt also: Nüchtern bleiben.

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Tina Berg, Redaktorin

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