Brutal, was in der US-Doku «Bully» abgeht: hartherziges Mobbing unter Jugend­lichen. Vier 16-jährige Schüler der Abschlussklasse in Flims GR mögen nach der Filmvorführung in der Schule nicht zur Tagesordnung über­gehen. Maurus Olgiati, Lisa Clavadetscher, Dylan Derradj und Selina Cathomas (von links nach rechts) realisieren: Das geht auch uns an! Und: Wir wollen einen Beitrag leisten, in unserem Umfeld Mobbingtendenzen im Keim zu ersticken.

In den folgenden Wochen investiert das Quartett einen Grossteil der Freizeit dafür, ein Sensibilisierungsprojekt auf die Beine zu stellen. Das Ziel ist, Mobbingaufklärung in den Unterricht zu tragen. Sie, die Älteren, gestalten drei Lektionen für die jüngeren Schüler – Prävention auf Augen- höhe. Und das zu einem Thema, um das die meisten einen grossen Bogen machen.

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Schulleitung und Lehrerschaft ­zeigen sich offen, und so stehen Maurus, Lisa, Dylan und Selina im Frühsommer mehrmals vor Primarklassen. Sie vermitteln ­Informationen über Entstehung, Formen und Auswirkungen von Mobbing. Besonders glaubwürdig macht ihren Unterricht, dass sie sich nicht scheuen, auch eigene Erfahrungen als Opfer oder Mitläufer bei mobbingähnlichen ­Vorkommnissen einzubauen.

Maurus Olgiati formuliert die Botschaft so: «Mobbing hat eine Struktur und entsteht nicht zufällig.» Das Echo auf die Aktion ist positiv und lässt erhoffen, dass die jüngeren Schüler die Lektion ihrer Kollegen gelernt haben. Bemerkenswert: Das Engagement der vier Bündner Jugendlichen entstand aus eigenem Antrieb – niemand sagte ihnen, was sie zu tun hätten, sie taten es einfach. Ein Muster zur Nachahmung.

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