Verena Karrer, die in den neun Jahren ihres uneigennützigen Einsatzes für die Ärmsten der Armen in der südsomalischen Stadt Merka bereits zahlreiche brenzlige Situationen meisterte, hatte an diesem Freitag abend nicht die Spur einer Chance: Zwei Männer sind in ihr Zimmer eingedrungen und haben die unbewaffnete Frau mit 14 Kugeln niedergestreckt. Über die Täterschaft herrscht Unklarheit. Es sind jedoch Tatverdächtige verhaftet worden. Unter ihnen ist ein entlassener Lehrer der Primarschule, welche Vre Karrer für Waisenkinder aufgebaut hatte.

Vre Karrer ist Anfang 1993 nach Somalia ausgereist. Damals tobte der Bürgerkrieg in diesem ostafrikanischen Lande. Mit ihrem Pensionskassengeld hat die Hebamme und Krankenpflegelehrerin in der 80 Kilometer von Mogadishu liegenden Hafenstadt Merka ein Ambulatorium aufgebaut. Das Personal hat sie selber ausgebildet. Später ist eine Schule für Waisenkinder hinzugekommen, und im Januar 2001 konnte die engagierte Schweizerin eine Berufsmittelschule einweihen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind über die Genossenschaft New Way an diesen Institutionen mitbeteiligt. Sie haben sich verpflichtet, auf jegliche Waffen zu verzichten.

Die finanziellen Mittel für ihr selbstloses Engagement – Vre Karrer hat all die Jahre keinen Lohn für sich bezogen – bekam sie durch Spenden von Mitglieder der Organisation Neue Wege sowie durch die Stiftung ihrer verstorbenen Freundin Berthi Wicke.

Vre Karrer war im Jahre 2000 für den Prix-Courage des Beobachters nominiert.

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