Beobachter: Wie wird man ein mutiger Mensch?
Richard Lehner: Puh, schwierige Frage. Gibt es ein Rezept? Ich glaube nicht. Viel liegt wohl an der Erziehung, wichtig ist, dass man da Respekt und Achtung vor anderen Menschen vermittelt bekommt.
Daniel Aufdenblatten: Ich versuche, so zu handeln, wie ich es von anderen schätzen würde, dass sie handeln. Diese Einstellung hat sich in meinem Alltag schon oft bewährt.

Beobachter: Was macht ihr mit dem Geld?
Aufdenblatten: Bei einem feinen Raclette und einem guten Glas Fendant wird uns sicher etwas einfallen.
Lehner: Der Preis ist für uns eine wunder­bare Anerkennung. Wir freuen uns sehr.

Beobachter: Habt ihr noch Kontakt mit den Leuten, die ihr während eures Einsatzes in Nepal kennengelernt habt?
Aufdenblatten: Ja, zum Glück gibt es das Internet. Wir tauschen uns über Facebook aus und sind jetzt natürlich gespannt auf die Reaktionen.

Beobachter: Was hat euch in Nepal am meisten beeindruckt?
Lehner: Die extremen Gegensätze. Du fliegst dort mit dem modernsten Heli he­rum, den es gibt, und du siehst, wie die Kinder mit Steinen spielen, weil sie keine richtigen Spielzeuge haben. Die Gegend ist sehr karg, die Leute in den Dörfern leben in sehr einfachen Verhältnissen.

Beobachter: Der Einsatz am Annapurna ist nun eineinhalb Jahre her. Wie viele Bergsteiger habt ihr seither vor dem Tod bewahrt?
Lehner: Die Einsätze, in denen es unmittelbar um Leben und Tod geht, gehören eher zu den selteneren. Aber bei den meisten Einsätzen ist es schon so, dass Leute vermutlich sterben würden, wenn niemand von uns zu Hilfe käme.
Aufdenblatten: Man weiss bei den Einsätzen nie, was einen erwartet. Du fliegst vielleicht eine Spenderniere von einem Spital ins andere, zwei Stunden später musst du auf der Autobahn landen, weil es einen schweren Unfall gegeben hat. Es gibt keine Routine, das ist das Schöne an unserem Beruf.

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Beobachter: Die von euch geretteten Bergsteiger in Nepal haben sich nicht bedankt. Ist das typisch?
Aufdenblatten: Es ist schon so, dass es in den Bergen immer mehr Leute für das Normalste der Welt halten, vom Heli gerettet zu werden. Obwohl das für uns ja immer mit einem Risiko verbunden ist.

Beobachter: Enttäuscht euch das?
Aufdenblatten: Man gewöhnt sich daran. Und es gibt eben auch die anderen Fälle. Vor mehr als einem Jahr habe ich eine hochschwangere Frau von Visp ins Inselspital geflogen. Es war eine Risikoschwangerschaft. Leider konnte man das Kind auch am Inselspital nicht retten. Die Frau schreibt mir aber noch heute regelmässig. Das entschädigt für vieles.