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Wie ein Brief zu 300 Millionen führt
Wer beim Beobachter arbeitet, tut dies mit Leidenschaft. Weshalb das so ist, erzählt unser Team gleich selbst – in einer Serie ganz persönlicher Texte. Den Auftakt macht Chefredaktor Dominique Strebel.

Veröffentlicht am 2. September 2026 - 12:03 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser
Der Brief liegt auf meinem Tisch – als letztes To-do vor Feierabend.
Eine gewisse Ursula Biondi schildert darin, wie sie als 17-Jährige ohne Gerichtsurteil ins Gefängnis Hindelbank gesteckt wurde. Wie man versuchte, ihr nach der Geburt das Kind wegzunehmen und zur Adoption freizugeben.
Ob der Beobachter Interesse habe, ihren Fall öffentlich zu machen. Was ich damals nicht ahnen konnte: Zwei Jahre später entschuldigt sich der Bundesrat, und neun Jahre später tritt ein Gesetz in Kraft, das 300 Millionen für die Wiedergutmachung bereitstellt. Denn: Das Schicksal von Ursula Biondi ist kein Einzelfall.
Rund 60 Betroffene meldeten sich beim Beobachter, nach dem Artikel über Biondi. Und es zeigte sich das unfassbare Leid durch fürsorgerische Zwangsmassnahmen. Eine Historikerkommission wurde eingerichtet, um diesen Horror transparent aufzuarbeiten. Und alles nur wegen eines Briefes, der 2008 auf meinem Tisch lag.
Solche Geschichten zeigen, warum es den Beobachter braucht. Weil Journalismus nicht nur informiert. Er verändert Gesetze, Behörden – und das Leben von Menschen.
Genau deshalb erzählen wir Ihnen in den nächsten Wochen von solchen Recherchen. Denn die Redaktorinnen und Redaktoren des Beobachters brennen für ihre Arbeit. Sie ergibt Sinn in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.
Vielleicht lesen Sie den Beobachter, weil Sie schon einmal selbst Rat brauchten. Oder weil Sie wissen möchten, welche Rechte Sie haben. Genau dieses Wissen möchten wir weitergeben. Dass wir das tun können, verdanken wir unseren Abonnentinnen und Abonnenten.
Herzlichen Dank!
Ihr Dominique Strebel