1850 v. Chr.
Im altägyptischen Papyrus Kahun finden sich einschlägige Verhütungs­rezepte. So etwa: «Kot des Krokodils werde zerstossen in gegorenem Pflanzenschleim.» Rezepte für Scheideneinlagen mit Tierkot finden sich auch über tausend Jahre später im «Kanon der Medizin» des Persers Avicenna. Der empfiehlt jedoch Elefantenkot.

1550 v. Chr.
Am häufigsten waren in der Antike Scheideneinlagen, mit verschie­densten Substanzen getränkt. Im Papyrus Ebers findet sich das älteste bekannte Rezept dieser Art: ein Gemisch aus Dornakazie, Koloquinte, Datteln und Honig. Tatsächlich lässt sich aus Akazie ein Spermizid gewinnen, und die Kürbisart Koloquinte enthält ein frucht­abtötendes Gift.

460–370 v. Chr.
Hippokrates, der berühmteste Arzt der Antike, erwähnt in seinem Buch über Frauenkrankheiten «Mittel zur Verhütung der Schwängerung»: Man lasse ein Stück Misy (unbekanntes Mineral) «von der Grösse einer Saubohne» in Wasser zergehen und nehme die Lösung ein. Von den 128 Rezepten in den hippokrati­schen Schriften sind die meis­ten Mittel zur Abtreibung.

Um 60 n. Chr.
Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.) behauptet, im Kopf einer Giftspinne fänden sich zwei Würmchen, «die bei Frauen, wenn man sie ihnen in einer Hirschhaut vor Sonnenuntergang anbindet, bewirken, dass sie nichts empfangen».

1. Jahrhundert
Dioskurides von Anazarba, der berühmteste Pharmakologe des Altertums, beschreibt die abtreibende und empfängnisverhüten­de Wirkung von diversen Pflanzen, darunter Efeu, Polei-Minze und Weidenblätter.

200
Soranos von Ephesos verfasst eine bedeutende ­gynäkologische Schrift des Altertums. Er gehört zu den wenigen Ärzten, die streng zwischen abtreibenden und empfängnisverhütenden Mitteln unterscheiden. Er ist für Empfängnisverhütung, «weil es ungefährlicher ist, die Befruchtung zu verhindern, als abzutreiben».

350
Kastration als Empfängnisverhütung taucht erstmals in den Schriften des Kirchenvaters Epiphanius auf. Dort wird von ­einer Sekte in Ägypten berichtet, deren Mitglieder kultische Selbst­kastration praktizierten. Kastration durch chirurgische Schnitte oder Quetschung der Hoden ist bereits in der An­tike bekannt und wurde bis ins Mittelalter vollzogen. Zeugungsunfähigkeit war aller­dings nur eines – und nicht das häufigste – von vielen Motiven dafür.

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6. Jahrhundert
Aetius von Amida, der am Kaiserhof von Konstantinopel tätig ist, erwähnt neue Verhütungsmethoden – etwa das Einsalben des Penis mit einer Mischung aus Galläpfeln und Essig.

15. Jahrhundert
Für Prostituierte im Mittelalter ist die Scheiden­spülung eine ­verbreitete Verhütungsmethode. In vielen Bordel­len gibt es dafür spezielle Waschbecken, Vorläufer der heutigen ­Bidets.

Um 1630
Der Bamberger Bischof soll einem Arzt mitgeteilt haben, dass «in der ­Diözese Bamberg ein gewisser Schweineschneider seine eigene Tochter kastriert habe, um mit dieser die frevelhafte Lust sorgloser ausüben zu können» – eine der ersten bekannten Sterilisationen bei Frauen. Der Frevler habe das mit dem Feuertod gebüsst.

1646
Aus diesem Jahr stammen die ältesten bekannten Kondome. Sie sind aus tierischem Material und wurden 1986 in einer Latrine von Schloss Dudley bei Birmingham gefunden. Sie liessen sich datieren, weil das Schloss 1646 abbrannte. Schafdarmkondome gabs übrigens bis in die 1980er Jahre.

Um 1700
Der Kastrat Filippo Balatri (1682–1756) schilderte, dass es «dieselben Schnitte sind, mit denen man ein Lamm zum Hammel macht». Ein Calvinist warnte, Kastraten würden Frauen «die Freuden der Ehe bieten, ohne dass sie dabei irgendwelche Risiken ein­gingen». Der letzte Sängerkastrat, Alessandro Moreschi, starb 1922.

18. Jahrhundert
Die heute gebräuchliche Bezeichnung «Kondom» taucht erstmals am Anfang des 18. Jahrhunderts auf, im Gedicht «A Scots Answer to a British Vision» von Lord Belhaven. Es gibt verschiedenste Erklärungsversuche zur Herkunft des Begriffs: Er komme von einem französischen Städtchen, einem Oberst oder vom lateini­schen «condus» für Behälter und viele mehr.

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1795
Marquis de Sade erwähnt in seiner «Philosophie dans le boudoir», dass ­einige «sich eines kleinen Beutels (…) bedienen, den man in der Umgangssprache Kondom nennt und in den der Same fliesst, ohne das Ziel erreichen zu können».

1798
In seinem «Essay on the Principles of Population» macht der Ökonom Thomas Robert Malthus die Überbevölkerung für das menschliche Leid seiner Zeit verantwortlich. Die Bevölkerung wachse schneller als die Ressourcen, was zu Hunger, Krieg und Seuchen führe. Er empfahl Ehelosigkeit, Spätheirat und Enthaltsamkeit als Gegenmittel.

Um 1870
Zur Scheidenspülung wurden meist mit diversen Flüssigkeiten gefüllte Spritzen verwendet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren Vorrichtungen verbreitet, die aus einem Flüssigkeitsbehälter und einem Schlauch bestanden.

1929
In den USA kommen die ersten Latexkondome auf den Markt. Im Lauf der Zeit sind die Präservative dünner geworden: Statt der anfänglichen ein bis zwei Millimeter sind sie heute nur noch 0,06 Millimeter dick.

Um 1951
Die Chemiker Frank Colton und Carl Djerassi entwickeln unabhängig voneinander Abkömmlinge des Sexual­hormons Pro­gesteron. Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Antibabypille.

1951
Papst Pius XII. erklärt einzig die Verhütung nach Knaus-Ogino für akzeptabel. Sie beruht auf Enthaltsamkeit an den fruchtbaren Tagen, die durch Beobachtung des Zyklus bestimmt werden. Die Kalendermethode gilt aber als sehr un­sicher und wurde von Kri­tikern als «vatikanisches Roulette» verspottet.

Ab 1952
Gemeinsam mit dem Frauenarzt John Rock führt der Fortpflanzungsbiologe Gregory Pincus den ersten klinischen Test an 50 Frauen durch, mit dem von Colton entwickelten Hormonpräparat Enovid. Keine der Frauen hatte nach Einnahme einen Eisprung.

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11. Mai 1960
Die US-Arzneimittelbehörde gibt die Pille als Verhütungs­mittel frei. Über eine halbe Million Frauen verwendeten sie bereits – offiziell «zur Behandlung von Menstruations­beschwerden». In der Schweiz kommt die Pille 1961 auf den Markt.

2010
Gemäss Schätzungen nehmen weltweit rund 100 Millionen Frauen die Pille. Bis 2011 gab es ein Projekt der Weltgesundheitsorganisation zur «Pille für den Mann». Die Forschungen wurden aber bis jetzt eingestellt und nicht wieder aufgenommen.