Als ich mich 2004 selbstständig machte, musste ich mich für die Versicherung ärztlich untersuchen lassen. Mit den Blutwerten stimmte etwas nicht. Man fand aber nicht heraus, was es war, und mir tat ja auch nichts weh. Ein Jahr später hatte ich Verdauungsprobleme, Blut im Stuhl. Mein Hausarzt ordnete eine Darmspiegelung an. Dann ging es Schlag auf Schlag: Darmverschluss, notfallmässig ins Spital, Operation mit Entfernung eines grösseren Tumors und eines halben Meters Darm.

Die Ärzte klärten mich nie konkret darüber auf, was los war. Erst am Vorabend meiner Entlassung schaute noch schnell ein junger Onkologe vorbei und redete etwas von Metastasen und «unheilbar krank» und dass ich sofort eine Hochdosis-Chemotherapie machen müsse. Dann konnte ich nach Hause; das versprochene sofortige Aufgebot für einen Termin in der Onkologie folgte erst nach meiner Nachfrage einige Wochen später. Bei diesen Untersuchungen fanden sich multiple Metastasen in der Leber und auf beiden Lungen.

Vier Monate später wurden mein künstlicher Darmausgang und die Lebermetastasen entfernt - allerdings war die Leber schon nach kurzer Zeit wieder befallen. Trotzdem habe ich auf jegliche chemotherapeutische Behandlung verzichtet. Es leuchtete mir einfach nicht ein, dass mein kranker Körper dank so hochtoxischen Substanzen gesünder werden sollte. Zudem geht es ja nicht um eine mögliche Heilung, sondern höchstens um den Versuch, mein Leben etwas zu verlängern.

Unerträgliche Beschwerden Weitere Computertomografien lasse ich nicht machen, es ändert ja nichts, wenn ich sehe, wo überall sich wieder Metastasen gebildet haben. Im letzten Herbst wurden die Beschwerden allerdings unerträglich, ich hatte Fieber, konnte kaum noch essen und atmen, die vergrösserte Leber drückte auf den Magen. Also startete ich doch eine Chemotherapie, die überraschenderweise sehr rasch anschlug. Schon nach vier Wochen ging es mir so gut, dass ich die Therapie abbrach. «Sie sind der Kapitän, wir sind die Mannschaft und unterstützen Sie», sagte der Onkologe. Er hat verstanden, dass ich bereit bin, die Verantwortung für meine Entscheide zu übernehmen.

Zurzeit geht es mir recht passabel; ich geniesse jeden beschwerdearmen Tag und war über Weihnachten sogar am Meer in den Ferien. Ich denke möglichst wenig an meine Krankheit. Sobald ich aber eine Treppe hinaufsteige und gleich ausser Atem gerate, werde ich unsanft an meinen Zustand erinnert. Ich muss meinen Energiehaushalt sehr gut unter Kontrolle behalten, physisch und psychisch, bin sehr schnell überfordert. Im grossen Ganzen aber bin ich eigentlich guten Mutes.

Alles für den Abschied vorbereitet Es ist befreiend, dass ich inzwischen alles sorgfältig geregelt und vorbereitet habe. Einzig meine Abschiedsworte, die an der Abdankungsfeier verlesen werden sollen, habe ich noch nicht geschrieben. Ich geniesse sehr viel Unterstützung in meiner Familie und im Freundeskreis.

Kraft schöpfe ich auch aus Gesprächen mit meiner «Heilerin», die mir ohne Hokuspokus positive Gedanken mitgibt. Ich habe viel erlebt und nicht so Mühe damit, dass mein Leben wohl etwas früher zu Ende geht. Wenn ich Todesängste hätte, würde dies nur der Krankheit helfen, nicht mir.

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