Sechs Jahre hatte sie damit ihre Kinder auf dem Anhänger nachgezogen: Das Fahrrad ist Iris Papafios einziges Fortbewegungsmittel. Im Mai mussten Räder, Kette und Kettenkranz des mittlerweile 12-jährigen Velos ersetzt werden. Das Sozialamt zahlte die Rechnung dafür nicht: «Fahrräder gehören zum Grundbedarf», hiess es.

Iris Papafio ist seit acht Jahren allein erziehend. Ihr Teilzeitpensum an der Primarschule und die Alimentenbevorschussung decken das Existenzminimum nicht. Bei Stellvertretungen werden ihre Sozialleistungen um den Lohnbetrag gekürzt.

Die heutigen Kinder, sagt die Lehrerin, seien «direkter, lebendiger, als wir es in diesem Alter waren. Doch der Respekt vor den Erwachsenen schwindet.» Zumindest von diesem Problem blieb die Mutter bisher verschont: «Ohne Mitdenken, ohne Mitarbeit läuft bei uns nichts.» Robin, 13, möchte Architekt werden; Jameel, 9, ist ein Bastler. «Er klebt und hämmert dauernd irgendwas», sagt seine Mutter. Jameels Berufsziel: Pilot. Sharon, die Jüngste, spielt in einer Theatergruppe. Wie sie die Ausbildungskosten ihrer Kinder berappen soll, weiss Iris Papafio nicht.

Als Kind träumte sie von fernen Ländern, später von der Entwicklungshilfe, «von Südamerika, von Afrika». Auch wäre sie gerne Sportlehrerin geworden: «Bewegung war mir wichtig.» In der Anfängen des Frauenfussballs stand sie sechs Jahre lang im Tor des Sportklubs Root. 1986, mit 20, gewann sie «den goldenen Handschuh». Kameradschaft im Spiel sei die wichtigste Erfahrung gewesen – «zueinander schauen, einander wichtig sein».

SOS Beobachter finanzierte die Totalrenovation von Iris Papafios altem Velo.

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