Autokennzeichen sind gemäss landläufiger Meinung wie ­Fingerabdrücke oder DNA-Profile: Garanten für Individualität. So gesehen ist Charly Bühler, Küchenchef aus Bertschikon ZH, fast schon eine gespaltene Persönlichkeit, denn ZH 84503, seine Kontrollnummer, gibt es doppelt.

Bemerkt hat er den Verlust seiner automobilen Einmaligkeit, als ihm die Kantonspolizei Zürich eine Busse zustellte: Ein Nissan mit seiner Nummer hatte falsch parkiert. Doch Bühler fährt einen Citroën, und die ­Sache wurde schnell wieder fallengelassen. «Würde ich ebenfalls Nissan fahren, hätte ich ein Problem gehabt», sagt Bühler. Klar ist für ihn auch ohne Busse: «Da stimmt doch etwas nicht!»

Alles in Ordnung, meldet hingegen Marcel Bär, Leiter Zulassungen beim Zürcher Strassenverkehrsamt. «Die gleiche Nummer für die gleiche Katego­rie – das gibt es nicht.» Die Differenzierung liegt im Detail: in einem roten Balken mit ­Vignette am Rand des Nummernschilds. Dies ist das Merkmal der Überführungsschilder für Wagen, die nur befristet zugelassen sind. Der Kanton Zürich gibt dafür fünfstellige Nummern he­raus, die für herkömmliche Kon­trollschil­der bereits verwendet werden. Bär findet das nicht pro­­blematisch: «Die Unterschei­dung ist klar ersichtlich.»

Buchstaben nicht erlaubt

Charly Bühler hat da ganz ande­re Erfahrungen gemacht: Drei Tage nach der ersten Parkbusse erhielt er bereits die nächste, diesmal von der Stadtpolizei Zürich – wieder Nissan, wieder ZH 84 503. Wieder falsch.

Würde Bühler im Kanton St.Gallen leben, wäre das nicht passiert. Dort gibt es für alle Schilderkategorien eigene Num­mernserien, auch für die befristeten. Weshalb in Zürich nicht? Weil dort die sechsstelligen Kenn­zeichen langsam, aber ­sicher ausgehen. «Der Bedarf an neuen Nummern ist gross, wir haben jetzt schon Serien bis ZH 800000 reserviert», so Marcel Bär. Da wolle man nicht ganze Kontingente für befris­tete Schilder belegen. Und für andere Varian­ten, etwa Buchstaben statt Zahlen, müsste zuerst die Verkehrszulassungsverordnung geändert werden. Bärs Fazit: «Das gültige Gesetz lässt keine bessere Lösung zu.»

Anzeige

Somit bleiben die Zürcher Kontrollorgane weiterhin ge­fordert. Zumal eine Abfra­ge im elektronischen Autoindex ergibt, dass ZH 84503 noch ein drittes Mal auf den Strassen unterwegs ist – an einem Motorrad. Darum: Gut hinschauen, Polizisten!