Vier Tage noch, was solls. Luca Roos schwänzt nicht zum ersten Mal, das Wetter ist zu schön für Schule. Ab Freitag würde er frei sein, einen ganzen Sommer lang. Und dann sein eigenes Geld verdienen.

Also geniesst der 15-Jährige das kleine bisschen Rebellion. Streckt den Arm nach seiner Kollegin aus, nach dem Töffli, das sein Velo zieht. Bald würde er an der Sonne liegen, bald gäbe es Zmittag, bald …

Um 12.05 Uhr liegt Luca auf dem Asphalt. Mit einem Schädelbruch, Lungenriss, Verbrennungen dritten Grades. Der Arm, mit dem er sich festhielt: gebrochen. Ebenso die Schulter, ein Fuss, mehrere Rippen, ein Hals- und ein Lendenwirbel.

Woran sich Luca erinnert: nichts. Woran sich seine Mutter erinnert: «Alles, jedes kleinste Detail.» Ab dem Moment, als ihr Telefon klingelt. An einem Dienstag im Juli 2017.

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Luca sei ansprechbar, teilt man ihr mit. «Das war alles, was ich wissen wollte.» Martina Roos funktioniert. Steigt ins Auto, macht das Radio an. Hört vom Unfall, sieht die Absperrungen. Am Unfallort muss sie sitzen bleiben. Zu Luca darf sie erst, als die Rega vor Ort ist. «Ich sah, dass er nicht fest blutete. Das gab mir Hoffnung.» Dann steigt Lucas Temperatur, seine Lunge kollabiert.