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Bienensterben«Der Anblick Tausender toter Bienen war ein Schock»

Robert Knobel
Robert Knobel: «Viele wissen gar nichts über die Pestizide, die sie verwenden.» Bild: Holger Salach

Robert Knobel ist seit 16 Jahren leidenschaftlicher Imker. Diesen Mai haben Pestizide gegen Obstbaumschädlinge bei seinen Bienen ein Massensterben verursacht.

aktualisiert am 2017 M07 17

Aufgezeichnet von Yves Demuth

Den 1. Mai werde ich nicht so schnell vergessen. Das war kein schönes Bild, als ich zum Bienenhaus kam. Da lagen haufenweise Bienen am Boden. Selbst die Eingänge zu den Bienenkästen waren verstopft. Der Anblick Tausender toter Bienen war schon ein Schock. Das habe ich so noch nie gesehen.

Als Erstes habe ich den Bieneninspektor angerufen. Der ist für solche Fälle zuständig. Er vermutete eine Vergiftung durch Spritzmittel. Ich liess die Bienen liegen, bis er am nächsten Tag vorbeikam. Nur ein Glas habe ich abgefüllt und eingefroren. Damit das Labor in Bern-Liebefeld die Spritzmittelspuren noch findet und damit die Bienen nicht verderben. Am folgenden Morgen habe ich dann den Rest mit der Schaufel in Kehrichtsäcke abgefüllt. Es war ein trauriger Moment.

Der betroffene Bienenstand steht beim Berufsbildungszentrum in Pfäffikon SZ, wo auch Landwirte ausgebildet werden. Es ist ein Lehrbienenstand. Ich betreue ihn erst seit zwei Jahren. Aber schon vor meiner Zeit gab es zwei ähnliche Vorfälle mit Spritzmittelvergiftungen. Ich bin dieses Mal mit einem blauen Auge davongekommen. Es wäre gut möglich gewesen, dass einige der 20 Bienenvölker ganz gestorben wären. Von den Flugbienen, die draussen Nektar sammeln, waren praktisch alle tot. Aber zum Glück haben sich alle Völker gut erholt.

Wichtig ist, erst am Abend zu spritzen

Es war tatsächlich ein Insektizid, das die Bienen vergiftet hat. Das zeigt die Analyse des Bienenforschungszentrums, die ich jetzt erhalten habe. Das Mittel mit dem Namen Clothianidin wendet man vor allem im Obstbau an. Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Neonikotinoide. Die sind für Bienen besonders schädlich. Das Gift wurde vermutlich auf einer Obstbaumplantage hier in der Nähe gespritzt. Wegen der hohen Konzentration ist das am wahrscheinlichsten.

Theoretisch hätte auch ein Hobbygärtner für die Vergiftung verantwortlich sein können. Viele wissen gar nichts über die Pestizide, die sie verwenden. Das Verkaufspersonal in den Läden müsste da viel besser aufklären. Denn wenn man die erlaubten Spritzmittel richtig einsetzt, passiert auch nichts. Die Bauern haben da eigentlich eine super Ausbildung. Manchmal überlegen sie wohl einfach nicht viel. Wichtig ist, dass man erst am Abend spritzt. Dann kann das Insektizid bis am Morgen eintrocknen. So schadet es den Bienen nicht.

Den gesammelten Pollen lagert die Biene an den Hinterbeinen.
Quelle: Getty Images

Aber jemand hat hier wohl tagsüber gespritzt. Dann gehen die Bienen ein. Ich habe nichts gegen die Spritzerei von erlaubten Mitteln. Doch man muss sich an die Vorschriften halten. Fehler können passieren, deshalb bin ich auch nicht wütend. Das bringt sowieso nichts, als Imker muss man mit den Bauern zusammenarbeiten.

Zum Imkern bin ich spät gekommen, erst mit 44 Jahren packte es mich. Früher hatte mich das überhaupt nicht interessiert. Vor 16 Jahren hat mich dann ein gleichaltriger Kollege zum Imkern gebracht. Er hat mir einen eigenen Bienenstand hier in der Region vermittelt und mich tatkräftig unterstützt. Mein privates Bienenhaus an den Leutschen in Freienbach SZ befindet sich an einer wunderschönen Lage, ideal für die Bienen. Aber auch für mich. Man kann mit dem Auto hinfahren, es hat Strom und Wasser, wie man es sich halt wünscht.

Ich habe seither viel gelernt und zahlreiche Kurse gemacht. Heute bin ich Vizepräsident des Imkervereins Höfe und Fachberater für Imker. Hier am Berufsbildungszentrum bin ich nun für die Bienen verantwortlich. Mein Bruder, der schon viel länger imkert als ich, staunt heute über mich.
Ich halte auch Kurse für Jungimker ab. Das mache ich gern. Derzeit habe ich 19 im Kurs. Der Jüngste ist 16, der Älteste 65 Jahre alt. Der grosse Altersunterschied gefällt mir, das macht das Unterrichten spannender. Der Grundausbildungskurs dauert zwei Jahre.

«More Than Honey» löste viel aus

Nachwuchsprobleme haben wir nicht. Nach dem Film «More Than Honey» gab es sogar einen richtigen Boom. Seither haben wir mehr Anmeldungen. Der Kinofilm hat mir Eindruck gemacht. Aber was er gezeigt hat, hat mir nicht gefallen. So darf man mit den Bienen nicht umgehen. Was die in den USA machen, ist nur noch Massenproduktion und Geldgier.

In meinen Kursen will ich das Gegenteil vermitteln, die Leidenschaft für die Bienen und die Nähe zur Natur. Denn als Imker arbeitet man sehr eng mit der Natur zusammen. Ich achte viel mehr auf das Leben der Pflanzen, seit ich imkere. Das versuche ich auch meinen drei Enkeln beizubringen. Einer, der fünfjährige Dominik, kommt oft in den Bienenstand. Er erhält dann einen Imkeranzug und hilft mir ein bisschen. So bringe ich ihm das Leben der Bienen näher, ohne dass er Angst vor ihnen hat.

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Matthias Pflume, Mitglied der Chefredaktion

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