Wie ein Häufchen Elend liegt das Vögelchen da und piepst. Herzzerreissend, mit schwacher Stimme, alle paar Sekunden. Flaumreste am Hals und der gelbe Schnabelwulst verraten: Der Vogel ist eben erst geschlüpft. Was ist zu tun? Muss man versuchen, das Nest zu finden? Ihn liegen lassen – bis vielleicht die Katze kommt? Oder ihn nach Hause nehmen und aufpäppeln?

Anfassen kein Problem

Die meisten Jungvögel, die man jetzt im Garten findet, sind weder verlassen worden noch in einer Notlage. Meist sind sie kurz zuvor ausgeflogen und werden von den Eltern noch einige Zeit weitergefüttert. Am besten setzt man sie in einen nahen Busch, wo sie besser geschützt sind. Man kann die Vögel problemlos anfassen, sie werden deswegen von den Eltern nicht verstossen.

Kritischer wird es, wenn der Piepmatz tatsächlich zu früh aus dem Nest gefallen ist. Das erkennt man allenfalls daran, dass noch fast keine Flügelfedern zu sehen sind. Bei Zweifeln macht man den «Flugtest»: Man hebt den Vogel vorsichtig auf und lässt ihn auf einem halben Meter Höhe über einer Wiese frei. Flattert er nicht weg oder plumpst er nur ins Gras, stimmt etwas nicht. Dann gibt es nur eins: Den Patienten in eine ausgepolsterte Schachtel setzen, mit der Fingerspitze ein wenig Wasser in den Schnabel träufeln und ab in die nächste Pflegestation. Und zwar schnell, denn ohne geeignetes Futter verhungert der Kleine innerhalb von Stunden.

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Von eigenhändiger Aufzucht ist abzuraten: Das ist schwierig und braucht sehr viel Zeit.

Pflegestationen und weitere Infos

Verletzte und kranke Vögel, aber auch Jungvögel gehören in die Hände von Fachleuten. In der ganzen Schweiz gibt es rund 70 Plegestationen. Die Schweizerische Vogelwarte hilft Ihnen gerne, Jungvögel oder verletzte Vögel an eine Pflegestation in Ihrer Nähe zu vermitteln.

Schweizerische Vogelwarte Sempach
Tel. 041 462 97 00
(Mo-Fr 8-12 Uhr und 14-17 Uhr); über das Wochenende ist ein Notfalldienst eingerichtet.

Auch für einige andere Tiere gibt es Auffangstationen in der Schweiz:


Merkblätter zum Umgang mit Jungvögeln und zu anderen Vogelschutzthemen: www.birdlife.ch