Das Meer rund um das Schiff einer schwedisch-russischen Arktisexpedition schien regelrecht zu kochen. Es waren Methanblasen aus auftauendem Methaneis, die 2008 grossflächig aus dem Wasser blubberten. Inzwischen berichten immer mehr Wissenschaftler von solchen Gasausbrüchen, die offensichtlich mit der Klimaerwärmung zusammenhängen. «Die Arktis erwärmt sich stärker als andere Gebiete», sagt Bernhard Wehrli, Professor am Institut für Biogeochemie und Schadstoffdynamik an der ETH Zürich. «Da kann es stellenweise schon heute zu hohen Entgasungsraten kommen.»

Vor allem in den flachen Schelfen vor der Küste Sibiriens entweicht viel Methan: Rund acht Millionen Tonnen Kohlenstoff gelangen so nach neusten Berechnungen jährlich in die Atmosphäre. Das entspricht zwei Prozent der globalen Kohlenstoffemissionen und kann laut Wehrli in den nächsten Jahrzehnten «durchaus einen grossen Einfluss auf das Klima haben».

Panikmache hält der Wissenschaftler aber nicht für angebracht. «Die genaue Grössenordnung des Methanaustritts ist noch zu wenig klar», sagt er. Auch habe man keinerlei Vergleichswerte. Ähnlich sieht es Hubertus Fischer, Professor am Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Uni Bern: «Die auftauenden Permafrostböden werden sicherlich messbar zum Treibhauseffekt beitragen», sagt er, «aber im Vergleich zu den von Menschen verursachten Emissionen ist das noch nicht dramatisch.»

Allerdings ist auch denkbar, dass ein Teufelskreis in Gang kommen wird. Denn je mehr Methan in die Luft entweicht, desto stärker steigt die globale Temperatur an und desto schneller schmilzt wiederum das Methanhydrat. «Ein solcher Effekt ist tatsächlich denkbar», sagt Wehrli, «aber es herrscht da unter Forschern noch kein Konsens.»

Massensterben wegen Methan

Methanhydrat steht auch im Verdacht, für Rutschungen riesigen Ausmasses am Meeresgrund verantwortlich zu sein. So soll vor 8000 Jahren ein 400 Kilometer langes Kliff vor Norwegen kollabiert sein, weil das Methanhydrat im Sediment schmolz. Vermutlich hatte zuvor ein Erdbeben einen Riss im Boden verursacht. Der Druck liess nach, und sämtliches Methan konnte entweichen. Auch einem 35 Kilometer langen Erdrutsch vor der Küste Japans könnte vor 50'000 Jahren ein Gasausbruch vorausgegangen sein.

Und Forscher vermuten, dass Methaneruptionen für ein Massensterben von Fischsauriern vor 180 Millionen Jahren verantwortlich waren. Auch ein Massensterben vor Florida vor 55 Millionen Jahren wird mit Methanhydrat in Zusammenhang gebracht.

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