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ArtenschutzSushi – das Todesurteil für den Blauflossenthunfisch

An der internationalen Konferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) in Doha wurde ein Handelsverbot für den Blauflossenthunfisch abgelehnt. Für die bedrohte Tierart bedeutet das faktisch das Aus.

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An der 15. Artenschutzkonferenz, die derzeit in Qatar tagt, hatten die 175 Vertragsstaaten gestern über die letzten Blauflossenthunfische des Atlantiks zu entscheiden. Die Mehrheit der Staaten, 72 an der Zahl, lehnte ein Handelsverbot ab. Die Schweiz und 42 weitere Länder hatten sich dafür ausgesprochen. «Nach diesem Entscheid ist der Blauflossenthunfisch kaum mehr zu retten», sagt Marian Breu, Fischexpertin beim WWF Schweiz. Die Bestände sind aufgrund der hohen Nachfrage aus Japan, wo das Fleisch dieses Thunfischs sehr geschätzt wird, dramatisch zurückgegangen. In Asien werden für den Roten Thunfisch, wie er auch genannt wird, horrende Preise verlangt. In Japan kann ein Fisch umgerechnet bis zu 100'000 Franken kosten.

Illegale Fänge im Mittelmeer

Im Nordostatlantik ist die Blauflossenthunfisch-Population gemäss WWF bereits um rund 85 Prozent eingebrochen. Im Mittelmeer werde die Art bis 2012 aussterben, falls weitergefischt werde wie bisher. «Offiziell soll es noch 10 Prozent der Bestände geben, die in den 60iger Jahren existierten», sagt die Berner Meeresbiologin Monica Biondo, die sich seit Jahren mit der Problematik beschäftigt. «Experten gehen aber davon aus, dass es weit weniger sind.»

95 Prozent der im Mittelmeer gefangenen Blauflossenthunfische – ein Drittel davon wird illegal gefangen – werden nach Japan geliefert. Das rote Fleisch, möglichst frisch und kalt serviert, gilt dort als Delikatesse. Auf den Geschmack rohen Fischs sind die Japaner allerdings erst nach der Erfindung des Gefrierschranks in den 1930iger Jahren gekommen; früher wurde Fisch in Japan eingemacht oder geräuchert.

Mittlerweile stehen Sushi auch in den USA, Europa und der Schweiz immer häufiger auf dem Speisezettel. «Noch sind sich die wenigsten Sushi-Liebhaber bewusst, dass sie ein Tier verspeisen, das bald so selten ist wie ein Panda oder ein Spitzmaulnashorn», sagt Monica Biondo. Der WWF ruft deshalb weltweit Restaurants, Detailhändler und Konsumenten dazu auf, ab sofort keinen Blauflossenthunfisch mehr zu kaufen oder zu konsumieren. Nur so sei es möglich, dass diese bedrohte Art überhaupt noch eine Überlebenschance erhalte.

Kein Fisch entkommt den Helikoptern

Wie schlecht es um den Blauflossenthunfisch steht, zeigt der Umstand, dass festgelegte Fangmengen nicht ausgenutzt werden. So setzten die USA im Jahre 2006 eine Quote von 1500 Tonnen fest; gefangen wurden jedoch nur 600 Tonnen. «Das deutet darauf hin, dass die Quoten viel zu hoch sind», sagt Monica Biondo.

Besonders intensiv gefischt wird zur Fortpflanzungszeit, wenn der gesellige Fisch auf dem Weg in die Laichgründe riesige Schwärme bildet. Für die Fänger sind die Tiere in dieser sensiblen Zeit eine leichte Beute: Mit kilometerlangen Hakenleinen oder mit Wadennetzen, die von Helikoptern aus gelenkt werden, wird auch der allerletzte Fisch geortet und gefangen.

Neuerdings versucht man sich in der Zucht der ökonomisch interessanten Fische. Australische Fischer entdeckten, dass der kleinere Verwandte des Roten Thunfischs, der Südliche Blauflossen-Thunfisch, in Schwärmen gefangen, in Käfigen im Meer gehalten und gemästet werden kann. Im Unterschied zu Lachsen oder Forellen lassen sich Thunfische in Gefangenschaft nicht züchten; sie pflanzen sich auch nicht fort.

In den Mastkäfigen werden die Thunfische mit Fischen gefüttert, bis der Ölgehalt im Fleisch den richtigen Wert erreicht hat. Dann werden sie mit einem Schuss in den Kopf getötet, umgehend gefroren und nach Japan verfrachtet. Auch im Mittelmeer hat diese Form der Mast bereits Nachahmer gefunden. «Ganze Schwärme von jungen Blauflossenthunfischen werden gefangen; Bestände, die sich nie fortpflanzen werden und damit den Fortbestand der Art nicht sichern können», ist Monica Biondo besorgt.

Die Folgen dieser Mast sind dieselben wie für die Massentierhaltung von Nutztieren an Land: Die gemästeten Tiere sind anfällig für Krankheiten, Medikamentenzugaben belasten das Wasser und die hohe Konzentration von Fäkalien hat eine Überdüngung des Meeres zur Folge. Die Thunfischmast belastet nicht nur das lokale Ökosystem sondern setzt auch die Fischer unter Druck. Denn die Mastfarmen lassen die Preise für den Thunfisch fallen, was bedeutet, dass die Fischer doppelt so viele Blauflossenthunfische fangen müssen wie zuvor, um denselben Verdienst zu erzielen.

Auch der bei uns beliebteste Thunfisch, der Weisse Thun, der meist in der Dose landet, ist gefährdet. Seine Bestände sind stark zurückgegangen – trotz der Bezeichnung «dolphin safe». «Die Bezeichnung mag zwar Schutz für Delphine gebracht haben, für andere Tierarten wie Haie, Schildkröten und Thunfische garantiert sie aber keine sorgfältige Fischerei», sagt Biondo. Gegen den Konsum von weissem Thunfisch (Albacore) spricht ausserdem, dass die Belastung mit Schwermetallen bei dieser Art besonders hoch ist.

Mitarbeit: Monica Biondo

Alle acht Arten, die zur Gattung der Thunfische gehören, werden durch die Befischung bedroht. Einige wie der Blauflossenthunfisch (auch Roter Thunfisch genannt) sind so massiv überfischt, dass sie im Begriffe sind auszusterben. Trotzdem gehören sie zu den am meisten gegessenen Fischen.

  • Essen Sie keinen Thunfisch; weder frisch noch aus der Dose.
  • Thunfische sind Raubfische, sie leben am Ende der Nahrungskette und reichern darum besonders viele Schadstoffe wie Schwermetalle in ihrem Körper an.
  • Wollen Sie Fisch essen, wählen Sie pflanzenfressende Süsswasserfische aus einheimischen Gewässern.
  • Bevorzugen Sie generell vegetarische Gerichte.

Veröffentlicht am 19. März 2010