Der Chemiekonzern DSM, der in Sisseln AG die grösste ­Vitaminfabrik der Welt betreibt, ist hochprofitabel. Letztes Jahr hat DSM ein Rekordergebnis hingelegt. Der Umsatz stieg auf über 10,2 Milliarden Franken, der Nettogewinn auf 1,2 Milliarden. «Die harte Arbeit und das Engagement unserer Mitarbeitenden haben sehr gute Resultate geliefert, auf die wir alle zu Recht stolz sein können», schreibt DSM-Chef Feike Sijbesma im Jahresbericht.

Einer der hart arbeitenden Angestellten ist François Quidort. 23 Jahre ist er schon bei DSM. «Wir sind masslos ­enttäuscht und frustriert», sagt er. Grund für seinen Groll sind die gescheiterten Lohnverhandlungen.
 

«Nur von ‹Ihr seid spitze und habt einen super Job gemacht› kann sich niemand ­etwas kaufen.»

François Quidort, Präsident der Arbeiterkommission bei DSM


Anfang März übergab Quidort als Präsident der Arbeiterkommission der DSM-Geschäftsleitung eine Petition. 900 Ange­stellte haben sie unterzeichnet, deutlich mehr als die Hälfte. «Wir sind mehr wert!» lautet die Überschrift des Schreibens. Die Geschäftsleitung bot eine Erhöhung der Lohnsumme von zunächst 1,1, dann 1,3 Prozent an, die Mitarbeitenden verlangten aber 1,7 Prozent.

Ein echter Dialog sei am Verhandlungstisch nicht zustande gekommen, sagt Quidort. «Die Geschäftsleitung speiste uns mit Floskeln ab, die wir jedes Jahr zu hören bekommen: Langfristig sei die wirtschaft­liche Situation sehr unsicher, nächstes Jahr werde es schlechter, und man solle bei den Löhnen ohnehin nicht übermarchen.»

25 Prozent mehr Dividenden für DSM-Aktionäre

War das Angebot von DSM nicht fair? «Angesichts der Teuerung und der steigenden Krankenkassenprämien müssen wir einen Reallohnverlust in Kauf nehmen. Die meisten von uns werden dieses Jahr weniger Geld zur Verfügung haben als letztes Jahr», sagt Arbeitnehmervertreter François Quidort.

Besonders stossend: Die Geschäftsleitung ging nicht auf die Forderungen der Mitarbeitenden ein, den Aktionären zahlte sie aber 25 Prozent mehr Dividenden. «Ich finde es bedauerlich, dass die Arbeitgeber die Interessen der Mitarbeitenden nicht ­genauso berücksichtigen wie die der Aktionäre. Nur von ‹Ihr seid spitze und habt einen super Job gemacht› kann sich niemand ­etwas kaufen.»

«Wir haben die Gespräche im Januar mit einem Angebot abgeschlossen, das vergleichbar ist mit dem oberen Segment unseres­ regionalen Industriesektors. Mit unserem stabilen Wachstum möchten wir langfristige Beschäftigungsmöglichkeiten und ein stabiles Vergütungssystem anbieten. Ein Aktionär sollte sich auf eine angemessene Rendite im Einklang mit der erklärten Dividendenpolitik verlassen können. Er stellt das Kapital zur Verfügung und trägt das Risi­ko»,­ sagt DSM-Sprecherin Nelleke Barning.

Arbeitgeber zeigen neue Härte

DSM ist kein Einzelfall. Arbeitnehmervertreter beissen mit ihren Lohnforderungen auf Granit. «Ein Teil der Arbeitgeber legt bei den Verhandlungen eine neue Härte an den Tag», sagt Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. Bei den Tankstellenshops habe es letztes Jahr gar keine Lohnerhöhung gegeben, die Detailhändler Coop und Migros weigerten sich, den Teuerungsausgleich zu zahlen, und erhöhten die ­Löhne nur individuell. «Selbst der Bund mauert neuerdings beim Teuerungsausgleich», so Lampart.

Der Kauf­männische Verband meldete im Februar, dass die Forderungen nach Lohn­er­höhungen Lohn Zahltag, Chef! um ein bis zwei Prozent nicht durchgesetzt werden konnten. Im Kanton Aargau blitzte die Gewerkschaft VPOD, die die Angestellten des Service public vertritt, mit ihrer Forderung nach einem Teuerungsausgleich von 1,2 Prozent sowie individuellen Lohnerhöhungen für das Personal der Aargauer Kantonsspitäler ab. Die Aargauer Spitäler argumentierten, sie ­benötigten das Geld für Investitionen in Neubauprojekte.

Auch die Gewerkschaft Syna konnte sich nicht durchsetzen. Sie hatte einen 1,4 Prozent höheren Mindestlohn für das Personal des Gastgewerbes gefordert. «Das akzeptieren wir nicht. Wir haben den Entscheid vor das Schiedsgericht gebracht», sagt Syna-­Zentralsekretärin Claudia Stöckli. Gemäss Gesamtarbeitsvertrag kann das paritätisch besetzte Gericht angerufen werden, wenn die Sozialpartner sich nicht einigen können. Die Arbeitgeberverbände, darunter Hotelleriesuisse, hätten argumentiert, viele Betriebe könnten sich die Erhöhung nicht leisten, so Stöckli. Offiziell will sich Hotelleriesuisse angesichts des Schiedsgerichtsverfahrens nicht äussern.

Oft haben Arbeitgeber in den vergangenen Jahren generelle Lohnerhöhungen auch mit dem Hinweis auf den starken Franken abgelehnt.

Gute Aussichten für Aktionäre

Bei den Dividenden aber war nichts von Wirtschaftsschwäche zu spüren. Die Zahlungen an die Aktionäre nehmen seit den neunziger Jahren stetig zu. 1996 schöpften die Eigentümer der Unternehmen 35 Milliarden Franken ab, zehn Jahre später waren es 100 Milliarden. Vor zwei Jahren schütteten die Schweizer Unternehmen 190 Milliarden Franken aus, so die vorläufigen Schätzungen des Bundesamts für Statistik. So viel Geld wurde noch nie an die Aktionäre weitergegeben.

Bei der Ems-Chemie, den Baarer Vermögensverwaltern Partners Group und dem Rückversicherer Swiss Re waren die Dividenden höher als die Löhne aller Mitarbeitenden zusammen. Allein die Familie Blocher zahlte sich 302 Millionen aus, der gesamte Personalaufwand belief sich auf 244 Millionen. Auf Anfrage wollte sich Ems-Chemie nicht dazu äussern.

Geht es nach der Genfer Privatbank Pictet, können Aktionäre beruhigt in die Zukunft blicken. Derzeit deute nichts darauf hin, dass der Trend zu noch höheren Ausschüttungen zu einem baldigen Ende komme: «Wir befinden uns in einem Eldorado für Dividenden», liess sich Lorenz Reinhard, der bei Pictet Schweizer Aktienfonds leitet, im August 2018 in der «Finanz und Wirt­schaft» zitieren. Die Unternehmen, so Rein­hard weiter, hielten sich mit Investitionen zurück und strebten über Prozessoptimierungen bei der IT eine höhere Effizienz an.

Ein Eldorado der Löhne hingegen ist nicht in Sicht. «Der Spielraum der Arbeitgeber für Lohnerhöhungen hat sich in den letzten Monaten durch die sich abschwächende Konjunktur eingetrübt», sagt Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt. Schweizer Löhne gehörten zu den höchsten der Welt, die Möglichkeiten für deutliche Steigerungen seien nur schon deshalb begrenzt.

Aktionäre profitieren – Dividenden steigen

Infografik: Aktionäre profitieren – Dividenden steigen

2017 schütteten in der Schweiz ansässige Unternehmen geschätzt 190 Milliarden Franken an die Inhaber aus.

Quelle: BFS – Infografik: Andrea Klaiber und Anne Seeger

Es gäbe Spielraum für höhere Löhne

Der unab­hängi­ge Arbeitsmarktökonom Michael Siegen­thaler von der Konjunkturfor­schungs­stelle KOF der ETH widerspricht: «Die Firmen wuchsen und konnten nach schwierigen Jahren auch ­wieder profitabler werden. Deshalb gibt es eigentlich mehr zu verteilen als bisher.»

Ähnlich äussert sich der Basler Wirtschaftswissenschaftler David Gallusser: «Die Produktivität der Schweizer Beschäftigten ist zuletzt gestiegen. Das gäbe Spielraum für Lohnerhöhungen, ohne dass die Löhne auf die Profite drücken. Auch die ­Höhe der Dividenden zeigt, dass dieser Spielraum vorhanden ist.»
 

«Wer bloss individuelle Lohnerhöhungen gewährt, setzt voraus, dass Leistung genau messbar ist. Das halte ich für problematisch.»

Thomas Wallimann, Sozialethiker


Wie viel also steht jenen zu, die es mit ihrer Arbeit erst möglich machten, dass die Dividenden stetig steigen konnten?

Auf Arbeitgeberseite habe in den ver­gangenen Jahren ein schleichender Gesinnungswandel eingesetzt, erklären Gewerk­schaften und Wirtschaftswissenschaftler. Bis vor zehn Jahren waren generelle Lohnerhöhungen noch Standard, seither hat sich die Verteilung der Lohnmassnahmen drastisch verändert. Nach Angaben des Arbeitnehmer-Dachverbands Travail Suisse bestanden 2007 noch 70 Prozent der Lohnmassnahmen aus generellen Erhöhungen. 2018 waren es nur noch 32 Prozent.

Diese Entwicklung stösst nicht nur bei den Gewerkschaften auf Kritik. «Wer bloss individuelle Lohnerhöhungen gewährt, setzt voraus, dass Leistung genau messbar ist. Das halte ich für problematisch», sagt der Sozialethiker Thomas Wallimann. Mitarbeitende etwa, die für ein gutes ­Klima sorgen, weil sie alle grüssen, gehen leer aus, denn das ist kein Kriterium für Leistung. Dabei sei ihr Beitrag vielleicht entscheidend für eine gute Abteilungsperformance. Wenn man das Augenmerk zu stark auf die individuelle Leistung richte, gehe der Blick für das Ganze verloren. «Niemand macht seine Arbeit allein. Chefs können ohne Mitarbeitende nichts erreichen», so Wallimann.

Trotzdem konnten sich Geschäftsleitungen und oberes Kader in den vergangenen Jahren lohnmässig viel stärker verbessern als gewöhnliche Angestellte. Laut aktuellem Verteilungsbericht des Schweizeri­schen Gewerkschaftsbundes sind die Topsaläre seit 1996 um 47 Prozent gestiegen. Die tiefen und mittleren Löhne dagegen mussten sich mit einer Steigerung von lediglich 20 beziehungsweise 16 Prozent zufriedengeben.

Topverdiener profitieren am meisten

Infografik: Topverdiener profitieren am meisten

So stark wuchsen sehr hohe, hohe, mittlere und tiefe Löhne seit 1996. Die Daten stammen von Firmen aus der Privatwirtschaft und berücksichtigen die Entwicklung der Preise. Ab 2008 hat die Finanzkrise das Wachstum der oberen Lohnstufen etwas gebremst.

Quelle: SGB-Verteilungsbericht 2018 [Daten: BFS-Lohnstrukturerhebung/AHV-Einkommensstatistik] – Infografik: Andrea Klaiber und Anne Seeger

Arbeitgeber und Chefs spielen ihre Macht aus

Wie aber konnte es zu dieser Entwicklung kommen? Die Wirtschaftswissenschaften haben darauf zwei Antworten: Macht oder Markt. Die Markttheorie geht davon aus, dass vor allem der technologische Wandel, speziell die Digitalisierung, für Fortschritte bei der Produktivität gesorgt hat. Diese Jobprofile verlangen gut ausgebildete Arbeitnehmende, die gut bezahlt werden wollen.

Um die horrenden Managergehälter Managerlöhne Die Lüge mit den Boni zu erklären, wird gern auf die Superstar-Theorie verwiesen: An der Spitze der Unter­nehmen seien die Unterschiede in der ­Produktivität gering. Weil aber bestimmte Branchen nur die besten Leute wollen, erhalten diejenigen, die nur geringfügig besser sind, viel höhere Entschädigungen. «Es ist wie im Sport: Federer ist nicht um Welten besser als Wawrinka. Weil aber der Tennismarkt auf die Spitze fokussiert, sind die ­Erträge von Federer um Welten höher», sagt David Gallusser.

Doch für den Basler Ökonomen ist klar: «Solche Theorien laufen schnell darauf hinaus, die aktuelle Verteilung zu recht­fertigen, anstatt sie zu erklären. Gutverdienende verdienen so viel, weil sie gut sind, also steigen die Löhne, weil sie noch besser werden», heisse es dann.

Für Gallusser plausibler ist, dass Arbeitgeber und Chefs mehr Macht haben als ihre Angestellten. «Topmanager können ihre Stellung im Unternehmen und ihren Informationsvorsprung gegenüber den Verwaltungsräten zum eigenen finanziellen Vorteil nutzen, Arbeitgeber profitieren bei ihrer Lohnzurückhaltung unter anderem von der für hiesige Verhältnisse hohen Erwerbs­losigkeit Arbeitslosigkeit Musterland Schweiz – oder doch nicht? von knapp fünf Prozent.»

Allein der Markt bestimmt

Die Macht der Chefs bekommt auch das Personal des Zürcher Universitätsspitals zu spüren. Eine Pflegefachperson startet nach der Ausbildung mit einem Monatslohn von 4200 Franken. Sie arbeitet Schicht, trägt viel Verant­wortung für die Patientinnen und Patienten. Bis vor kurzem war die Zeit, die das Personal brauchte, um sich umzuziehen, nicht bezahlt. Erst nach Intervention des VPOD akzeptierte das Spital den Grundsatz, dass das verordnete Umkleiden als Arbeitszeit angerechnet werden muss.

«Bei der Umsetzung dieses Grundsatzes sind wir aber noch weit von einer Einigung entfernt», sagt Roland Brunner. Für den Zürcher VPOD-Sekretär ist der Streit ein ­Indiz dafür, dass nur noch in rein ökono­­mischen Grössen gedacht werde – und das auf dem Buckel des Personals.
 

«Heute muss sich alles kurzfristig rechnen. Geld, Geld und noch mehr Geld, das ist, was zählt.»

Ueli Mäder, emeritierter Soziologieprofessor


Die Ökonomisierung der Arbeitswelt hat mittlerweile die ganze Gesellschaft erfasst. Das sagt der emeritierte Basler Soziologieprofessor Ueli Mäder: «Heute muss sich alles kurzfristig rechnen. Geld, Geld und noch mehr Geld, das ist, was zählt. Ich habe und konsumiere, also bin ich. Die Entwicklung ist rasant. Ich beobachte sie mit Sorge.»

Diese Entwicklung habe sich nach dem Fall der Mauer und der erfolgreichen Verbreitung des angelsächsischen Neoliberalismus verstärkt. Den Wert der Lohnarbeit bestimme gemäss dieser Theorie allein der Markt. Je mehr Anwärter um eine Stelle konkurrieren, umso geringer muss sie entlöhnt werden. Diese Ansicht hätten sich heute etliche grosse Arbeitgeber zu eigen gemacht. Das liberale Verständnis, das voraussetzt, dass es einen Ausgleich der Ansprüche von Arbeit und Kapital geben sollte, gelte in vielen Chefetagen mittlerweile als naiv und obsolet.

Zur Veranschaulichung erzählt Mäder von einem früheren Gespräch mit dem ehemaligen Novartis-Chef Daniel Vasella, der nach seinem Ausscheiden eine Abgangs­entschädigung von 72 Millionen Franken kassieren wollte. Er, Mäder, habe Vasella gefragt, ob denn die Finanzkrise nicht die soziale Brisanz verschärfe. Vasella habe ihm beigepflichtet, dann aber gefragt: «Was ist daran problematisch? Das dynamisiert doch unsere Gesellschaft.»

Victorinox, Fenaco, Liip & Co. machen es vor

Doch es gibt Ausnahmen. Etwa Victorinox-Chef Carl Elsener. Der Konzernchef der Schwyzer Messerschmiede mit einem jährlichen Umsatz von rund 480 Millionen Franken und 2100 Mitarbeitenden betrachtet sein Vermögen nicht als Privatbesitz, sondern als anvertrautes Gut. Der Gewinn fliesst vollumfänglich zurück ins Unter­nehmen. 90 Prozent der Aktien sind im Besitz einer Stiftung, deren Zweck der langfristige ­Bestand der Firma ist. Die übrigen 10 Prozent der Aktien gehören der gemeinnützigen Carl und Elise Elsener-Gut Stiftung, die ­karitative Projekte unterstützt. «Unser Lohnsystem soll gerecht, angemessen und sozial sein. In den vergangenen Jahren ­haben wir die Löhne jeweils zwischen 0,5 und 1 Prozent erhöht», sagt Victorinox-Spre­cherin Claudia Mader.

Auch bei Fenaco ist die maximale Ren­dite nicht das einzige Kriterium für unternehmerische Entscheide. Die Agrargenossenschaft ist Vermarktungspartner der Schweizer Bäuerinnen und Bauern und verkauft Landwirtschaftsbedarf. In den letzten 20 Jahren gab es bei der Genossenschaft stets eine Lohnrunde, die über dem nationalen Durchschnitt lag – auch als die Teuerung negativ war.

«Wir investieren bewusst in unsere Mitarbeitenden. Sie leisten oftmals mehr, als wir von ihnen erwarten. Dies honorieren wir mit fairen Löhnen», sagt Fenaco-Chef Martin Keller.
 

«Es ist ganz einfach: Nimmt der eine zu viel, gibt es für den anderen zu wenig.»

Nadja Perroulaz, Gründungsmitglied der Software-Firma Liip


Auch Liip hält das Wohl der Mitarbei­tenden hoch. Das Software-Unternehmen mit Standorten in Lausanne, Freiburg, Bern, Zürich und St. Gallen beschäftigt 180 An­gestellte und machte letztes Jahr 18,3 Millionen Franken Umsatz. Der Reingewinn blieb im Unternehmen. Er wurde den Mitarbeitenden in Form eines vierzehnten Monatslohns ausgezahlt. Liip ist zu 100 Prozent im Besitz der Angestellten und der Verwaltungsräte. Im Unternehmen herrscht volle Lohntransparenz.

«Selbstorganisation und Unternehmertum haben bei uns einen hohen Stellenwert. Wir achten darauf, dass das Unternehmen nach den Bedürfnissen der Mitarbeitenden organisiert ist und nicht umgekehrt», sagt Nadja Perroulaz, die Liip vor zwölf Jahren mitbegründet hat und sich seither konti­nuierlich für die Weiterentwicklung von Liip als Arbeitgeberin einsetzt. Die Mitarbeitenden verstünden sich als Vertreter eines sozialen Unternehmertums. Individuelle Leistungslöhne gibt es nicht, der Gewinn wird in Form zusätzlicher Monatslöhne an alle Mitarbeitenden ausgeschüttet.

Das Verhältnis zwischen dem tiefsten und dem höchsten Lohn beträgt lediglich 1:2,5. «Darauf achten wir sehr», sagt Nadja Perroulaz. Warum? «Ganz einfach: Nimmt der eine zu viel, gibt es für den anderen zu wenig.»

Infografik-Teaser: Acht Monate arbeiten für ein Auto
Quelle: Andrea Klaiber und Anne Seeger

Valentin Vogts Lohn-Mantra

Was der Arbeitgeberpräsident Jahr für Jahr in den Medien zu Lohnerhöhungen sagt.

 

  • Juli 2011, «Der Sonntag»
    «Viele Export­firmen hängen in den Seilen. Der Spielraum für Lohnerhöhungen ist beschränkt.»
     
  • Juli 2012, «Aargauer Zeitung»
    Pauschalen Lohnforde­rungen erteilt Valentin Vogt eine Abfuhr.
     
  • August 2014, «Schweiz am Sonntag»
    Eine durchschnittliche Erhöhung der Löhne um 1 Prozent sei machbar, so Valentin Vogt.
     
  • August 2015, «Sonntags-Zeitung»
    Lohnerhöhungen seien auf breiter Front angesichts der Wachstumsflaute unrealistisch, so Vogt.
     
  • Juli 2017, srf.ch
    Der Frankenschock in der exportorientierten Maschinenindustrie spricht laut Valentin Vogt gegen generelle ­Lohnforderungen.
     
  • Juli 2018, «Tages-Anzeiger» (ABO+ Artikel)
    «Auch wenn die Konjunktur heute besser läuft, ist es eine Illusion zu glauben, dass sich im Herbst die Schleusen für flächendeckende grössere Lohnsteigerungen öffnen werden.»
     
  • August 2019, Beobachter
    «Der Spielraum der Arbeitgeber für Lohn­erhöhungen hat sich in den letzten Monaten durch die sich abschwächende ­Konjunktur eingetrübt.»

Tipps für eine erfolgreiche Lohnverhandlung

Wer mit dem Chef über eine Salärerhöhung sprechen will, sollte sich gut vorbereiten: Es lohnt sich, beim Lohngespräch taktisch vorzugehen.

zum Artikel

Bankerlöhne entwickeln sich am besten

Infografik: Bankerlöhne entwickeln sich am besten

So stiegen die Reallöhne* in ausgewählten Branchen seit 2008. Spitalpersonal und Bauarbeiter mussten ab 2016 Lohneinbussen hinnehmen.
 (*teuerungsbereinigt, misst die Kaufkraft)

Quelle: BFS – Infografik: Andrea Klaiber und Anne Seeger

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