Leserfrage: «Ich habe Mühe mit mir selbst. Das ist mein hauptsächliches Lebensgefühl, seit ich denken kann. Dabei stehe ich mitten im Leben und bin erfolgreich. Was kann ich tun?»

Bevor man herausfindet, wer man sein kann, muss man herausfinden, wer man ist! – Diesen Schritt sollte man nicht überspringen. Sonst geht es einem so, wie es Albert Einstein beschreibt:

«Wenn ein Fisch danach beurteilt wird, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.»

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Albert Einstein

 

Halten Sie inne und nehmen Sie sich Zeit zu entdecken, was Sie ausmacht, ohne sich zu bewerten.

Viele Menschen orientieren sich nicht an dem, was sie sind. Nicht an dem, was sie wahrnehmen, fühlen und denken – sondern an einer Idee davon, was sie sein könnten, sollten oder sein wollen. Schlanker Körpergewicht Wenn Sie Ihre Pfunde satt haben , schöner Schönheits-OP Schöner dank Skalpell? , souveräner, lockerer, jünger, männlicher, extrovertierter.

Idealvorstellungen zu erreichen ist kräftezehrend

Wenn diese Wünsche nicht nur punktuell auftauchen, sondern zur alles durchdringenden Lebensstrategie werden, sind Frust und Leid nicht weit. Ein solches Leben ist kräftezehrend. Man ringt um Veränderung und beobachtet und bewertet sich permanent kritisch. Sobald man nachlässt mit der Kon­trolle und einfach ein wenig «ist», entstehen Gefühle von Scham Schamgefühle «Ich bin mir selbst peinlich» , Unzulänglichkeit und Wertlosigkeit.

«Ich» ist dann nicht die sichere Insel, von der aus man Beziehungen eingehen und wo man sich erholen kann. «Ich» bedeutet für diese Menschen jenen Ort, an dem sie sich selber unerbittlich in den Rücken fallen.

Selbstwertgefühl: Sich selbst annehmen, wie man ist

Die meisten von ihnen streben nach Per­fektion und sind leistungsfähig. Sie haben Selbstvertrauen und wissen, was sie können. Trotzdem empfinden sie sich als im Grunde wertlos. Sie sind gefangen im Dauerkampf von Bewertung und Bemessung an einer Scheinrealität und zahlen dafür einen hohen Preis. Stress Stress und Körpersymptome Körper im Alarmzustand , Erschöpfung, zunehmende Isolation und selbstzerstörerisches Verhalten sind die Folgen.

Der US-Psychiater Arnold B. Reisser hat das «Paradoxon der Veränderung» formuliert: 

«Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist – nicht wenn er versucht, etwas zu werden, das er nicht ist.»

Arnold B. Reisser, Psychologe

 

Heilende Veränderung wird also da möglich, wo man den zwanghaften Versuch aufgibt, ein anderer zu sein – und stattdessen lernt, sich anzunehmen, wie man ist Persönlichkeit «Wie werde ich selbstbewusst?» . Das fällt vielen von uns schwer. Die meisten wachsen in einem kritisch bewertenden Umfeld auf. Es ist nicht einfach, sich ohne Bewertung kennenzulernen, etwas über sich zu erfahren und dies anzunehmen.

Eltern, Lehrer und Partner konfrontieren uns immer wieder mit Bewertungen und Veränderungsanregungen. «Ich bin» als legitimer Zustand wird heute nicht mehr ausreichend goutiert. «Mehr, schneller, effizienter, erfolgreicher» lautet in vielen Lebensbereichen die Vorgabe.

Achtsamkeit ist der Schlüssel zum Glück

Was tun? – Eine Haltung, die einen fried­licheren Zugang zu sich selbst ermöglicht, ist die Achtsamkeit Achtsamkeit Wie Sie die innere Ruhe finden können . Das bedeutet, dem Leben und seinen Facetten bewusst, akzeptierend und im Augenblick zu begegnen. Achtsamkeit Meditation Mit Übung zur Ruhe orientiert sich nicht an dem, was war, sein wird oder sein könnte, sondern an dem, was man aktuell wahrnimmt, fühlt und denkt.

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1979 hat Jon Kabat-Zinn das MBSR-Programm (Mindfulness-Based Stress Reduction) entwickelt. Es bietet Techniken zur Achtsamkeit, die erfolgreich im therapeutischen Bereich und zur Stressreduktion eingesetzt werden.

«Wer sich in Achtsamkeit übt, erhöht die Fähigkeit, sich und andere zu akzeptieren.»

Christine Harzheim, Psychologin und systemische Familientherapeutin

 

Die Achtsamkeitsübungen bestehen aus Meditationen, Yoga- und Atemübungen, die die Wahrnehmung des Augenblicks und des Körpers schulen. Teil dieser meditativen Übungen ist es, Wahrnehmungen, Gefühle und Gedanken kennenzulernen und einen neuen, achtsamen (nicht wertenden) Umgang mit ihnen zu finden. Negative und entwertende Gedankenmuster werden relativiert («Ich bin nicht identisch mit meinen Gedanken») und unterbrochen.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen die positiven Auswirkungen dieser Achtsamkeitsübungen auf die körperliche und die psychische Befindlichkeit. Werden sie regelmässig geübt, erhöht sich die Fähigkeit, sich und andere zu akzeptieren und gelassener durchs Leben zu gehen.

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Weitere Informationen zur Achtsamkeit

  • Buchtipp: Jon Kabat-Zinn: «Im Alltag Ruhe finden. Meditationen für ein gelassenes Leben»; Verlag Knaur, 2015, 240 Seiten, CHF 14.90. Hier bestellen.
     
  • MBSR Verband Schweiz – Stressbewältigung durch Achtsamkeit.

Haben Sie psychische oder soziale Probleme?

Schreiben Sie per Mail an: christine.harzheim@beobachter.ch oder per Post an:

Christine Harzheim
Beobachter
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8021 Zürich

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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