«Wir haben 3 Millionen Schrauben locker.» Rot auf Gelb prangt dieser Satz über den Lagerregalen im Handwerkerzentrum Hasler in Winterthur. Unzählige Kartonschächtelchen stapeln sich hier über zwei Stockwerke. Willkommen im Reich von Bernhard Zürcher. Der 40-Jährige ist hier Fachberater für Eisenwaren sowie Beschläge und damit der Herr über Schrauben und Dübel. Von Letzteren hat Hasler rund 120 Sorten und insgesamt gut 250'000 Stück an Lager.

Angesichts dieser Auswahl würde mancher Heimwerker die Bohrmaschine wohl am liebsten gleich wieder weg­legen. Da tut es gut, zu wissen, dass es im Fachhandel kompetente Beratung gibt und man sich als Laie hauptsächlich mit Dübeln herumschlägt, die grob in folgende Hauptkategorien eingeteilt werden: Beton-, Backstein- und Gips- beziehungsweise Hohlraumdübel.

«Heimwerker verwenden oft die falschen Dübel, weil sie den Wandaufbau nicht kennen.»

Bernhard Zürcher, Eisenwaren-Experte

Quelle: Infografik: Andrea Klaiber und Anne Seeger

Das Material der Wand ist entscheidend

Was diese Einteilung schon zeigt: Massgebend ist, woraus die Wand oder Decke besteht, an die man etwas montieren möchte. Aber woher weiss der Laie, was sich hinter dem Verputz befindet? «Die Farbe des Bohrstaubs verrät es», sagt ­Experte Zürcher. Wenn dieser rötlich ist, handelt es sich wohl um Backstein. Ist das Bohrmehl sehr fein und eher gräulich, hat man es mit Beton zu tun, und ist der Bohrstaub weiss und bleibt teilweise am Bohrer kleben, handelt es sich um ­eine Gipswand.

Zur Bestimmung des Baustoffs hilft auch der Widerstand, der sich dem Bohrer entgegensetzt: Beton etwa ist schwer zu durchbohren, während es bei Gips fast wie durch Butter geht.

«Die Bestimmung des Wandaufbaus geht leider oft vergessen, weshalb Heimwerker dann häufig auch die falschen Dübel verwenden», sagt Experte Zürcher. Ein typisches Beispiel sei die Verwendung von mitgelieferten Dübeln und Schrauben – etwa bei TV-Geräten: «Der Hersteller in Südkorea weiss ja nicht, wie meine Wand beschaffen ist.»

Für Betonwände ist die Wahl des richtigen Dübels am einfachsten. Hier passen alle normalen Spreiz- oder Allzweckdübel. Soll es gut halten, muss man es aber auch hier richtig machen: Der Durchmesser des Bohrlochs ist gleich gross wie derjenige des Dübels.

Für die Tiefe des Lochs wird zur ­Länge des Dübels rund ein Zentimeter dazugerechnet. Am besten markiert man die Bohrtiefe mit Klebeband direkt auf dem Bohrer. Auch die Schraube muss etwas länger sein als der Dübel – damit der Dübel die volle Spreizkraft entfaltet. Für Backstein­mauern kann man grundsätzlich die gleichen Dübel verwenden wie für Beton – sie müssen einfach länger sein, um Hohlräume im Backstein zu überbrücken.

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Wie dick ist die Gipsplatte?

Heikler wird es bei den heute häufig ­verbauten Gipskartonwänden. Einfach geht es noch mit Gipskartondübeln, die ohne Vorbohren direkt in die Wand geschraubt werden. Diese können aber nur geringe Lasten tragen. Wer in Gipskartonplatten etwas Schwereres montieren möchte, braucht Spezialdübel – vor ­allem wenn sich hinter der Wand noch ein Hohlraum befindet.

Hierfür bietet der Markt zum Beispiel Hohlraum­dübel aus Metall an, die sich hinter der Gipsplatte verspreizen. Dafür ist manchmal eine spezielle Montagezange nötig. Auch Kipp- oder Federklappdübel eignen sich hier gut. Dabei wird der Kipp- oder Klappmechanismus durch das Bohrloch gestossen. Dahinter fungiert er als Gewinde für die Schraube, aber auch als Anker. «Um jeweils das richtige Produkt zu finden, wäre es hilfreich, die Wandstärke zu kennen», sagt Experte Zürcher augenzwinkernd. Denn auch er weiss, dass es nicht einfach ist, die Dicke einer Gipsplatte zu bestimmen. Eine Möglichkeit: Man steckt einen am Ende rechtwinklig abgebogenen Draht durch das Bohrloch und zieht ihn dann zurück, bis er sich verhakt.

Schliesslich gibt es gemäss Bernhard Zürcher auch noch einige Details, auf die man achten muss. So sollten die Bohrer scharf sein. Stumpfe Bohrer ­seien in Heimwerkerkreisen weit verbreitet und verursachten hässliche und zu grosse ­Löcher. Zudem sei es wichtig, den Bohrstaub aus dem Loch zu blasen oder zu saugen. Nur so hält ein Dübel richtig und kann mit entsprechend mehr Gewicht belastet werden. Dann bleibt noch die Frage nach der Qualität eines Dübels – angesichts der riesigen Auswahl an ­Arten und Marken könnte dies ja auch noch relevant sein.

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Doch der Herr über 250'000 Dübel beruhigt: Auf dem hiesigen Markt gebe es kaum schlechte Qualität.

Video-Anleitungen

«Bohren und Dübeln» auf Youtube