«Dass ich einmal ein Haus kaufen und es auch noch umbauen würde, hätte ich nie gedacht», sagt Bettina Winzeler zum Beobachter. Heute besitzt sie trotzdem ein 140 Jahre altes, umgebautes Reiheneinfamilienhaus im Basler Matthäus-Quartier, nur einen Steinwurf vom Rheinufer entfernt. Vor vier Jahren ist sie dort mit ihren beiden Kindern, damals im Teenageralter, eingezogen.

Die Möglichkeit zum Kauf kam unverhofft: Eine Freundin, die in derselben Strasse wohnt, vermittelte den Kontakt zur Verkäuferin des Hauses. «Nach der Besichtigung war klar, dass sie es mir verkaufen würde – ich habe dann darüber geschlafen, mich bezüglich der Erweiterungs- und Umbaumöglichkeiten beraten lassen, Kassensturz gemacht und schliesslich relativ kurz entschlossen zugesagt», sagt Bettina Winzeler.

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Beim Kauf war ihr aber bereits klar, dass die Liegenschaft mit nur gerade achtzig Quadratmetern Wohnfläche und den kleinen, eher dunklen Zimmern nicht allen ihren Vorstellungen entsprach: Winzeler wünschte sich eigentlich offene Räume mit viel Licht. Zudem benötigte sie für Kinder, Homeoffice und Gästezimmer mehr Platz. Ebenso auf der Wunschliste: eine ausreichend dimensionierte Küche und genügend Fläche für einen grossen Esstisch. «Ich koche sehr gern und habe oft eine grössere Runde zu Besuch», sagt Winzeler.

Vorbild war das Eames-Haus

Um das Haus möglichst weitgehend den Wünschen anzupassen, begann nach dem Kauf eine intensive Planungszeit. Bettina Winzelers Bruder David war damals gerade dabei, sich als Architekt selbständig zu machen, und nahm das Projekt zusammen mit Li Tavor an die Hand. Li Tavor ist mit der Familie befreundet und arbeitet im Bereich Architektur und Kunst.

Die Wohnfläche zu erweitern, war grundsätzlich möglich, denn das Basler Baugesetz liess einen Anbau im Garten oder eine Aufstockung um bis zu drei Etagen zu. Das Trio wälzte über Wochen Ideen, erstellte Skizzen, baute Modelle, tüftelte, verwarf und kreierte immer wieder neue Lösungen. Ein Vorbild war dabei ein Haus, das 1949 vom berühmten Architektenpaar Charles und Ray Eames in Los Angeles gebaut worden war – ein grosszügig verglastes Gebäude mit luftigen, hellen Räumen. «Dieses Haus vereint viele Elemente, die mir beim Wohnen wichtig sind», sagt Bettina Winzeler.

Nach und nach nahm die Planung für das alte Reihenhaus Form an. Um möglichst viele Wünsche erfüllen zu können, sollte das Gebäude um drei Geschosse in leichter Holzbauweise mit grossen Fenstern zum Hof und zur Strasse hin aufgestockt werden. «Die Abklärungen zeigten, dass die massiven Mauern und Fundamente des Altbaus das zusätzliche Gewicht gut tragen konnten», sagt Architekt David Winzeler.

Helle und luftige Räume

Gleichzeitig stellten er und Li Tavor die gängige Aufteilung eines Einfamilienhauses auf den Kopf: Üblicherweise wird im Erdgeschoss gekocht, gegessen, gewohnt – und oben geschlafen. In Bettina Winzelers Haus sollte es umgekehrt sein: unten im Altbau mit den kleinen Räumen die Schlafzimmer, oben im neu aufgestockten Teil Küche, Wohn- und Esszimmer, das Homeoffice sowie ein weiteres Schlafzimmer, eine Terrasse und ein Balkon. «Dadurch konnten wir für die Küche sowie den Wohn- und Essbereich die gewünschten hellen und luftigen Räume ohne grosse Eingriffe am alten Gebäude schaffen», sagt Li Tavor zum Beobachter. Bauherrin Bettina Winzeler war von der eher unkonventionellen Idee sofort überzeugt.

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Besonders luftig wirken die neuen Räume nicht nur wegen der grosszügigen Verglasung, sondern auch, weil sie teilweise doppelgeschossig sind – Inspiration war hier ebenfalls das Eames-Haus. So reicht der Raum mit Küche, Ess- und Wohnbereich im zweiten Stockwerk zur Strasse hin über zwei Etagen mit einer 4,60 Meter hohen Glasfront. Im Bereich des zum Hof hin orientierten Wohnzimmers ist er hingegen einstöckig.

Dort schliesst ein grosser Balkon an. Über diesem und dem eingeschossigen Wohnzimmer sind ein Schlafzimmer und eine zum überhohen Küchenbereich hin offene Galerie mit Platz fürs Homeoffice angeordnet. Das Schlafzimmer ist ebenfalls doppelstöckig mit einer Galerie für den Schlafbereich. Von dort aus betritt man eine grosse Dachterrasse mit Blick auf den Rhein.

Günstig, aber durchdacht

Viel Wert legte das Trio bei der Planung auf die Details der drei neuen Geschosse. Dazu zählen etwa geschickt integrierte Schränke, platzsparende Treppen, eine fest eingebaute Sitzbank vor der Fensterfront zur Strasse hin oder die Farbgebung mit sanft lasierten Holzoberflächen in Rosa, Hellgelb und Grün. Weil die Kosten im Auge behalten werden mussten, waren möglichst einfache Lösungen gefragt.

So bilden die Dreischichtplatten aus Holz, mit denen die Zimmerleute die Holzelemente aussteiften, zugleich die fertigen Oberflächen von Wänden, Decken und Böden. Sonst werden sie üblicherweise mit zusätzlichen Schichten verkleidet. «Durch die teilweise farbige Lasur erhielt die sonst sehr hölzerne Optik aber ein elegantes und kostengünstiges Finish», sagt Li Tavor. Mit Blick aufs begrenzte Budget wurden die bestehenden Räume im Altbau nur sanft aufgefrischt. «Hier haben wir auch viel selbst gemacht», sagt Bauherrin Bettina Winzeler.

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Nach rund zwei Jahren konnte sie mit ihren Kindern im Sommer 2022 schliesslich ins erneuerte Haus einziehen. Den spontanen Kauf hat sie bis heute nie bereut, ebenso wenig die intensive Entwurfsarbeit: «Wir fühlen uns hier extrem wohl, und auch der Entscheid, die Küche nach oben zu zügeln, hat sich bewährt – hoch über dem Alltag in den lichtdurchfluteten Räumen zu kochen und mit der Familie oder Freunden zu essen, macht immer wieder Freude.»

Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals 10. April 2026 veröffentlicht.

Quellen