Würmer kriechen umher, Asseln und Tausendfüsser erledigen ihre Arbeit… Der Gärtner ist nicht allein mit der Gartenpflege. Unterhalb der Gartenoberfläche hat er so einige Helfer, die für das Gedeihen des Gartens sorgen. Zusammen mit Pilzen und Bakterien bevölkern die kleinen Tiere die ersten 15 bis 30 Zentimeter des Bodens, den Humuskörper. Dort verarbeiten sie abgestorbene Pflanzen und andere organische Überreste zu lockerem Humus und sorgen damit für die Ernährungsgrundlage der Pflanzen. Gleichzeitig lockern sie die Erde auf und schaffen genügend Raum für Wurzelballen.

Das wäre ein gesunder Boden. Die Realität sieht aber oft anders aus: nur eine dünne Schicht fruchtbare Erde, der Boden zu kompakt oder zu sandig. Dies ist ein schlechter Lebensraum für die kleinen Helfer und damit für gesunde Pflanzen. Hier kann für Abhilfe gesorgt werden.

Grundlegend für die Verbesserung des Gedeihens ist es, den eigenen Gartenboden zu kennen. Dessen Merkmale lassen sich in zwei Eigenschaften einteilen, die physikalische und die chemische. Bei der physikalischen spricht man von der Bodenart. Hier wäre ein ausgewogenes Gemisch von Sand und Ton für die meisten Pflanzen ideal – ein Boden, der leicht zu bearbeiten ist und genügend Raum für Wurzeln lässt. Ist der Boden zu sandig, kann er nur wenig Wasser aufnehmen und ist nährstoffarm. Einigen Pflanzen wie Lavendel, Sonnenröschen oder Zwergflieder macht dies nichts aus, die meisten aber gedeihen kaum. «Solche Böden lassen sich durch das Untermischen von organischem Material wie Kompost verbessern», erklärt Christian Wieland von der Stadtgärtnerei Winterthur.

Nicht viel besser ist das andere Extrem, ein Lehm- oder Tonboden. Dieser neigt zur Bodenverdichtung und zur Staunässe und hemmt dadurch das Wurzelwachstum oder verhindert das Keimen der Pflanzen gleich ganz. Pflanzen wie Flieder, Glockenblume, Sonnenhut oder auch einige Rosenarten mögen diesen Boden – die Mehrheit leidet aber unter den harten Bedingungen. Wieland empfiehlt bei solchen Böden, nicht gewaschenen Betonkies unter die Erde zu mischen.

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Auch für Rasen ist ein zu kompakter Boden meistens ein Problem. Abhilfe schafft hier das sogenannte Vertikutieren – also das Anritzen der Grasnarbe einer Rasenfläche, um Mulch (altes Schnittgut) und Moos zu entfernen und die Belüftung des Bodens zu fördern. Die Bodenstruktur im Garten kann ausserdem durch regelmässige Gründüngung verbessert werden. Das heisst: Zeitweise werden extra Pflanzen wie Bienenfreund oder Studentenblumen angepflanzt, die die Erde auflockern und düngen. Und auch mit organischem Dünger wie Kompost kann man einen Boden wesentlich aufwerten.

Die Nährstoffe machen die zweite wichtige Eigenschaft des Bodens aus: die chemische. Denn Pflanzen brauchen nebst Licht, Wärme, Wasser, Kohlendioxid und Sauerstoff auch Nährstoffe aus dem Erdreich. Dazu zählen unter anderem Stickstoff, Phosphor oder Kalk. Sind zu wenig Nährstoffe vorhanden, können diese der Erde durch Düngen beigegeben werden. Wer seinen Boden aber nicht gut kennt, riskiert, falsch zu düngen. Deshalb gilt es zuerst, herauszufinden, was dem Boden fehlt – mit Hilfe einer Bodenprobe. Die Kosten für eine Laboruntersuchung betragen je nach Umfang der Analyse zwischen 45 und 300 Franken. Im Gegenzug gibt ein Labor nicht selten auch gleich eine Empfehlung zum Düngen ab.

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Ebenfalls über Bodenproben kann der Säuregehalt (pH-Wert) eines Bodens festgestellt werden. Dieser sollte aber nicht überbewertet werden, findet Stadtgärtner Wieland. Der pH-Wert sei nur für ganz wenige Pflanzen ausschlaggebend. Dazu gehören etwa Rhododendren, die auf einen tiefen pH-Wert angewiesen sind. Andere Pflanzen wie Kartoffeln, Himbeeren oder Preiselbeeren mögen eher einen sauren Boden. «Aber auch sie können sich wie die meisten heimischen Pflanzen sehr gut auf den jeweils vorhandenen pH-Wert einstellen», erklärt Wieland.

Fehlen dem Boden wichtige Nährstoffe, hat man die Wahl zwischen mineralischem und organischem Dünger. Mineralische Dünger sind chemisch hergestellt und können gezielt eingesetzt werden. Im Handel sind verschiedene Produkte erhältlich, die auf die einzelnen fehlenden Nährstoffe abgestimmt sind. Die Nährstoffe werden von den Pflanzen rasch und mühelos aufgenommen. Es besteht jedoch die Gefahr einer Überdüngung. Oder die Pflanzen könnten träge werden. Denn die Wurzeln der Pflanzen müssen sich bei chemischem Dünger nicht mehr auf die Nahrungssuche machen und bilden sich so weniger gut aus.

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Organische Dünger hingegen zielen nicht direkt auf die Pflanzen, sondern auf die Erde. Mit Dünger wie dem Kompost wird der natürliche Kreislauf geschlossen, indem er von den Bodenlebewesen abgebaut und als Nahrung wieder den Pflanzen zugeführt wird.

Die Verbesserung eines Bodens braucht viel Zeit und kann mitunter einige Jahre dauern. «Grundsätzlich gehört dies auch zur Grundpflege eines Bodens und ist eine Daueraufgabe des Gärtners», sagt Stadtgärtner Wieland. Wer nicht mehr weiterkommt oder den Boden für eine neue Bepflanzung anpassen möchte, dem bleibt auch ein Abtragen und Neuauffüllen der Erde. «Dabei ist man meist auf die Hilfe Dritter angewiesen, sei es für den Aushub, den Abtransport oder das Neuauftragen der Erde», so Wieland.

Hat man mit dem Aushub dann die richtige Basis geschaffen, kann darauf aufgebaut werden. Nun gilt es, das Erreichte bei der Neubepflanzung nicht wieder zu zerstören und auf hochwertige Erde zu setzen. Diese bleibt dank richtiger Zusammensetzung dauerhaft feinkrümelig und gut durchlüftet. Ein Geschenk für die Pflanzen und die kleinen Helfer unter der Gartenoberfläche.

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Torf: Es gibt umweltfreundliche Alternativen

Torf ist der perfekte Speicher für Wasser, Luft und Nährstoffe und lockert gleichzeitig den Boden. Das ideale Produkt für den Garten. ­Wäre da nicht die ökologische Problematik: Torf ist ein nicht erneuerbarer Rohstoff aus Moorgebieten. Dort ist er Lebensgrundlage für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Solange es ihn noch gibt. Denn der grosse Torfbedarf hinterlässt Schäden und zerstört Lebens­räume. ­Ausserdem setzen Abbau und ­Einsatz von Torf viel CO2 frei. Umweltschützer schlagen bereits seit einiger Zeit Alarm. Der Wechsel zu Alternativprodukten vollzieht sich jedoch nur ­zögerlich. Dabei sind diese längst im Handel erhältlich.

Torffreie Pflanzenerde enthält beispiels­weise Rindenhumus, Holzfasern, Chinaschilf oder Kokos­fasern. Sie kann zwar minim teurer sein, schützt aber die Natur. Und ein Garten braucht nicht unbedingt Torf: ­Schonende ­Behandlung des Bodens sowie Gründüngung und Kompost machen den ­Einsatz des ­Rohstoffs überflüssig.