«Den Vogelbeerbaum am Bord wollen wir dann auf jeden Fall fällen», sagt er. Darauf antwortet sie: «Moment mal…» Er: «Klar, das haben wir gestern doch so besprochen.» Sie: «Wir haben darüber geredet, ja – aber entschieden haben wir noch gar nichts.»

Der Winterthurer Gartengestalter Stefan Nänni, der den Disput am Wohnzimmertisch mitverfolgt, schmunzelt. «Einen Garten neu zu gestalten ist nie ganz einfach. Solche Diskussionen kenne ich sehr gut», sagt er zu Andrea und Beat Walcher. Die beiden wohnen im Zürcher Unterland in einem Reihenhaus direkt an einem kleinen Fluss. Seit zehn Jahren leben Walchers bereits mit ihren drei Töchtern hier. Und klar ist der ganzen Familie: Es muss etwas mit dem rund 40 Quadratmeter kleinen Garten geschehen!

Bislang besteht das Grün vor der Terrasse aus einem Rasen, wild gewachsenem Gestrüpp, zwei, drei Topfpflanzen – und eben: dem Vogelbeerbaum.

«Kann man mit einem solch kleinen Garten aber überhaupt etwas machen?», fragt Beat Walcher. «Sicher», antwortet Gartenbauer Nänni. «Je kleiner der Garten, umso entscheidender ist die Gestaltung.» Das Wichtigste sei, dass man Schwerpunkte setze, verzichten könne und sich auch bei der Pflanzenwahl einschränke. «Die meisten stellen sich ihren neuen Garten als ein Paradies auf Erden vor», sagt Nänni. Die Wunschpalette reiche dann oft von 50 verschiedenen Pflanzen über einen Teich und eine Feuerstelle bis zur Steinskulptur und Pergola. Doch das sei zu viel und habe keine Wirkung mehr.

Sich vorweg zu überlegen, wie etwas wirke, sei ohnehin der wichtigste Aspekt bei der Gartenneugestaltung, betont Nänni und erklärt, dass zum Beispiel viele den Fehler machten, in kleinen Gärten kleine Steinplatten für Wege oder Sitzplätze auszuwählen. «Das aber unterstreicht die Kleinheit des Gartens nur zusätzlich.» Besser wären hier also grosse Platten. Weitere Tricks und Kniffe, wie man einen Kleingarten gross aussehen lassen kann, finden sich in der Fachliteratur – im Folgenden einige Beispiele:

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  • Nicht alles bereits auf den ersten Blick erfassbar machen: Hecken, Pflanzen oder Bauten sollten wenn möglich so platziert werden, dass sie in den Garten hineinragen und versteckte Bereiche entstehen. Dies ist insbesondere bei schlauchartigen Gärten, wie sie bei Reihenhäusern häufig sind, sinnvoll.

  • Verschiedene Ebenen schaffen – allenfalls am einen Ort Erde abtragen und andernorts dafür einen Hügel bauen.

  • Beim Anlegen von Bepflanzungslinien und Wegen mit geschwungenen Linienführungen arbeiten (siehe unten: «Gartenpfade schaffen Ambiente»).

  • Einzelne Räume im Garten entstehen lassen – etwa indem man verschiedene Bodenbeläge miteinander kombiniert (Rasen, Stein, Kies), eine offene Pergola aufstellt oder einen Teich anlegt.

  • Übergänge schaffen: Der Wechsel vom einen Gartenraum in den anderen kann zum Beispiel mit einem Heckenbogen oder mit Steinfiguren inszeniert werden. Weniger auffällige Übergänge erreicht man durch gegeneinander versetzte Sträucher.

  • Sind die umliegenden Gärten attraktiv, sollte der eigene Garten nicht durch Bepflanzung, Wände, Zäune abgegrenzt werden. So wird die Umgebung in den eigenen Garten einbezogen und lässt ihn grösser wirken.

  • Wasser im Garten: Wasser in einem Teich oder in einem Bottich spiegelt Himmel und Wolken, was dem Garten neue Dimensionen verleiht.


Von der «dritten Dimension» spricht auch Gartengestalter Nänni, als er Walchers den Vorschlag macht, ein Podest zu bauen, das ins Bord hinausragt und von vier Stützen getragen wird. «Die Stützen sollten aus geschältem Robinienholz sein und rund vier Meter über das Podest hinausragen. Sie könnten mit Kletterpflanzen ergänzt werden. Das lenkt die Blicke himmelwärts und verleiht dem Garten eine dritte Dimension.»

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Walchers sind begeistert: So hätte man plötzlich eine Art Plattform mit Aussicht auf den Fluss, einen Ort zum Sitzen oder zum Klettern für die Kinder… Und wie wäre es, wenn man dieses Podest nachts beleuchten würde? «Das ist ein heikles Thema», rät Nänni ab. Gartenbeleuchtungen seien in den letzten Jahren stark in Mode gekommen. Die Erfahrung zeige aber, dass das Licht doch eher selten verwendet werde. Deshalb sein Rat: erst einmal nur Leerrohre im Boden verlegen und mit der Beleuchtung noch etwas zuwarten (siehe unten: «Beleuchtung: Weniger ist mehr»).

Ein schrittweises Vorgehen ist sowieso sinnvoll. Gerade auch, wenn ein Garten für einen Neubau angelegt werden soll. Da lohnt es sich, zuerst nur den Zugangsweg erstellen zu lassen und erst einige Zeit nach dem Einzug den Garten fertigzuplanen. So findet man etwa am besten heraus, wo ums Haus man sich am liebsten aufhält. «Gerade Sitzplätze befinden sich oft am falschen Ort», sagt Nänni.

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Etwas Geduld braucht ein schöner Garten in jedem Fall: Bis alles in voller Blüte steht, können gut und gern zwei bis drei Jahre vergehen. Aber selbst vom ersten Gespräch mit dem Gartenbauer bis zur Fertigstellung des Gartens verstreichen rasch einmal bis zu sechs Monate. Wichtig ist auch, wann man mit der Planung beginnt. Am besten plant man im Winter, damit im Frühling, zur besten Zeit, angepflanzt und ausgesät werden kann.

Doch wie findet man heraus, was einem überhaupt gefällt? Am besten, indem man nach Gärten Ausschau hält, die einen besonders ansprechen. Dann sammelt man mutig und lustvoll Ideen und bringt sie auf den Tisch. Die Aufgabe des Gartengestalters ist es dann, die Wünsche zu analysieren, zu beurteilen, was machbar ist und welche Pflanzen sich für den Standort tatsächlich eignen.

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Ein solcher Service hat selbstverständlich seinen Preis. Eine Erstberatung und eine rudimentäre Offerte für den Kleingarten machen zwar die meisten Gartenbauer kostenlos. Geht es dann in die konkrete Planung und Umsetzung, muss schon etwas tiefer ins Portemonnaie gegriffen werden. Die Konzepterarbeitung durch eine Fachperson kostet je nach Grösse des Gartens zwischen 1500 und 3500 Franken. Die Umsetzung inklusive Pflanzen kommt auf rund 80 bis 200 Franken pro Quadratmeter zu stehen. Die Kosten variieren je nach individuellen Wünschen und topographischen Gegebenheiten stark.

Walchers sind sich im Klaren, dass sie für die Gartenumgestaltung einige tausend Franken werden ausgeben müssen. Lange halten sie sich aber nicht mit den Finanzen auf. Etwas anderes scheint wichtiger zu sein. Er: «Wenn wir jetzt aber den Vogelbeerbaum fällen würden, dann hätten wir Platz für…» Sie: «Beat!» Und wieder beschwichtigt Gartenbauer Nänni das Ehepaar und erzählt, dass er und seine Frau die gleichen Gartendiskussionen hätten. «Einmal hat sie mir sogar damit gedroht, dass sie einen eigenen Gärtner engagieren werde!»

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Gartenpfade schaffen Ambiente

Wege sind selbst im Kleingarten sinnvoll. Denn auch mit einem richtig angelegten Pfad kann ein Garten an Grösse gewinnen. Beispielsweise indem der Weg über die längste Achse, die Diagonale, geführt wird vorzugsweise geschwungen oder in ­Kurven, denn gerade angelegte Wege ­wirken verkürzend. Ein weiterer Trick ­besteht darin, den Weg am Ende des ­Gartens hinter einem Gebüsch verschwinden zu lassen. Das erweckt den Eindruck, dass es dort weitergeht.

«Ein Weg beeinflusst Ambiente und ­Ausstrahlung des Gartens», sagt Naturgartengestalter Peter Richard aus dem thurgauischen Wängi. Je nach Material vermittle ein Weg ein anderes Gefühl. Naturstein etwa wirke lieblich und weich, Beton eher hart und kalt. Welches Material gewählt wird, hat zudem mit der ­Funktion des Wegs zu tun: Für Fusswege eignen sich etwa Stein und Betonplatten oder Kies.  Für Wege, die befahren werden, sollte man eher Pflastersteine (Natur oder Beton) verwenden, die eine erhöhte Tragfähigkeit aufweisen.

Die Bauweise eines Wegs ist entscheidend für den Arbeitsaufwand und die Kosten. ­Lose Betonplatten, auf die Wiese gelegt, sind der Fiat Panda der Gartenwege, Naturpflastersteine, einzeln mit dem Hämmerchen eingepasst, der Rolls-Royce. Gemäss Naturgärtner Richard ist ein simpler Fussweg mit Platten auch für Laien relativ einfach anzulegen. Ausgerüstet mit Fachliteratur, Schaufel, Schubkarre, Hammer und etwas Splitt für den Untergrund, schaffe man rund zehn Meter pro Tag.

Den Experten beiziehen sollte man, wenn der Weg einer höheren Belastung standhalten muss. Dann sei ein zweischichtiges Kiesbett als Unterbau angesagt, betont Fachmann Richard, «eine Arbeit, für die man Know-how und Erfahrung benötigt».

Am sinnvollsten ist es, wenn man für seinen Weg möglichst kein Material aus Übersee wählt, sondern regional produziertes. ­Eine günstige und ökologische Alternative sind ausserdem ­Occa­sionsmaterialien von der Bauteilbörse oder Restmaterial von Gartenbaufirmen und Abbruchunternehmen.

Häufig verwendete Materialien

  • Naturstein: In den verschiedensten ­Formen und Grössen erhältlich. Angenehme Ober­flächentemperatur (nicht zu kalt, nicht zu heiss). Preis (Material und Unterbau durch den Fachmann angelegt): 200 bis 350 Franken pro ­Quadratmeter.

  • Beton: Günstiger als Naturstein. Das ­Angebot umfasst diverse Strukturen und Ein­färbungen. Die Oberflächentemperatur ist oft sehr heiss respektive sehr kalt. Preis: 60 bis 140 Franken pro Quadratmeter.

  • Kies/Mergel: Günstige Variante, mit dem Nachteil, dass die Wege bei Regen häufig matschig, bei Trockenheit hingegen staubig sind. ­Dafür ist die Oberflächentemperatur an­genehm. Preis: 40 bis 50 Franken pro Quadratmeter.

  • Rindenmulch: Günstigste Variante, regional gut verfügbar (Forstbetrieb). Sie eignet sich aber nur für Nebenwege, die nicht befahren werden. Nach Regen sind die Holzschnitzel oft relativ lange nass. Die Schnitzel müssen nach vier bis sechs Jahren ausgewechselt werden. Preis: 30 bis 40 Franken pro ­Quad­ratmeter.

Beleuchtung: Weniger ist mehr

Machen Sie die Nacht nicht zum Tag – denn nur sparsam, aber dafür richtig eingesetzt, verleihen Lichtinstallationen einem Garten Tiefe und Atmosphäre.

Wer nachts einen Blick nach draussen werfen möchte, sieht im spiegelnden Fensterglas meist nur sich selbst und die Möbel. Licht­installationen im ­Garten können dem ­suchenden Auge den gewünschten Ausblick verschaffen.

Oder wie es Gartenbauer Bruno Müller aus Udligenswil LU sagt: «Licht im Garten kreiert zusätzlichen Wohnraum.» Müller hat grosse Erfahrung im Ausleuchten von Gärten und schwärmt von den Möglichkeiten. Vieles sei denkbar – von einer dezenten Licht­führung entlang von Wegen bis zum Hervorheben einzelner Komponenten (Mauern, Pflanzen, Skulpturen). Grund­sätzlich gelte: ­«Weniger ist mehr. Sparsam und richtig eingesetzt, verleiht ­eine Beleuchtung dem Garten Tiefe, Raum und Atmosphäre.»

Für umfangreichere Vorhaben ist es sinnvoll, einen Gartengestalter oder eine Gartenarchitektin beizuziehen. Auch muss der Anschluss ans Stromnetz von Fachkräften ausgeführt ­werden. Denn die Kabel müssen in Spezial­rohren rund 60 Zentimeter tief in der Erde verlegt werden. Wird dies in einem bestehenden Garten gemacht, kann es je nach Belag aufwendig werden: Besteht die Oberfläche aus ­Rasen, kann der Gärtner mit einem Rasen­ziegelschneider die obere Schicht ­abschneiden, aufrollen und nach dem Verlegen der Leitungen wieder darüber­legen. Sind hingegen schwere Steinplatten zu entfernen, kommt das Ganze entsprechend teurer zu stehen. Garten­gestalter Müller gibt für eine einfache Beleuchtung eines Baums durch zwei bis drei Spots inklusive aller Arbeiten einen Kostenrahmen von 500 bis 2000 Franken an.

Einen entscheidenden Einfluss auf die Kosten hat die Wahl der Leuchtmittel. In den Baumärkten sind zum Beispiel Solarleuchten mit Erdspiess problemlos für unter 50 Franken zu finden. ­«Diese eignen sich, um einzelne Lichtpunkte zu setzen», sagt Müller. Zum Aus- oder Beleuchten sind sie ­allerdings zu schwach. Dazu braucht es schon Halogen- oder LED-Leuchten. Die Preise für solche Lampen variieren zwischen 100 und 1500 Franken. Bevor man für teures Geld Leuchten kauft und Leitungen verlegen lässt, ist es ratsam, erst mal die Probe aufs ­Exempel zu machen: Einige Leuchtenhersteller und Gartengestalter leihen Kabelrollen sowie diverse Spots und Lampen aus, damit der Effekt des Lichts getestet und der richtige Platz für die Lampe ­gefunden werden kann.

Dabei ist auf Nachbarn und auf die Tierwelt Rücksicht zu nehmen – die Nacht soll schliesslich nicht zum Tag gemacht werden. Sonst könnte es sein, dass die Kinder wissen wollen: «Papi, wie hat früher die Nacht ausgesehen?» Diese ironische Frage stellt die NGO Dark Sky, die sich für die Reduk­tion der Lichtverschmutzung einsetzt. Und wer seinen Garten sowieso nur sporadisch erhellen will und es günstiger und ­romantischer haben möchte, kann auch auf das Licht des Feuers ­setzen – sei dies in der Feuerschale, der Öl­lampe oder im guten alten Lampion.

www.darksky.ch

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