Ein Quartier von Reihenhäuschen in Biel, die Gärten klassisch mit Rasen, Thujahecken, Obstbäumen und Gemüsebeeten bestückt. Eines der Gärtchen jedoch sieht anders aus. Schon von weitem fällt der Zaun aus gelben Weiden auf, die als lebendiger Wirrwarr in den Frühlingshimmel ragen. Gelächter schallt aus dem hinteren Teil des Gartens, Kinderstimmen überschlagen sich. Aus der blauen, von Tannenästen halb verdeckten Hütte stecken drei Kinder ihre Köpfe hervor: Jeanne Rose, 3, und die Nachbarsbuben Janis, 4, und Nils, 8.

Heute Nachmittag steht Gärtnern auf dem Programm. Auf einem alten Gartentisch stehen Gänseblümchen und Duftveilchen zum Eintopfen bereit. Jeanne Rose und Janis puhlen die Jungpflanzen aus den Plastiktöpfen, zupfen an den Wurzeln. «Die riechen nach Gaggi», sagt Jeanne Rose. «Nach Tannennadeln», versucht sich Janis. «Quatsch», sagt sein grosser Bruder Nils, «die riechen einfach nach Blumen!» Dann lässt er die Kleinen weiter herumalbern und macht sich an das Pflanzen von Kartoffeln. Die Knolle bietet sich für kleine Gärtner geradezu an. Sie ist pflegeleicht, lässt sich sogar in Eimern auf dem Balkon ziehen – und in der Küche zu feinen Pommes frites oder Rösti verarbeiten. Eigenes Gemüse zu ernten ist für Kinder immer ein Erfolgserlebnis; eine sinnliche Erfahrung, die ihnen zeigt, woher das Essen kommt, und die sie Zusammenhänge begreifen lässt.

Gartenfrisches für Gemüsemuffel

Kinder mögen fast alles, was süss schmeckt. Im Garten sind das zuerst einmal Erdbeeren und Himbeeren, auch Kirschen, Äpfel oder Mirabellen sind beliebt. Süss schmecken aber auch frisch geerntete Erbsen oder Maiskolben. Selbst Kinder, die sonst Gemüse meiden, essen frische Sachen wie Fenchel, Rüebli, ja sogar Rosenkohl, Broccoli oder Spinat gerne, wenn sie das Setzen, Gedeihen und Ernten miterleben.

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Inzwischen haben Jeanne Rose und Janis die Frühlingsblumen in ihre Einzelteile zerlegt. «Für dich, Mama!», strahlt die Kleine und hält ihrer Mutter eine Handvoll abgezupfter Blüten entgegen. Diese lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie holt Töpfe, Schilder und Kompost und lässt die Kinder Sonnenblumenkerne pflanzen. Die Töpfchen werden beschildert, damit jedes Kind schauen kann, wie seine Blume gedeiht. Auch Kapuzinerkresse, Kürbisse und Feuerbohnen eignen sich für kleine Gärtner: Die Samen sind gross und leicht zu handhaben. Weil Kinder sich gerne alles in den Mund stecken, was nur halbwegs essbar aussieht, haben Giftpflanzen in einem Familiengarten nichts zu suchen, schon gar keine Sträucher mit giftigen Beeren. Auch Schneckenkörner und sonstige Chemikalien gehören nicht in einen kindgerechten Garten. Gäbe es keine Würmer, Schnecken und Käfer zu entdecken, wäre es für die Kleinen ja auch nur halb so interessant.

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Ein ganzer Beutel Sonnenblumen: Jeanne Rose und Janis sind neugierig, was da wohl drinsteckt.

Quelle: Thinkstock Kollektion

Eine Hecke sollte etwas aushalten

Den Gemüsegarten grenzt man vom Spielrasen der Kinder am besten durch robustes Blattwerk und solide Hecken ab. Die meisten der gängigen Sträucher ertragen einen fliegenden Ball oder Fusstritte. Ebenfalls hart im Nehmen sind Historische Strauchrosen wie die Rosa Mundi. Wenn der Platz knapp ist, tut es auch ein mit Kletterpflanzen bewachsener Zaun. Gute Kletterer sind nebst Feuerbohnen, Hopfen und Kapuzinern auch die Trichterwinde und die Schönranke. An einem Zaun lassen sich auch Sonnenblumen und Stockrosen ziehen; allerdings muss man sie gut festbinden, damit sie nicht beim erstbesten dahergeflogenen Ball knicken.

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Ideal für Kinder sind die unkomplizierten Haselsträucher: Sie verschmerzen es, wenn gelegentlich ein Ast abgebrochen wird. Aus den Zweigen lassen sich zudem Pfeilbogen oder Spiesse zum Würstchengrillen schnitzen. Die frischen Zweige sind elastisch, und es dauert eine ganze Weile, bis sie Feuer fangen.

Selbst wenn Kinder sich für Gartenarbeit, fürs Pflanzen, Jäten und Ernten begeistern: Meistens wollen sie im Garten einfach nur spielen. Versteckte Spielplätze sind natürlich besonders beliebt – Kinder wollen ja auch unter sich sein. «Kommt zum Labyrinth!», ruft denn auch die arbeitsmüde Jeanne Rose, und alle drei rennen auf die Spirale aus Weiden zu, eine simple, wenige Meter grosse Konstruktion, die die Knirpse endlos fasziniert. Jeweils drei Weidenäste sind zu einem Zopf geflochten. Das macht die daraus geformten Strukturen, die zum Schluss noch mit Schnüren festgezurrt werden, stabiler. Weiden wachsen sehr schnell. Deshalb sollte man sie nicht ausser Kontrolle geraten lassen und neue Triebe laufend einflechten. Bereits im ersten Sommer entstehen auf diese Weise dichte, grüne Wände.

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Auch mit Feuerbohnen, Hopfen oder Kürbis lassen sich Indianertipis, Tunnels oder Hütten beranken. Wichtig ist bei all diesen Gewächsen, dass sie genügend Nährstoffe kriegen. Man sollte deshalb vor dem Einpflanzen ein paar Schaufeln Hühner-, Kaninchen- oder Meerschweinchenmist eingraben.

Perfektion ist etwas für Langweiler

Die gute, alte Schaukel steht bei Kindern immer noch hoch im Kurs. Schöner als die grellbunten Plastikdinger ist eine Holzschaukel, die in einem Apfelbaum hängt. Sind keine grossen Bäume vorhanden, kann man die Schaukel auch an einer selbstgebauten Spielburg befestigen. Dafür braucht es etwas Phantasie, Restmaterial, etwa aus einer Baumulde, solide Holzpfähle und ein gutes Dutzend Bretter.

Und soll es doch eine knallbunte Rutschbahn oder ein Klettergerüst aus Plastik sein, kann man sie elegant hinter einem Blätterdickicht verstecken. Im Gegensatz zu vielen Eltern haben Kinder kein Problem mit grellen Farben. Es war Jeanne Rose, die bei ihrem eben fertig gewordenen Gartenhäuschen auf knalligem Enzianblau bestanden hat. Wie die Spielburg ist das Häuschen aus Baumuldenmaterial gebaut: gezimmert aus Türchen einer ausrangierten Küche, Dachlatten sowie den Wänden eines alten Kleiderschranks. Dazu ein paar Vorhänge und ein Kübel blauer Farbe, und fertig war das Traumhäuschen. Wer seinen Garten auf die Bedürfnisse von Kindern abstimmt, lernt vielleicht, seine ästhetischen Ansprüche zu relativieren. Dafür kann das gemeinsame Gärtnern befreiend wirken. Ebenso die Einsicht, dass nicht immer alles perfekt sein muss. Die Hauptsache ist, dass der Garten lebt.

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April: Primeln und Oster­glocken pflanzen. Die Osternestchen im Garten verstecken. Radieschen säen – praktisch sind Saatbänder, die es im Fachhandel gibt. Kartoffeln, Himbeeren und Erdbeeren pflanzen.

Mai: Sonnenblumen säen, am besten erst einmal in Töpfen, damit die Schnecken sie nicht gleich fressen. Gut sind auch abgeschnittene PET-Flaschen, die über die Jungpflanzen gestülpt werden. Kapuzinerkresse, Feuerbohnen, Kürbisse, Erbsen und Rüebli nach den Eisheiligen (2010: 11. bis 15. Mai) säen. Einjährige Blumen direkt ins Beet säen. Im Fachhandel gibt es Blumen­mischungen, die nach Farben sortiert sind. Tomaten am besten als Jungpflanzen kaufen, nach den Eisheiligen auf dem Balkon oder im Freien pflanzen.

Juni: Rosenblüten pflücken (Rosen nicht spritzen!). Mit Rosenblüten lassen sich Salate und Desserts dekorieren oder Glaces herstellen. Tomaten «ausgeizen» (Seitentriebe ausbrechen, damit sie mehr Früchte tragen) und regelmässig düngen.

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Juli: Kartoffeln, Obst und Beeren ernten. Den Sommer im Garten geniessen. Knollenfenchel säen.

August: Die Ableger von den Erdbeeren trennen und sie separat einpflanzen. Erdbeeren mögen reichen Boden, darum vor dem Pflanzen Kompost und eine Handvoll Hühnermist eingraben. Nüsslisalat sowie zweijährige Blumen wie Stief­mütterchen und Vergissmeinnicht säen.

September: Blumenzwiebeln für den Frühling pflanzen. Blumen­zwiebeln aufs Beet oder auf den Rasen werfen und sie dort pflanzen, wo sie hin­gefallen sind, so sieht es am natürlichsten aus. Nochmals Kresse säen.

Oktober: Einen Baum pflanzen. Bäumchen, die auf niedrigen Wuchs hin gezüchtet sind, eignen sich auch für kleine Gärten oder können sogar in einem Kübel auf der Terrasse gezogen werden. Kürbisse schnitzen für die Halloween-Party.

November: Nüsse ernten (frische Nüsse schmecken anders als getrocknete!). Garten aufräumen und ein Feuer machen (falls in der Gemeinde erlaubt). Das Laub rechen, in den Laubhaufen herumtollen. Aus Ästen und Laub Haufen aufschichten, in denen sich Igel und andere Tiere verstecken können.

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Dezember: Barbarazweige schneiden und ins Haus nehmen, damit sie zu Weihnachten blühen. Hyazinthen im Haus vortreiben. Achtung, die Zwiebeln sind giftig! Hände gut waschen.

Januar: Schneemänner und Iglus bauen. Vögel füttern.

Februar: Wer ein sonniges Fenstersims oder gar ein Gewächshaus hat, sät jetzt schon Tomaten. Drei bis vier Samen in einen kleinen Topf mit Anzuchterde geben, leicht zudecken und andrücken, immer feucht halten.

März: Auf einem sonnigen Sims Kresse und Schnittsalate ziehen. Schaukeln und Rutschbahnen aufbauen und gut im Boden verankern. Labyrinthe, Zelte oder Tunnel aus Weiden bauen, bevor die Äste austreiben. Lange, gerade Äste schneiden und sie 20 Zentimeter tief in den Boden stecken. Feucht halten, dann wachsen sie von alleine.

Buchtipp: Martyn Cox: «Löwenzahn und Schmetterling»; Dorling-Kindersley-Verlag, 2010, 80 Seiten, Fr. 19.90

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