Oft sieht man sie erst auf den zweiten Blick, die dünnen Leitungen, die von Blumenkiste zu Blumenkiste oder dezent durch das Gemüsebeet führen. Zu sehr lenken die Blütenpracht oder die Fülle an Tomaten, Zucchetti und Salaten ab. Natürlich können diese auch allein das Verdienst fleissiger Hobbygärtnerinnen und -gärtner sein. Vor allem auf Terrassen und Balkonen aber ist immer häufiger eine automatische Bewässerung beteiligt.

«Bei Gefässbepflanzungen, wo das Wurzelwerk schneller austrocknet, ergibt eine Bewässerungsanlage am meisten Sinn», sagt Bruno Bacher, Inhaber des Bacher Garten-Centers in Langnau am Albis ZH.

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Je nach Bepflanzung bietet sich das Verlegen von Bewässerungsleitungen aber auch im Garten an. «Der Trend geht zwar hin zum Naturgarten mit einheimischen Pflanzen, die eher einmal ein paar Tage ohne Wasser auskommen. Aber für Rasen, Blumen- oder Gemüsebeet und Hecke kann das ebenfalls eine Entlastung sein. Vor allem in Anbetracht der immer längeren Trockenperioden», sagt Bacher.

Ob es in jedem Fall stimmt, dass man mit einer Bewässerungsanlage kräftigere Pflanzen hat und Wasser spart, findet der Fachmann schwierig zu beurteilen. «Grundsätzlich lässt sich auch von Hand richtig tränken. Es ist einfach zeitintensiver. Ausserdem hängt vieles davon ab, ob eine Bewässerungsanlage richtig geplant und programmiert ist.»

Zuerst eine Skizze anfertigen: Was soll bewässert werden?

Der einfachste Weg zu einem Bewässerungssystem führt über den Gärtner. Mit etwas technischem Verständnis lässt sich ein solches aber auch selbst realisieren.

Dabei beginnt alles mit der Frage: Was soll bewässert werden? Bruno Bacher empfiehlt, zuerst eine Skizze anzufertigen. Welche Pflanzen mit welchen Giessbedürfnissen befinden sich wo im Garten? Welche Hindernisse – etwa befestigte Wege – müssen von der Wasserquelle bis dorthin überwunden werden? Und welche Distanzen fallen an? Auch ein paar Fotos können bei der Einkaufsberatung im Fachhandel helfen.

Zur Auswahl stehen dort meist zwei Systeme. Für Balkon- und Topfpflanzen beliebt ist das Tonkegelsystem, zum Beispiel von Blumat. Dabei wird ein mit Wasser gefüllter Tonkegel in einen Topf gesteckt. Sobald die Erde zu trocken ist, reguliert der Tonkegel den Flüssigkeitsnachschub. Entweder direkt über den Kegel oder indem sich durch den Unterdruck ein Ventil zur Wasserabgabe öffnet. «Ein wassersparendes Wasser sparen im Garten Pflanzen giessen mit wenig Wasser System, das besonders einfach installierbar ist und sich für kleine Terrassen gut eignet», sagt Bacher.

Das Giesswasser kann dabei aus einer Flasche oder aus einem Gefäss neben dem Pflanzentopf kommen, was Leitungen überflüssig macht beziehungsweise minimiert – eine Lösung, die oft auch zur Überbrückung während der Ferien gewählt wird. Die Tonkegelsysteme können aber auch an einen Wasserhahn angeschlossen werden. «Hier muss jedoch unbedingt ein Druckreduzierer eingebaut werden, da die Leitungen konstant unter Druck sind», so Bacher.

Auf einen einzigen Anbieter setzen

Etwas komplexer, aber auch vielseitiger sind Systeme mit einer Zeitsteuerung direkt am Wasserhahn. Marktführer ist hier Gardena, es gibt aber auch weitere Anbieter wie Kärcher. «Wichtig ist, sich auf einen Anbieter festzulegen und nicht Komponenten zu mischen», rät Bacher.

Ein weiterer Tipp des Profis: Vor dem Steuerelement nur druckresistente Bauteile benutzen. Denn vor dem Gerät ist der Wasserdruck konstant hoch, und schon kleine Lecks können zu grossem Wasserverlust führen. Das Steuerelement – entweder eine mechanische Bewässerungsuhr oder eine digitale Steuerung – bestimmt dann, ob einmal oder mehrmals täglich oder gar nur alle paar Tage Wasser durch den Schlauch zum Bewässerungsort fliesst. Die Schläuche aus Kunststoff lassen sich einfach mit der Schere kürzen, über Verbindungsstücke werden Verzweigungen eingefügt und Wasserabgabevariationen kombiniert.

 

«Bei Gefäss­bepflanzungen, wo das Wurzelwerk schneller austrocknet, ­ergibt eine Anlage am meisten Sinn.»

Bruno Bacher, Inhaber Garten-Center, Langnau am Albis ZH

Bei Balkon- und Gefässbepflanzungen kommen ähnlich wie beim Tonkegelsystem vor allem Tropfer zum Einsatz, auf Wunsch mit regulierbarer Wassermenge. Für empfindliche Pflanzen im Blumen- oder Gemüsebeet, aber auch bei Hecken eignet sich der Tropfschlauch mit regelmässigen Tropföffnungen. Etwas grossflächiger ist man mit einer Sprühdüse oder einem Flächenregner unterwegs, die in unterschiedlicher Intensität und Reichweite erhältlich sind. Dabei gilt: je grossflächiger, desto weniger Schläuche, dafür aber auch weniger gezieltes Tränken. Wer möglichst gar keine Schläuche sehen will, kann diese unterirdisch führen.

«Am einfachsten realisierbar ist das im Rahmen eines Gartenumbaus Umweltexperten im Interview «Man muss den Garten nicht gleich umgraben» , zum Beispiel für Hecken oder den Rasen», so Bacher. Beim Rasen kommt man aber auch sonst nicht immer um die unterirdische Leitungsführung herum, damit die Anlage weder Mensch noch Mähroboter in die Quere kommt. Abhilfe schaffen Regner, die nur dann aus der Versenkung auftauchen, wenn Wasser durch das im Untergrund geführte Rohr fliesst.

Grosse Preisspanne: Bewässerungssysteme kosten zwischen 100 und 800 Franken

Die Möglichkeiten von Bewässerungssystemen sind fast unbegrenzt. Entsprechend gross ist auch die Preisspanne. «Ein einfaches Tonkegelsystem erhält man schon für unter 100 Franken, bei einem Terrassensystem mit Steuerung ist man mit 400 bis 600 Franken Materialpreis gut dabei, im Garten sind es bald einmal 800 Franken, nach oben hin offen», rechnet Bruno Bacher vor. So lassen sich je nach Bewässerungssteuerung beispielsweise auch mehrere Verteilstränge individuell programmieren, etwa für Rasen und Gemüsebeet oder Nord- und Südseite des Gartens. Und natürlich lässt sich auf Wunsch auch alles via Smartphone nachverfolgen und programmieren. Der Experte empfiehlt, zumindest den Bewässerungscomputer mit einem oder mehreren Regen- oder Feuchtigkeitssensoren zu kombinieren. So verschwendet man an Regentagen nicht unnötig Wasser.

Wie kann man Regenwasser im Garten am besten sammeln?

Regenwasser hat viele Vorteile: Die meisten Pflanzen ziehen es hartem Leitungswasser vor, man verbraucht weniger Trinkwasser und spart Wasser- und Abwassergebühren. «Je nach Gemeinde sind das bis zu 5 Franken pro Kubikmeter», sagt Frank Blöchlinger vom Tank- und Behältercenter Ripalgo AG in Rüthi SG. Für wenige Hundert Franken sind Regentonnen erhältlich und werden inklusive Regenrohrklappe installiert.

Einen Schritt weiter geht man mit einem unterirdischen Tank. Auch hier wird Regenwasser vom Hausdach via Regenrohr gesammelt. «Noch wichtiger als bei der Regentonne ist hier der Filter, damit möglichst wenig Schmutz im Tank landet», so Blöchlinger. Oberirdisch wiederum wird am gewünschten Ort ein Wasserhahn installiert. Öffnet man diesen, wird das Wasser automatisch nach oben gepumpt. Wie gross der Tank sein soll, hängt von Region sowie Dach- und Gartenfläche ab. Hersteller wie Ripalgo bieten hierzu Online-Berechnungstools.

Soll der Tank mit einer automatischen Bewässerung kombiniert werden, empfiehlt Blöchlinger für einen durchschnittlichen Einfamilienhausgarten mindestens einen 3000-Liter-Tank. Die reinen Materialkosten inklusive Inbetriebnahme belaufen sich dabei auf rund 3500 Franken, die Umgebungsarbeiten können unterschiedlich ausfallen. «Wird das Projekt im Rahmen eines Gartenumbaus gemacht, halten sich die Zusatzkosten in Grenzen.»

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