Ein Riss in der Duschwanne, Weinflecke auf dem Spannteppich: Mieterinnen und Mieter haften für Schäden an der Wohnung . Dazu dürfen Vermieter nach Gesetz bis zu drei Monatsmieten als Depot verlangen.

Das bringt viele Mieterinnen und Mieter ans Limit – gerade in finanziell unsicheren Zeiten. Hinzu kommt: Das Geld wird üblicherweise auf ein Sperrkonto einer Bank eingezahlt. Das bringt heute kaum noch Zins. Die Gebühren steigen ständig, vielleicht drohen schon bald Negativzinsen .

Banken empfehlen Kautionsversicherung

Die Alternative zum Mietzinsdepot – eine Kautionsversicherung – scheint immer attraktiver zu werden. Auch Banken raten Mietern, solche Lösungen ins Auge zu fassen.

Von der Credit Suisse etwa liegen dem Beobachter verschiedene Schreiben vor, die Mietern nahelegen, das Kautionskonto aufzulösen. Stattdessen sollen sie eine Versicherung bei Swisscaution abschliessen. Die CS begründet den Werbefeldzug so:

«Mietkautionskonten sind ein Verlustgeschäft, da wir für Einlagen bei der Nationalbank Negativzinsen entrichten müssen.»

Credit Suisse

Drohen also bald Negativzinsen für Mieter? «Über die mögliche Einführung von Gebühren erteilen wir generell keine Auskünfte.»

Anzeige

Auch andere Banken Finanzen So finden Sie die Bank, die zu Ihnen passt schliessen Negativzinsen nicht aus. Bei Raiffeisen, UBS, ZKB oder Luzerner Kantonalbank sei die Kontoführung aber in jedem Fall gewährleistet, vorerst ohne Negativzinsen, heisst es.

Vorteil für Vermieter

Der sanfte Druck hin zur Kautionsversicherung kommt aber auch von Hausverwaltungen. Das Eröffnen wie auch das Regeln von Schäden läuft über die Versicherungslösung wesentlich einfacher – jedenfalls für die Vermieter.

Inzwischen ist die Auswahl an Mietkautionsversicherungen Mietkautionsversicherung Kein Geld für die Kaution? beträchtlich, neben Swisscaution unter anderem bei Axa, Helvetia, Zurich oder Firstcaution.

Mit dieser Alternative entfällt die Einzahlung der geforderten Summe in bar. Als Sicherheit wird gegenüber dem Vermieter eine Bürgschaft abgegeben. Was taugt diese Alternative?

Anzeige

Nachteil für Mieter

«Wir raten von einer solchen Lösung ab», sagt Fabian Gloor, Jurist beim Mieterinnen- und Mieterverband. Je nach Versicherungsmodell fallen nämlich zusätzliche Kosten an: Einschreibegebühren und eine Jahresprämie von vier bis fünf Prozent. Bei langjährigen Mietverhältnissen summiert sich so ein Betrag, der leicht fast drei Monatsmieten ausmachen kann.

Hinzu kommt: Viele Mieter verwechseln die Bürgschaft mit einer Haftpflichtversicherung. In Tat und Wahrheit fordert die Firma, die den Betrag verbürgt, sämtliche Leistungen von der Mieterin zurück. «Unter dem Strich ist die Mietkautionsversicherung die teurere Lösung. Und sie liegt nicht im Interesse der Mieterschaft», folgert Gloor. Wer das Geld für eine Kaution nicht habe, solle besser Freunde oder Verwandte um ein Darlehen bitten .

Anzeige

Es gibt immer Alternativen

Mieter können nicht verpflichtet werden, eine Kautionsversicherung abzuschliessen. Es stehen immer Alternativen Bürgschaft für Wohnung Solidarisch beim Mietvertrag haften? offen. Dabei sollte man Kosten, Prämien und Geschäftsbedingungen vergleichen. Die Krux: Irgendwie muss man sich mit dem Vermieter auf eine Sicherstellung der Kaution einigen – sonst geht die Wohnung an jemand anderen.

Umgekehrt ist es aber auch wichtig, dass Mieterinnen bei der Einzahlung einen Beleg verlangen. Die Vermieter sollten nachweisen, dass das Geld tatsächlich sicher auf einem Sperrkonto einer anerkannten Bank deponiert ist. Wenn es stattdessen auf einem Privatkonto landet, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren, falls der Vermieter in Konkurs geht.

Lohnt sich eine Versicherung für die Mietkaution?

Mieterinnen und Mieter zahlen bei einer Mietkautionsversicherung statt des Mietzinsdepots jährlich eine Prämie, die vier bis fünf Prozent der Kaution beträgt. Im Gegenzug schiesst die Versicherung das Geld für allfällige Mieterschäden und Zinsausstände Geldnot Wer die Miete nicht zahlt, fliegt raus vor – bis zur Höhe der Kautionssumme. Danach verlangt die Versicherung den Betrag, den sie dem Vermieter überwiesen hat, wieder vom Mieter zurück. Je nach Anbieter kommen dabei noch Gebühren bis zu 100 Franken hinzu.

Anzeige

Optionen für Stockwerkeigentümer

Stockwerkeigentümer zahlen zwar keine Mietzinskaution, viele müssen aber jährlich in den Erneuerungsfonds einzahlen. Meist per Reglement auf ein Bankkonto, das auf den Namen der Stockwerkeigentümergemeinschaft lautet. Auch hier liegen grössere Summen praktisch ohne Ertrag brach.

«Wenn eine Gemeinschaft etwas anderes als ein einfaches Bankkonto wünschte, müsste das mit qualifiziertem Mehr beschlossen werden», sagt Dominik Romang, Präsident des Schweizer Stockwerkeigentümerverbands. Meist bräuchte es dazu eine Mehrheit der Eigentümer und eine Mehrheit nach Wertquoten.

Vom Verwalter ist nichts zu erwarten. «Das gehört nicht in sein Pflichtenheft», so Romang. Stattdessen eine Fachperson oder einen Ausschuss mit entsprechenden Vollmachten auszustatten, würde sogar Einstimmigkeit der Stockwerkeigentümer voraussetzen. Der Ausschuss müsste dann allerdings auch für Verluste geradestehen.

Anzeige

3 Tipps - Mietkaution

loading...

Wie man als Mieter schnell seine Mietkaution zurückerhält.

Quelle: Brightcove

Buchtipp

Mietrecht

Was Mieter in der Schweiz über ihre Rechte und Pflichten wissen müssen

Mehr Infos

Cover Mietrecht
Quelle: Beobachter Edition
Anzeige

«Den besten Rat - jede Woche per Mail»

Christian Gmür, Content Manager Ratgeber

Den besten Rat - jede Woche per Mail

Der Beobachter Newsletter