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RaumtemperaturHeizung funktioniert nicht - was tun?

Nicht immer herrscht in der Wohnung die Temperatur, die sich der Mieter wünscht. Welche Pflichten der Vermieter hat und wie man sein Recht notfalls einfordert.

Wenn die Heizung aussteigt, sollte man als Mieter den Hauswart oder den Vermieter informieren. Sind diese innert nützlicher Frist nicht erreichbar, darf man den Reparaturservice bestellen.
von aktualisiert am 19. September 2017

Der Föhn ist ihre letzte Hoffnung: Linda M. sitzt auf ihrem Sofa und bläst sich warme Luft zu. Sie friert. Es ist Samstagabend, und schon wieder funktioniert ihre Heizung nicht – wie so oft, wenn es draussen kälter wird. Sie wählt die Nummer ihrer Verwaltung, doch natürlich ist diese am Wochenende nicht erreichbar, und auch der Hauswart nimmt das Telefon nicht ab. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich in Decken zu kuscheln, den Föhn zu halten und zu warten, bis sie am Montag die Verwaltung kontaktieren kann.

Frieren in der eigenen Wohnung? Machtlos sein, wenn die eigenen vier Wände statt Gemütlichkeit nur noch Kühlschrankatmosphäre bieten? Immer wieder quälen sich Mieter mit Fragen rund um die Themen Wohntemperatur und Heizen.

Mindesttemperatur

Wie warm sollte meine Wohnung sein?

Gemäss übereinstimmender Meinung aller Mietrechtsjuristen muss die Raumtemperatur in einer Mietwohnung von 7 bis 23 Uhr 20 bis 21 Grad erreichen. Zwischen 23 und 7 Uhr ist eine Absenkung zulässig. Moderne Heizungen haben Steuerungen, die auch nachts ein Temperaturniveau von 20 Grad halten können. Ist die Heizung jedoch bereits etwas älter und verfügt über keinen Reduzierbetrieb, kann der Energieverbrauch auch geringer sein, wenn die Heizung nachts nicht ausschaltet. Das Bundesamt für Energie (BFE) rät zudem, in älteren Gebäuden mit kalten Wänden und Böden eine etwas höhere Raumtemperatur zu wählen.

Grundsätzlich gilt aber: Da das Heizen den grössten Teil des Energieverbrauchs im Haushalt ausmacht, sollten Sie die Raumtemperatur immer im Auge behalten und die Räume nicht zu stark heizen.

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Was, wenn es zu kalt ist?

Was kann ich tun, wenn die Heizung aussteigt oder die Temperatur in der Wohnung in der Übergangszeit unter 20 Grad fällt?

Wenn eine Heizung aussteigt, sollte man als Mieter unbedingt zuerst den Hauswart oder den Vermieter informieren. Sind diese innert nützlicher Frist nicht erreichbar, dürfen die betroffenen Mieter auf Kosten des Vermieters den Reparaturservice selber bestellen (etwa am Wochenende). Basis dafür sind die gesetzlichen Bestimmungen über die Geschäftsführung ohne Auftrag (Art. 422 OR). Der Vermieter muss dann trotzdem für die Kosten aufkommen. Aber: Prüfen Sie am besten vor Beginn der kalten Jahreszeit, ob die Heizräume in Ihrer Liegenschaft zugänglich sind. Wenn nämlich am Wochenende niemand erreichbar ist und die Räume abgeschlossen sind, kann auch ein Servicefachmann nicht weiterhelfen.

Was, wenn es zu warm ist?

Obwohl ich tagsüber immer ein Fenster offen habe, wird es in meiner Wohnung auch im Winter immer sehr warm. Woran liegt das?

Hier gibt es Rat in einer Broschüre des BFE. Wenn Sie direkte Sonneneinstrahlung in Ihrer Wohnung haben, wärmen sich die Räume automatisch auf. Dauerndes Lüften schafft zwar die nötige Abkühlung, verschwendet aber auch Energie. Auf jeden Fall sollten Sie die Heiztemperatur senken und prüfen, ob Ihre Heizkörper über Thermostatventile verfügen. Diese reagieren auf äussere Wärmeeinflüsse wie Sonnenstrahlung und halten die Raumtemperatur automatisch auf dem gewünschten Wert – so senken Sie den Energieverbrauch um rund 20 Prozent. Fehlen solche Thermostatventile, können Sie Ihren Vermieter bitten, diese nachzurüsten. Rechtlich durchsetzen lässt sich dies aber nur bei massiv überheizten Wohnungen.

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Mehr zu Mängeln bei Wohnungen bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Die Vermieter sind verpflichtet, die Liegenschaft während der gesamten Mietdauer zu unterhalten. Aber längst nicht alles, was dem Mieter nicht gefällt, ist auch ein Mangel im Sinne des Mietrechts. Guider zeigt seinen Mitgliedern auf, welche Rechte Mieter haben und wie sie mithilfe eines Musterbriefs den Vermieter auf Mängel aufmerksam machen können.

Ab wann heizen?

Wann muss die Heizung im Herbst angestellt werden?

Es gibt keine genauen Richtlinien, wann die Heizung nach dem Sommer wieder in Betrieb genommen werden muss. Früher stand oft in den Mietverträgen, die Heizsaison dauere zum Beispiel vom 1. Oktober bis zum 31. März. Heute ist das aber kaum mehr der Fall. Und eine solche Vertragsklausel würde vor dem Gesetz wohl auch nicht mehr standhalten. Wenn es beispielsweise am 26. September schon extrem kalt ist, kann sich ein Vermieter nicht auf eine Vertragsklausel berufen, wonach die Heizsaison am 1. Oktober beginnt. Dies, weil – gemäss Art. 256 Abs. 2 OR – Klauseln in einem Mietvertrag über Wohnräume nichtig sind, die die Verpflichtung des Vermieters einschränken, einen «gebrauchstauglichen» Zustand der Wohnung zu gewährleisten. Will heissen: Die Heizung muss eingeschaltet werden, wenn es nötig ist, also wenn die Raumtemperatur ohne Heizen tagsüber unter 20 Grad sinken würde.

Was, wenn die Heizung ausfällt?

Kann ich den Vermieter belangen, wenn in der Wohnung immer wieder die Heizung ausfällt?

Wer wegen eines Heizungsausfalls frieren musste, sollte das mit eingeschriebenem Brief an den Vermieter festhalten und eine Mietzinsreduktion fordern. Wie viel die Reduktion ausmachen muss, ist Ermessenssache. Liegt die Raumtemperatur unter 18 Grad, ist für die betreffende Zeit eine Mietzinsreduktion von mindestens 20 Prozent des Nettomietzinses realistisch.

Unstimmigkeiten in der Abrechnung

Was soll ich tun, wenn meine Heizkostenabrechnung immer höher ausfällt als bei vergleichbaren Wohnungen?

Ist die Heizkostenabrechnung trotz Berücksichtigung der Tipps von BFE und Mieterverband immer noch höher als bei vergleichbaren Wohnungen, können auch betriebliche Mängel an der Heizung vorliegen. Setzen Sie sich mit der Verwaltung in Verbindung und weisen Sie auf Ihre Beobachtungen hin. Prüfen Sie zudem – falls Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen –, wie die Heizkosten genau abgerechnet und aufgeteilt werden. Eine verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung, für die aber spezielle Wärmezähler nötig sind, kann je nach Umständen markante Einsparungen bringen.

Optimal lüften

Richtiges Lüften hilft, die Heizung effizient zu nutzen:

Ungefähr dreimal am Tag richtig durchlüften, indem meh­rere Fenster während maximal zehn Minuten ganz geöffnet sind.

Wenn es zu trocken ist

  • Fensterfugen abdichten
  • Radiatoren herunterdrehen
  • Küchen- und WC-Abluftanlagen nur bei Bedarf einstellen


Wenn es zu feucht ist

  • Nach Dusche oder Bad immer kräftig lüften
  • Beim Kochen einen Deckel auf die Töpfe setzen
  • Bei Schimmel an den Möbeln diese um­platzieren und mindestens fünf Zentimeter von der Wand wegrücken
  • Keine Wäsche in der Wohnung trocknen lassen
  • Feuchtigkeitsmesser aufstellen


Wichtig: Kommt es trotz korrektem Lüften und richtigem Heizen zu Feuchtigkeitsschäden, sollte umgehend der Vermieter in Kenntnis gesetzt werden. Denn Feuchtigkeitsschäden in der Wohnung gelten als Mängel, die der Vermieter zu beseitigen hat. Ausser der Mieter hat beispielsweise zu wenig geheizt oder zu selten gelüftet.

Quelle: www.bfe.admin.ch

Broschüre «Heizen mit Köpfchen»

Broschüre des BFE: «Heizen mit Köpfchen» (PDF, 3 MB)

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