Es klang einfach perfekt: 1500 Franken für eine Dreieinhalbzimmerwohnung mit Balkon, zwei Badezimmern und einem Parkplatz im Zürcher Seefeld, Internet inklusive und keine Besichtigung mit Dutzenden von Mitbewerbern. Eine E-Mail senden genüge, und sie könne die Wohnung haben. Eliane Bär*, auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung, war völlig aus dem Häuschen.

Sie hatte das Inserat auf der Online-Plattform iCasa entdeckt und sich daraufhin beim Anbieter der Wohnung gemeldet. Die Antwort kam per E-Mail und auf ­Englisch: Der Eigentümer sei nach Grossbritannien heimgekehrt und vermiete nun die Wohnung. Da er bereits abgereist sei, könne er leider keinen Besichtigungs­termin vereinbaren. Gegen Vorauszahlung des Depots von 3000 Franken organisiere er aber eine Schlüsselübergabe.

«Mir kam die Sache von Anfang an zu schön vor, um wahr zu sein», sagt Eliane Bär. Aber da sie schon diverse Wohnungen besichtigt und dauernd Absagen erhalten hatte, wollte sie den Versuch wagen. Als sich die Firma meldete, der sie das Depot bezahlen sollte, wandte sie sich an den ­Beobachter. Eine Nachfrage beim Grundbuchamt enthüllte, dass die Liegenschaft mit der im Inserat genannten Adresse einer gros­sen Versicherung gehört und dass es dort weder einzelne Wohnungsbesitzer noch Stockwerkeigentümer gibt.

Der Trick funktioniert gut, wie die regelmässigen Betrugsversuche im Internet zeigen. Auch iCasa hat auf der Homepage Warnhinweise aufgeschaltet – doch offenbar werden sie im Glücks­taumel, endlich eine Wohnung in Aussicht zu haben, nicht gelesen. Es kommt öfter vor, dass angeb­liche Eigentümer mit Wohnsitz im Ausland eine Wohnung anbieten. Entweder sind es Wohnungen, die zwar existieren, aber bereits vermietet sind, oder solche, die frei erfunden sind. Den Schlüssel soll man – nach Überweisung eines Depots – per Post oder durch einen Bekannten erhalten.

Selber kritisch hinterfragen

Bei iCasa heisst es, man entferne absurd klingende Inserate. Man werde von Benutzern auf betrügerisch klingende Anzeigen aufmerksam gemacht. In den letzten Monaten mache sich eine Häufung bemerkbar. Auch beim Branchenleader Homegate stellte man kürzlich wieder mehr Versuche fest, betrügerische Inserate aufzuschalten. «Homegate prüft seit seiner Lancierung vor über zehn Jahren manuell alle privaten Inserate und passt seine Qualitätsprüfung ständig den Tricks der Betrüger an», so Marketingchefin Jonella Baur.

Auch wenn die Anbieter viel tun, um ­ihren Ruf zu wahren: Letztlich liegt es am Wohnungssuchenden, sich nicht blenden zu lassen. Eine Dreieinhalbzimmerwohnung mit Balkon, zwei Badezimmern und einem Parkplatz im Zürcher Seefeld für 1500 Franken hat bestimmt nicht nur eine Interessentin.

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*Name geändert

Wie Sie keinem auf den Leim kriechen

  • Seien Sie vorsichtig mit Zahlungen. Überweisen Sie kein Geld, bevor Sie die Wohnung besichtigt und einen ­Mietvertrag unterschrieben haben. ­Unterzeichnen Sie keine Verträge, die nicht in deutscher Sprache verfasst sind und die einen Gerichts­stand angeben, der ausserhalb der Schweiz liegt.

  • Erscheint Ihnen etwas eigenartig, ­erkundigen Sie sich beim zuständigen Grundbuchamt. Dieses gibt jeder ­interessierten Person Auskunft. Sie ­brauchen nur die Adresse des Objekts ­anzugeben. Die umgekehrte Anfrage funktioniert allerdings nicht: «Hat XY ­irgendwo Grundeigentum?»