Paul Hodel war ein unbescholtener Bürger. Bis zu jenem Morgen, als er gegen den Fluglärm einschritt – obwohl er nicht grundsätzlich gegen das Fliegen ist.

Börsenchef einer Privatbank war er, im Rang eines Direktors. Seit zehn Jahren pensioniert. Ein durch und durch korrekter Mensch. Und jetzt das: polizeilich festgenommen, erkennungsdienstliches Verfahren, Hausdurchsuchung. Doch Paul Hodel, 67, das halbe Leben in einem Einfamilienhaus in Gockhausen wohnhaft, nimmt es gelassen – schliesslich geht es um seine Lebensqualität.

Die Polizisten suchten nach der Lampe, mit der Hodel frühmorgens gegen ein Flugzeug gezündet hatte, das den Flughafen von Süden her anflog. So jedenfalls sah es der Pilot und benachrichtigte die Flugsicherung. Hodel sieht es anders: «Ich wollte nur signalisieren: ‹Hallo, hier wohnt wer.›» 33 Jahre vernahm er nichts von den Flugzeugen. Seit letztem Herbst steht er um 6.06 Uhr auf – dann lärmt jeweils die erste Maschine über seinen Kopf.

Er ist nicht grundsätzlich gegen das Fliegen; 1998 sass er letztmals in einem Flugzeug. Auch das neuseeländische Lammfleisch, das er so liebt, komme wahrscheinlich mit dem Flugzeug, die Havelaar-Bananen ebenso. Aber er ist gegen «Gigantismus und Machtgier», weshalb er 1995 den Flughafenausbau an der Urne ablehnte und jüngst auch den Avanti-Gegenvorschlag: «Meine Urenkel sollen nicht in Abgasen ersticken.»

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