Für die Aufarbeitung hat die Luzerner Synode, das Parlament der römisch-katholischen Landeskirche, 130'000 Franken für eine sechsteilige interdisziplinäre Studie unter der Leitung der Luzerner Theologen Markus Ries und Valentin Beck bewilligt. Im Zentrum steht die Frage, «weshalb der christliche Einsatz für Unterstützungsbedürftige nicht selten mit unterdrückerischen Mitteln geleistet wurde».

Bis weit in die siebziger Jahre herrschte in vielen Kinderheimen ein rigides Regime mit teils brutalen Strafen und oft auch sexuellen Übergriffen. Für Schlagzeilen sorgte im Kanton Luzern insbesondere die berüchtigte Erziehungsanstalt Rathausen.

Mit der neuen Studie übernimmt der Kanton Luzern schweizweit die Führungsrolle bei der Aufarbeitung der Heim- und Verdingkinder-Vergangenheit. Die katholische Landeskirche folgt damit dem Kanton Luzern und dem Kloster ­Ingenbohl, die schon früher kleinere Studien in Auftrag gegeben haben.

Erste Ergebnisse der Studie der Kantonsbehörden liegen be­reits vor. Anhand von Interviews mit Betroffenen hat der Historiker Markus Furrer die Vorkommnisse und Strafpraktiken in den Heimen zwischen 1930 und 1970 aufgearbeitet. Im Zwischenbericht schreibt er unmissverständlich, dass «das ganze System der einweisenden Behörde und der verschiedenen Aufsichtsbehörden versagt hat». Regierungsrat Guido Graf dazu: «Was in den Heimen und Erziehungsanstalten geschehen ist, darf sich nicht wiederholen.»