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WiedergutmachungBehördenopfer können Entschädigung beantragen

Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen haben lange darauf gewartet: Ab sofort können sie Anträge auf eine finanzielle Entschädigung einreichen.

Nach langjährigem Kampf haben Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen nun endlich die Möglichkeit, Entschädigungen zu beantragen.
von aktualisiert am 03. Oktober 2017

Die Eingabefrist läuft am 31. März 2018 ab, dann werden auch erste Teilzahlungen ausgeschüttet. Die Solidaritätszahlungen werden höchstens 25'000 Franken pro Person betragen. Sollten mehr als 12'000 Gesuche bewilligt werden, fiele der Betrag tiefer aus. Innerhalb von vier Jahren sollen alle Gesuche behandelt und alle Gelder ausbezahlt sein.

Die Entschädigung ist gedacht für Verdingkinder, administrativ Versorgte, Zwangssterilisierte, Zwangsadoptierte, Heimkinder und andere von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen Betroffene. Anspruch haben Opfer, deren körperliche, psychische oder sexuelle Unversehrtheit oder deren geistige Entwicklung unmittelbar und schwer beeinträchtigt worden sind. 

Der Solidaritätsbeitrag wird möglich, nachdem National- und Ständerat letztes Jahr dem Gegenvorschlag zur Wiedergutmachungsinitiative zugestimmt haben. Seit Jahren fordert der Beobachter, die Schweiz müsse die von solchen Zwangsmassnahmen Betroffenen finanziell entschädigen.

So gehen Betroffene vor

Ab Anfang 2017 können Verdingkinder, administrativ Versorgte, Zwangssterilisierte und andere Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen beim Bundesamt für Justiz mit einem einfachen Gesuch ihren Anspruch auf eine finanzielle Wiedergutmachung anmelden. Eingabefrist ist der 31. März 2018.

Informationen zum online Ausfüllen, Drucken und Einreichen des Gesuchs finden Sie zusammen mit einer Wegleitung auf der Website des Bundesamts für Justiz.

Die aufgelisteten Anlaufstellen bieten auch Unterstützung an beim Ausfüllen der Gesuche und bei der Beschaffung allfälliger Akten.

Update vom 3.10.2017: Bisher nur wenig Gesuche

Wie das Bundesamt für Justiz mitteilt, sind bis zum 1. Oktober 2017 erst 3352 Gesuche eingereicht worden. Bis zur Halbzeit für die Einreichungsfrist für einen Solidaritätsbeitrag sind demnach etwas weniger Gesuche eingegangen als erwartet. Dies selbst nachdem im Sommer nochmals ein Aufruf gestartet wurde, der eine leichte Erhöhung der Gesuche bewirkt hatte.

Die Gründe, warum nur wenige Betroffene ein Gesuch gestellt haben, basieren gemäss dem Bundesamt für Justiz primär auf Missverständnissen. Viele Opfer wissen anscheinend gar nichts von ihrem Anrecht auf einen Solidaritätsbeitrag. Zusammen mit den Initianten der Wiedergutmachungsinitiatvie hat der Bund deshalb eine breit angelegte Informations- und Sensibilisierungskampagne gestartet. Mehr dazu finden Sie in diesem Flyer.

Unterstützung bei der Gesuchseinreichung finden Betroffene unentgeltlich bei den kantonalen Anlaufstellen und Staatsarchiven. Die kantonalen Anlaufstellen helfen auch beim Ausfüllen und können bei den Staatsarchiven eine Aktensuche veranlassen.

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4 Kommentare

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vecchietta
auch ich habe mich überreden lassen mich zu melden. Hoffnung ist aufgekeimt, Hoffnung das endlich ein bisschen "Wiedergutmachung" in meinem Leben passieren könnte. Leider werde ich eine eventuelle Auszahlung, in bis zu 4 Jahren, nicht mehr erleben. Gut für die Stiftung, so kann man sich "meinen Anteil" sparen. einmal mehr eine Hoffnung die sich in Rauch auflöst.

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fritzli3
Kommentieren.. was ich nicht verstehe, dass Auszahlungen bis 4 Jahre dauern soll. Dies mag für jüngere Betroffene zutreffen, nicht jedoch für Betagte die über 80 Jahre jung geblieben sind.
sco864
Mit 30Jahren, habe ich mich nach einem Geburtsschein erkundigt, es gab keinen! Danach habe ich erfahren, dass man mich entsorgen wollte. Seit 2010 gibt es Entschuldigungen über Entschuldigungen! Nun ja, friss oder stirb, vieleicht in den 4 Jahren?!
vecchietta
Ja Fritzli sie haben Recht. viele ältere Personen haben vielleicht nicht dasGlück, das sie noch in den "Genuss" der Wiedergutmachung kommen werden. Ich bin zwar noch nicht über 80 Jahre alt, aber ich habe das "Glück", dass mein Name am ende des Alphabets zu suchen ist und mit Sicherheit erst am Ende dran komme. Da meine Gesundheit zunehmend schlechter ist, werde ich die "Wiedergutmachung" auch nicht mehr erleben oder gar geniessen. Aber vielleicht kann mir allein die Hoffnung auf etwas, was nie kommt, das restliche Leben noch etwas verschönern. Allein der Gedanke daran ist doch etwas tröstliches.

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