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ArbeitSchwanger und plötzlich ohne Job

Ist ein mündlicher Arbeitsvertrag rechtskräftig? Ja, sagt das Gesetz. Doch so einfach ist es nicht immer.

Es steht Aussage gegen Aussage – plötzlich ist eine Schwangere arbeitslos.
Von Veröffentlicht am 07. Mai 2018, aktualisiert am 08. Mai 2018

Nach einem Schnuppertag in einem Avec-Shop in der Nähe von Bern habe sie die erfreuliche Nachricht bekommen, erzählt Rahel Sager*. Die Filialleiterin habe ihr mündlich mitgeteilt, sie habe die Stelle als Verkäuferin. Das war Ende November. Ein halbes Jahr später ist sie schwanger und ohne Job.

Dabei schien alles in bester Ordnung, erzählt Sager. Sie habe das Vorstellungsgespräch Vorstellungsgespräch Was die alles wissen wollen! gehabt, ein Schnuppertag sei ausgemacht worden. Dann habe sie mit der Filialleiterin Lohn und Arbeitsstunden festgelegt und sei über Pensionskasse, Abzüge und Zulagen informiert worden. Sie begann sofort zu arbeiten. Meist Frühschicht, meist acht Stunden. 73 Stunden total. Auch an der Weihnachtsfeier nahm sie teil.

Job «nicht gefährden»

«Kurz darauf erfuhr ich, dass ich schwanger bin», sagt sie. Sie behielt es für sich, wollte den neuen Job nicht gefährden. Das darf sie. Das Gesetz besagt: Eine Schwangerschaft muss man nur erwähnen, wenn eine Arbeit nicht ausgeführt werden kann.

Im Januar erhielt die werdende Mutter die Kündigung Kündigung Was der Arbeitgeber darf – und was nicht . Man teilte ihr mit, sie sei gar nie angestellt worden. «Die Arbeitstage waren nur Schnuppereinsätze», heisst es bei der Avec-Franchisegeberin Valora.

Ein schriftlicher Vertrag wurde nie geschlossen. Als sich der Beobachter einschaltet, räumt Valora ein: Intern sei leider nicht alles optimal gelaufen. Eigentlich seien nicht mehr als drei Schnuppertage erlaubt. «Doch die Filialleiterin hat diese Vorgabe nicht respektiert», so die Sprecherin. Dass ein mündlicher Arbeitsvertrag abgeschlossen wurde, bestreitet Valora nach wie vor: «Nach unseren Informationen wurde eine solche Aussage nie gemacht.»

Das Problem: Es steht Aussage gegen Aussage. «Ich hätte auf einem schriftlichen Vertrag bestehen sollen», weiss Sager heute. Doch die Filialleiterin habe sie immer wieder vertröstet. «Mir geht es gar nicht ums Geld, sondern um Gerechtigkeit», sagt Sager.

Mittlerweile hat Valora die 73 Arbeitsstunden bezahlt. Aber einen Job hat die schwangere junge Frau trotzdem nicht.

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1 Kommentar

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manuelahof
Für mich klingt das wieder nach einem Präzedenzfall. Also immer darauf achten das etwas schriftliches vorliegt und nicht nur auf das Wort eines Menschen hören. Ich finde das einfach enttäuschend wie sich der Arbeitgeber in dem Fall verhalten hat.

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