Dass der Mutterschaftsurlaub alles andere als Urlaub ist, sollte allen klar sein. Ebenso, dass Kinderbetreuung nicht mit Freizeit gleichzusetzen ist. Meist bedeutet es mehr Arbeit als ein Vollzeitjob. Dennoch wirkt sich die Kinderpause negativ auf die Karriere vieler Frauen aus. Die Lücke im Lebenslauf führt im schlimmsten Fall dazu, dass die Frau nicht wieder eingestellt und schon gar nicht befördert wird.

Deshalb hat das Karrierenetzwerk Linkedin neue Jobkategorien eingeführt: «Stay-at-home mom», «Stay-at-home dad» und «Stay-at-home parent». In der Schweiz nutzen bereits etliche Frauen die Bezeichnung. Die deutschen Kategorien «Mutter» und «Vater» würden derzeit «ausgerollt», sagt eine Linkedin-Sprecherin.

Die neuen Kategorien sind gut gemeint. Fachleute raten aber davon ab, sie zu verwenden. Mütter, die in Bewerbungen auf ihr Familienleben hinweisen, würden regelmässig benachteiligt, sagt Shelley Correll, Professorin an der US-Eliteuni Stanford. Sie spricht deshalb von «Mutterschaftsstrafe». Auch Männer seien von einer solchen Diskriminierung betroffen. Firmen stellten lieber einen Arbeitslosen ein als jemanden, der kinderbedingt ausgefallen sei, zeigen Untersuchungen.

Anzeige

Andere Leistungen betonen

Gudrun Sander, die an der Universität St. Gallen das Programm «Women Back to Business» initiiert hat und zu Gleichstellung forscht, sieht Berufsbezeichnungen wie «Stay-at-home mom» im Lebenslauf ebenfalls kritisch. Auch in ihren Studien habe sich gezeigt, dass es eine Elternschaftsstrafe bei Frauen und Männern gibt – besonders nach einer Auszeit, die mehrere Jahre dauerte.

Sander rät, Erwerbsunterbrüche lieber mit Leistungen neben den elterlichen Aufgaben zu ergänzen: Freiwilligenarbeit etwa in Spielgruppen, Nachbarschaftshilfe, Umbauprojekte.

Dennoch kann Sander den neuen Jobkategorien etwas Positives abgewinnen: Sie schärften das Bewusstsein für die unbezahlte Care-Arbeit. Diese müsse aufgewertet werden. Entstandene Lücken zu benennen, könne dazu beitragen. «Unbezahlte Arbeit taucht im Bruttoinlandprodukt nicht auf, macht aber einen grösseren Anteil an der gesamt geleisteten Arbeit aus als die bezahlte Erwerbsarbeit.»

Anzeige
Buchtipp
Frauenpower in Finanzfragen
Frauenpower in Finanzfragen
Mehr Infos
Anzeige

Wir alle diskriminieren, ohne es zu wollen

loading...

Grosse Menschen machen leichter Karriere als dicke. Warum ist das so? HSG-Professorin Gudrun Sander erklärt, warum wir alle unbewusste Vorurteile haben und wie man gegen diese vorgehen kann.

Quelle: Beobachter Bewegtbild

Der Beobachter-Newsletter – Wissen, was wichtig ist.

Hilfreiche Ratgeber-Artikel für den Alltag und das Neuste aus unserem Heft – die wichtigsten Beobachter-Inhalte aus Print und Digital.

Jeden Mittwoch und Sonntag in Ihrer Mailbox.

Jetzt gratis abonnieren

Anzeige