Eigentlich spricht Agnès Frochaux französisch, aber den Begriff «très bien» benutzt sie nie, der deutsche Ausdruck «ganz gut» scheint ihr viel besser zu gefallen. Sogar so gut, dass sie ihn mindestens in jeden zweiten Satz einbaut. «Ganz gut» ist der Wein, den wir zu den Kalbsplätzchen aussuchen. «Ganz gut» auch das grosse Spielzimmer für die Kleinen, und wirklich «ganz gut» das Bier der Brasserie des Franches-Montagnes (sehr zu empfehlen: La Torpille, ein Braunbier mit würzig-fruchtigem Bouquet). «Ganz gut» klingt munter und sympathisch. Und das ist sie auch, die charmante 57-jährige Wirtin des Hotels de la Chaux-d’Abel in den Freibergen im Berner Jura, unweit von La Chaux-de-Fonds.

Eingebettet in die Natur: das Hotel de la Chaux-d’Abel. Der grosse Bauernhof mit Reitstall und vielen Tieren ist gleich nebenan.

Quelle: Lukas Unseld

Für Kinder: Gute Unterhaltung

Weniger nett ist das Wetter an diesem Wochenende. Es hagelt. Und stürmt. Und dann scheint für fünf Minuten wieder die Sonne. Nicht ideal für einen Hotelausflug mit kleinen Kindern. Zum Glück gibts das grosse Spielzimmer im ersten Stock, in dem schon viele Kinder ihre Spuren hinterlassen haben. Den Jungs gefällt es: Pingpongtisch und Jöggelikasten werden im Nu in Beschlag genommen. Nach dem dritten verhagelten Spaziergang beruhigen «Barbapapa»- und «Der kleine Eisbär»-DVDs die Gemüter. Stundenlang. Erziehungstechnisch nicht perfekt, umso angenehmer aber für die grossen Gäste, die sich ungestört der Lektüre im Salon widmen können. Ja, der Salon. Ein Bijou, wie einem Roman von Agatha Christie entsprungen: Ohrensessel vor dem prasselnden Kamin, hellgelbe Wände, ein schlafender Hund und Whisky trinkende Gäste.

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Seit drei Jahren führt die gelernte Krankenschwester Agnès Frochaux gemeinsam mit ihrem Mann Daniel, 62, das Haus, das 1857 für eine Grossfamilie erbaut wurde. Daniel Frochaux amtet als Koch. Er war zuvor Tiefbauingenieur, hat aber vor über 30 Jahren die Hotelfachschule absolviert. «Als unsere Söhne erwachsen waren, wollten wir etwas Neues anfangen.» Nach langer Suche haben die Frochaux dieses Hotel gefunden, gekauft, renoviert und ihm ihren Geist eingehaucht. Das heisst: «Alles hier ist simpel und authentisch. Das ist unser Credo», so Madame Frochaux.

Die Wände wurden frisch gestrichen, das Interieur entrümpelt und von allem Synthetischen befreit. Liebevolle Details wie zum Beispiel die schwarze Menütafel in Herzform im gemütlichen Speisesaal erfreuen. «Wir haben uns sofort in dieses Haus verliebt – in die Lage, die Ruhe, die Natur.» Im Jahr 2007 wurde das Hotel ins Verzeichnis der schönsten historischen Hotels des Schweizer Heimatschutzes aufgenommen, «eine grosse Ehre für uns». Auch das Essen hier ist einfach und gut: saisongerechte Marktküche mit Produkten aus der Region sowie Salat und Gemüse aus dem Hotelgarten.

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Die Zimmer im Hotel: Gemütlichkeit für die Erwachsenen, ...

Quelle: Lukas Unseld

... Inspiration für die Kinder

Quelle: Lukas Unseld
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Dem Rummel entfliehen

Was für Leute kommen hier herauf? Die meisten Gäste seien entweder junge Paare aus Basel, Bern, Lausanne oder Zürich, die ein romantisches Wochenende abseits vom Rummel suchen, Familien oder jung gebliebene Pensionierte, erzählt Agnès Frochaux. «Wer hierherkommt, will wandern, reiten, lesen, sich ausruhen oder einfach geniessen.» Und das soll auch so bleiben. «Jeder soll sich bei uns wohl fühlen.»

Schon Richard Sprüngli, der bekannte Schokoladefabrikant, habe sich hier übrigens immer wieder aufgehalten, er sei ein Pferdenarr und Juraliebhaber gewesen, sagt Agnès Frochaux – und verschwindet mit dem grauen Hündchen Orissa im grossen Park vor dem Hotel. Um mit Händen voller Blumen zurückzukommen, die sofort auf den Tischen im Speisesaal verteilt werden. So lässts sich aushalten. Ganz gut.

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Schöner Jura: Ausflüge in die Umgebung

Interessante Wanderungen oder Spurensuche in der Uhren­metropole La Chaux-de-Fonds

  • Viele Wandermöglichkeiten direkt vom ­Hotel aus, etwa der zweieinhalbstündige Weg zum Mont-So­leil mit dem Solarkraftwerk und der grössten Fotovoltaik-For­schungs­an­la­ge der Schweiz (www.societe-mont-so­leil.ch) oder entlang dem Grenzfluss Doubs, der dauernd sein Erscheinungsbild ändert: mal Fjord, mal Wildbach, mal See.

  • Berühmtester Sohn der Stadt: Le Corbusier hat in La Chaux-de-Fonds
    einige Häuser gebaut, die es zu bestaunen gibt.

  • Musée International d’Horlogerie: Das historische Uhren­museum in La Chaux-de-Fonds mit beinahe 3000 Objekten. www.mih.ch

Rezept: Kalbsnuss an Kümmelsauce

Rezept für vier Personen von Daniel Frochaux

Sauce: 4 Deziliter weissen Kalbsfonds,
3 gestrichene Teelöffel Kümmelsamen und 2 gestrichene Teelöffel gemahlenen schwarzen Pfeffer in einem Topf mischen und auf die Hälfte einkochen. 2 Deziliter trockenen ­Weisswein bei­fügen und abermals auf die Hälfte ein­kochen. 2 Deziliter Rahm beifügen und 2 bis 3 Minuten köcheln lassen. Salzen, pfeffern und warm stellen.

Fleisch: Die Kalbsnuss rundum in Öl anbraten, im Ofen 90 Minuten bei 80 Grad garen; in feine Tranchen schneiden und die Sauce darüberträufeln.

Dazu passen: Kohlrabi, weisse Rüben oder andere Gemüse.

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Hôtel de la Chaux-d’Abel, Agnès und Daniel ­Frochaux, 2333 La Ferrière, Telefon 032 961 11 52 und 078 788 00 25; infos@hotellachauxdabel.ch, www.hotellachauxdabel.ch

Ruhetag: Mittwoch. Gäste werden auf Anfrage am Bahnhof La Ferrière abgeholt (rund ein Kilometer Fussweg auf Nebensträsschen). Preiswerte Einzel- und Doppelzimmer, Vergünstigungen für Kinder