RoutenplanungDamit man weiss, was man tut

An was sollte man bei der Planung einer Wanderung alles denken? Bild: Stock-Kollektion colourbox.com

Eine Wanderung im Gebirge stellt viele Anforderungen. Mit der richtigen Vorbereitung und Ausrüstung sowie mit guten Informationen zum Wetter legt man den Grundstein für einen schönen Tag in den Bergen.

von Reto Westermannaktualisiert am 2016 M05 20

Auf der Karte sah die Wanderung relativ einfach aus: vom Rotsteinpass ein steiler, nahrhafter Aufstieg durch felsiges Gebiet auf den Altmannsattel und dann ein langer Abstieg über Alpwiesen nach Wildhaus im Toggenburg. Doch was sich hinter dem wilden Zickzack auf der Karte im Massstab 1:25'000 verbarg, offenbarte sich erst vor Ort: Der Pfad für den Aufstieg war äusserst schmal, ausgesetzt und mit Drahtseilen gesichert. Ein Detail, das bei der Planung nur in einem detaillierten Wanderführer zu finden war. Im Unwissen darüber hätten ungeübte, schlecht vorbereitete Berggänger leicht in eine heikle Situation geraten können.

Die richtige Vorbereitung ist das A und O für eine gelungene und sichere Wanderung in den Bergen - und die beginnt schon lange vor dem Studium von Karten und Wanderführern: Bevor man richtig in die Berge hochgeht, sollte man sich im Frühling auf kleineren Wanderungen im Flachland erst richtig einlaufen und sich die nötige Fitness aneignen. Das persönliche Leistungsvermögen und das der Begleitpersonen ist bei der Planung einer Route äusserst wichtig: Länge und Schwierigkeitsgrad sollten sich immer an der schwächsten Person der Gruppe orientieren. Überschätzt man Fähigkeiten und Kondition, kann man unterwegs in unangenehme Situationen geraten.

Ist man sich bezüglich des Schwierigkeitsgrads einig, geht es an die Detailplanung. Das Internet und zahlreiche Wanderführer bieten Tausende von Vorschlägen mit allen wichtigen Eckdaten. Allerdings: Den Informationen in bekannten Wanderführern kann man in der Regel vertrauen, aber bei Tourentipps aus dem Internet kommt es stark auf die Quelle an. Im Zweifelsfall sollte man die Informationen aus dem Netz überprüfen.

Wanderkarte

Das wichtigste Hilfsmittel für die Planung sind aber die Karten. Wanderrouten sind in der Regel in speziellen Wanderkarten im Massstab 1:50'000 oder 1:60'000 rot eingezeichnet. Wenn deren Detaillierungsgrad nicht genügt, kann man auf Karten im Massstab 1:25'000 ausweichen. Einige davon sind ebenfalls mit rot eingezeichneten Wanderrouten erhältlich, ansonsten muss man die Route selber übertragen. Die Karten sind nicht ganz günstig, und je nach Tour braucht man gleich mehrere, um auch mögliche Ausweichrouten abzudecken. Günstiger ist es, die Karten in einer Bibliothek auszuleihen.

Marschzeit

Auch die Marschzeit für die geplante Route muss bestimmt werden. Wer eine digitale Version der Landeskarten besitzt, kann die Routenlänge und die zu leistenden Höhenmeter im Computer heraussuchen. Doch wie lange braucht man für diese Strecke? Als einfache Faustregel kann man für flache Streckenabschnitte mit vier Kilometern pro Stunde rechnen. Geht es bergauf, rechnet man pro 100 Höhenmeter noch eine Viertelstunde dazu. Bergab kann die Geschwindigkeit bei guten, breiten Wegen höher angesetzt werden, ansonsten gelten auch hier die vier Kilometer pro Stunde. Grundsätzlich gilt: die Laufzeiten eher aufrunden und die Pausen nicht vergessen. Bei anstrengenden Wanderungen kann man pro Stunde Marschzeit gut und gern zehn Minuten für Pausen dazurechnen.

An- und Rückreise

An- und Rückreise müssen ebenfalls geplant werden. Welche Verkehrsmittel bedienen Start- und Zielort? Wie häufig werden die Strecken befahren? Ist eine Reservation nötig? Am besten nimmt man die Fahrpläne mit, falls man früher oder später als geplant am Ziel eintrifft. Nicht vergessen sollte man bei der Routenplanung mögliche Abkürzungen oder Ausweichstrecken samt deren Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Diese Routen kommen zum Zug, wenn das Wetter umschlägt und man die Wanderung abbrechen muss oder wenn ein Teil der Gruppe nicht die ganze Strecke zurücklegen kann. Auch zu diesen Alternativrouten sollte man immer das passende Kartenmaterial dabeihaben.

Wetterbericht

Zum Wandertag hin rückt der Wetterbericht ins Zentrum des Interesses. Eine Wanderung im Flachland kann man auch bei wechselhaftem Wetter unternehmen, in den Bergen hingegen sind gute Wetterverhältnisse eine nötige Voraussetzung. Doch muss man sich bewusst sein, dass lokale Wetterwechsel im Hochgebirge häufig sind – und nicht zu unterschätzen. Ausweichrouten und eine passende Ausrüstung mit Regenschutz und warmem Pullover sind deshalb ein Muss.

Die wichtigste Quelle für Wetterprognosen ist heute das Internet (siehe nachfolgende «Weitere Tipps und Infos»). Die meisten dort frei verfügbaren Informationen zu lokalen Wetterverhältnissen sind aber nicht sehr genau. Im Zweifelsfall lohnt es sich, das lokale Tourismusbüro, einen Hüttenwart oder die Wirtin eines Bergrestaurants in der jeweiligen Region anzurufen und sich zu erkundigen. Hilfreich ist auch der persönliche Wetterbericht, der von verschiedenen Wetterdiensten angeboten wird. Sind die Wetterverhältnisse nicht optimal, fährt man mit defensivem Verhalten am besten: Man lässt die Wanderung lieber sein oder weicht auf eine Route aus, auf der ein paar Regenspritzer kein Problem darstellen.

Ausrüstung

Steht die Planung und sind die Wetteraussichten gut, gilt es nur noch, die Ausrüstung bereitzulegen (siehe nachfolgende Checkliste). Neben passender Kleidung, einem Regenschutz und festen Wanderschuhen gehören dazu auch ein gutsitzender Rucksack mit Hüftgurt sowie genügend Proviant und Getränke. So gerüstet, kann man sich getrost auf die Wanderung am nächsten Tag freuen. Geht man allein auf Tour, sollte man nicht vergessen, die Route und die Stunde der spätesten Rückkehr jemandem mitzuteilen – und sich nach Erreichen des Ziels zurückzumelden.

Die Route

  • Wer kommt mit?
  • Wie steht es um Erfahrung und Kondition der Teilnehmer?
  • Wie lange darf die Laufzeit maximal sein und wie hoch der Schwierigkeitsgrad?
  • Wie lange dauert die Tour mit und ohne Pausen?
  • Wie viele Höhenmeter sind zu überwinden?
  • Wie ist die Beschaffenheit der Wege?
  • Ist die Route ausgeschildert?
  • Sind besondere Schwierigkeiten zu erwarten (exponierter Weg, Bachquerung, nicht signalisierter Abschnitt, Schneefeld)?
  • Welche Ausweichrouten und Abkürzungen sind möglich?
    Wie sind die Wetteraussichten?
  • Bei wem deponiere ich bei einem Alleingang die Route?

 

Die Ausrüstung

  • warme Kleidung und Regenschutz
  • Handschuhe und Mütze (bei längeren Touren oberhalb von etwa 2500 Metern über Meer)
  • bequeme, gut eingelaufene Wanderschuhe
  • bequemer Rucksack mit gepolstertem Hüftgurt
  • eventuell Trekkingstöcke
  • Sonnencreme, Sonnenbrille, Sonnenhut
  • ausreichend Proviant
  • genügend Getränke (ungesüsster Tee), vor allem bei Wandertouren abseits von Einkehrmöglichkeiten und in grösserer Höhe
  • Kartenmaterial (auch für Ausweichrouten)
  • Routenbeschreibung/Wanderführer
  • Fahrpläne für Hin- und Rückweg
  • Taschenmesser
  • kleine Taschenlampe
  • Notapotheke
  • WC-Papier und Papiertaschentücher
  • Mobiltelefon mit voll geladenem Akku
  • Geld, Abonnemente, Billette
  • eventuell GPS-Gerät mit voll geladenem Akku
     

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GPS oder Wanderkarte?

Ein Navigationssystem auf GPS-Basis ist in vielen modernen Autos Standard: Karte und Stimme führen sicher durch den Dschungel fremder Grossstädte. Geräte für die Navigation via Satellit gibt es auch für den Outdoor-­Bereich. Sie sind vor allem bei Mountainbikern ­beliebt. Einige Hersteller bieten Geräte für ­Wanderer an, die um die 1000 Franken kosten. Je nach verfügbarem Kartenmaterial ist damit ­eine detaillierte Darstellung der Route möglich, und man weiss dank GPS-Peilung immer, wo man sich gerade befindet. Einige Geräte sind zudem mit einem Kompass kombiniert, so dass die Karte automatisch in die passende Richtung dreht. Trotz allen technischen Features ist aber Vorsicht angebracht: «GPS-Geräte ersetzen die traditionellen Karten nicht einfach», sagt Bernhard Schmidt, Geschäftsführer des Vereins Berner Wanderwege. Die Gründe dafür: wBei Bildschirmgrössen um die drei Zoll ist es schwierig, einen grösseren Kartenausschnitt darzustellen, um sich im weiteren Umfeld ­orientieren zu können oder nach Ausweich­routen zu suchen.

  • Die Geräte arbeiten mit einem Akku. Ist der einmal leer, steht man orientierungslos da.
  • Das helle Sonnenlicht in den Bergen macht es manchmal schwierig, das Display abzulesen, ein Problem, das man von Digitalkameras kennt.


Deshalb gilt: Neben dem GPS gehören die ­traditionellen Karten aus Papier mit in den Rucksack. Wer ein GPS mitnimmt, kann von ­einigen interessanten Funktionen profitieren und zum Beispiel die gesamte Route inklusive der überwundenen Höhenmeter aufzeichnen. Eine Funktion, die auch sogenannte GPS-Logger bieten, die es schon für unter 100 Franken gibt. ­Diese eignen sich aber nicht für die Orientierung ­unterwegs, da sie kein Kartenmaterial ­integriert haben, sondern nur alle paar Minuten die Koordinaten speichern.

Weitere Tipps und Infos

Routen

 

Wetter

  • Peter Albisser: «Wetterkunde für Wanderer und Bergsteiger»; SAC-Verlag, 192 Seiten, CHF 42.90
  • www.meteoschweiz.ch: ­persönliche Wetterberatung, rund um die Uhr: 0900 162 333 (Gebühr: CHF 3 plus CHF 1.50 pro Minute für Anrufe aus dem Festnetz)
  • www.wetter.ch: persönliche Beratung, täglich 5-17.30 Uhr: 0900 575 775 (Gebühr: CHF 2.80 pro Minute für Anrufe aus dem Festnetz)
  • www.meteocentrale.ch