Kleine Panne beim Abschlussexamen: Ein Teil der Prüfung ist identisch mit jener des Vorjahres – und sei somit nicht gültig. So geschehen 2012 beim Weiterbildungslehrgang zum Sozialversicherungsexperten mit Ver­tiefungsrichtung Reintegration.

«Deshalb sollten wir den gesamten vierstündigen Test erneut schreiben. Und zwar nicht sofort, sondern erst ein halbes Jahr später», erinnert sich Ruth Stalder, eine der Betroffenen. Der Vorschlag des Schweizerischen Verbands der Sozialversicherungs-Fachleute (SVS), der das Examen durchführte, kam bei den Prüflingen schlecht an.

«Nicht auf einem Basar»

Als einige protestierten, nannte ein Vertreter der Prüfungskommission sie «nicht expertenwürdig». «Alle leben noch», schrieb er in einer Mail; man sei «nicht auf einem Basar». Darauf schalteten einige Betrof­fene einen Anwalt ein. Die Zentralprüfungskommission lenkte ein und rechnete das fragliche Teilexamen bei allen an, wie Präsident Kurt Graf dem Beobachter sagte. Doch über diesen Schritt informierte der Verband die Prüflinge nie offiziell.

Für die meisten von ihnen stellte sich der Entscheid ohnehin als bedeutungslos heraus: Sie fielen durch, wie die Mehrheit ihrer Kollegen der zweiten Vertiefungsrichtung auch. Nur 5 der 22 Kandidaten – Prüfungswiederholer inklusive – erhielten das eidgenössische Diplom.

Die Weiterbildung ist seit längerem bekannt für ihre hohe Misserfolgsquote. Seit 2010 schafft über die Hälfte der jährlich rund zwei Dutzend Anwärter den Abschluss nicht. Beim Verband erklärt man sich die geringen Erfolgschancen mit dem «sehr hohen Niveau» der Prüfung und vermutet, die Kandidaten würden sich überschätzen. Die KV Zürich Business School spricht von einer «gewissen Exklusivität». Sie ist die einzige Schule, die den Lehrgang 2012 anbot. Kostenpunkt: 10'800 Franken. Hinzu kommen 3000 Franken Prü­fungs­­ge­bühr des SVS.

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Vielleicht ist die Prüfung aber auch einfach zu schwierig. Der SVS prüft derzeit, ob die Anforderungen des Examens jenen der realen Berufswelt entsprechen. Der Verband habe diese Analyse bereits 2011 in Auftrag gegeben, sagt Kurt Graf. Die Misserfolgsquote und die wenigen Anmeldungen seien aufgefallen. Er geht davon aus, dass die Prüfung angepasst wird. Wie und auf welchen Termin hin, ist noch offen.