Die Schweizerinnen und Schweizer sind ein mehrsprachiges Volk. Fast zwei Drittel sprechen mindestens zwei Sprachen, wie eine Erhebung des Bundes 2014 zeigte. Fast jeder Fünfte, der 25 Jahre oder älter ist, lernt ausserdem eine neue Sprache oder verbessert seine Sprachkenntnisse aktiv. Angebote dafür gibt es viele: Man kann einen Gruppenkurs besuchen, für einen Sprachaufenthalt Sprachaufenthalt planen Fremdsprache lernen leicht gemacht verreisen – oder zuhause lernen. Das ist wahrscheinlich am günstigsten, aber funktioniert es auch?

«Das hängt auf jeden Fall von der Motivation ab», sagt Sprachwissenschaftlerin Katia Carraro. Sie leitet das Selbstlernzentrum der Universität Fribourg und betreut Studierende Auslandsstudium Organisation ist alles! , die autonom eine neue Sprache lernen. Darin hat sie selbst viel Erfahrung, denn neben ihrer Muttersprache Italienisch spricht Carraro Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Ihre Formel fürs Sprachenlernen lautet: «Es braucht Freude, Zeit und Fokus.»

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Mit einem Lehrbuch die Grundlagen lernen

Zuhause eine Sprache zu lernen, erfordert viel Disziplin. Dafür ist man zeitlich flexibel und entscheidet selbst, was man wann lernt. Genau das kann aber überfordernd sein. Sprachexpertin Carraro empfiehlt Anfängern, die neue Sprache Sprachen lernen im Schlaf Klüger über Nacht erst einmal zu lesen und zu hören, um sich mit den Klängen und der Schrift vertraut zu machen. Dafür eigne sich ein Audio-Sprachkurs. 

Als nächsten Schritt empfiehlt die Sprachwissenschaftlerin, ein Lehrbuch systematisch durchzuarbeiten. «Es lohnt sich, Zeit in die Suche nach einem guten Lehrmittel zu investieren.» Ein solches sei auf selbstständiges Lernen Primarschule «Ufzgi sind meistens sinnlos» ausgerichtet, beinhalte Lösungen zu den Aufgaben und stelle auch Audiobeiträge zur Verfügung. Um das passende Buch zu finden, rät Carraro, in einer Bibliothek unterschiedliche Exemplare auszuprobieren. 

Zuhause, aber nicht alleine

Wenn man ein ansprechendes Buch gefunden hat, soll man täglich 30 bis 40 Minuten in das neue Hobby investieren. «Fünf bis zehn Minuten davon sollte man das Gelernte, vor allem den Wortschatz, wiederholen.», sagt Carraro. «Wiederholen ist wichtig. Man ist nicht effizienter, wenn man die Einheiten so schnell wie möglich durcharbeitet.»

«Wenn man Spass dabei hat und weitermachen will, kann man beginnen mit Freunden in dieser Sprache zu kommunizieren.» Wer in seinem Umfeld niemanden dafür findet, dem hilft das Internet. Webseiten, die Sprachtandems zusammenbringen, gibt es einige. Man meldet sich an und gibt seine Muttersprache Bilinguale Erziehung Sollen Kinder mehrsprachig aufwachsen? sowie die Sprache an, die man üben will. Gibt es jemanden mit der umgekehrten Kombination, kann man anfangen, über Skype miteinander zu sprechen und voneinander zu lernen. «Nur weil man zuhause ist, ist man nicht unbedingt alleine», sagt Carraro.

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App als Ersatz für den Lehrer?

Und was bringen digitale Lernapps Apps für Kinder Gefahr durch Werbevideos und In-App-Käufe , die schnellen Lernerfolg versprechen? Dazu, wie gut die Apps wirklich sind, will Expertin Carraro keine pauschale Bewertung abgeben. «Ich denke es ist ganz wichtig, dass jede Person ausprobiert, was zu ihr passt.» Das sieht auch Sprachlehrer Steve Keating so. Der gebürtige Neuseeländer gibt seit über 20 Jahren Englischunterricht und ist akademischer Leiter der Sprachschule nativespeakers.ch GmbH in Zürich. Er findet: «Wenn die Leute Lust auf die App haben, dann bin ich zufrieden, weil sie Fortschritte machen.» 

Keating gibt Einzel- und Gruppenunterricht, meistens persönlich, seit der Corona-Krise Psyche Was macht die Corona-Krise mit uns? nur noch online. Unterricht per Skype sei manchmal sogar beliebter als eine persönliche Lektion, weil der Anfahrtsweg für die Schüler wegfalle. Dass eine App ihn als Lehrer ersetzen könnte, befürchtet er nicht. Sie sei eher eine nützliche Ergänzung. «Ich habe diese Erfahrung beim Deutschlernen selbst gemacht. Die App war gut, aber es war auch sehr hilfreich, einen Lehrer zu haben, der meine Texte korrigiert und dem man alle möglichen Fragen stellen kann.»

Studie belegt Nutzen

Am beliebtesten sind die beiden Sprachlernapps Duolingo und Babbel Übersetzer-Apps Ferien mit dem Dolmetscher in der Tasche . Beide bieten kurze Lerneinheiten an, bei denen man schreiben, lesen, hören und sprechen muss. Die Apps erinnern die Nutzerinnen und Nutzer mit Benachrichtigungen an ihre täglichen Lerneinheiten. In der kostenlosen App Duolingo kann man sich spezielle Lernpakete dazukaufen. Babbel ist von Anfang an kostenpflichtig. 

Der Nutzen beider Apps wurde schon wissenschaftlich untersucht. Beispielsweise belegte 2019 eine Studie der Yale-Universität, dass Babbel-Nutzer, die sich selbst als Anfänger einstuften, ihr Hörverstehen innerhalb von drei Monaten verbessern konnten. Dafür mussten aber auch sie die Sprache täglich in der App üben.

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Ganz auf eine App verzichtete auch Katia Carraro nicht, als sie sich Französisch aneignete. «Ich nahm mir vor, jeden Tag mindestens fünf neue Begriffe zu lernen. Diese habe ich dann in die App Quizlet eingetragen.» Quizlet ist kostenlos und ermöglicht es, digitale Karteikarten mit Vokabeln anzulegen. «Ich habe Wörter ausgewählt, die mir relevant und hilfreich schienen», sagt Carraro. Wenn man die Begriffe regelmässig wiederhole, erweitere sich der Wortschatz, auch wenn man volle Tage habe.

Kann man Sprachen im Schlaf lernen?

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Köpfhörer aufsetzen, im Schlaf Vokabeln trainieren – und schon spricht man fliessend französisch? Ärztin Claudia Twerenbold erklärt, ob das tatsächlich möglich ist.

Quelle: Beobachter Bewegtbild

«Hauptsache, es kommt in die Ohren»

Die gleiche Technik hat Steve Keating angewendet, um Deutsch zu lernen. Er hat zehn neue Begriffe pro Tag gelernt. «Das sind in einem Monat 300 Wörter und damit kann man in jeder Sprache schon etwas anfangen.» Durch selbstständiges Lernen ein akzeptables Sprachniveau zu erreichen, scheint also möglich. Und wenn man die Sprache perfekt beherrschen will? 

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«Wenn man eine starke Motivation hat, kann man wirklich sehr gute Ergebnisse erzielen», meint Katia Carraro dazu. Man müsse sich aber immer wieder selbst herausfordern, beispielsweise mit dem Tandempartner nicht nur über das Wochenende, sondern auch über anspruchsvollere Themen sprechen. Und: «Wenn man eine Sprache lernt, sollte man in sie eintauchen.» 

Das bestätigt Sprachlehrer Keating. «Es hilft, Radio oder Podcasts zu hören, beispielsweise beim Geschirrspülen.» Wichtig ist dabei, dass die Inhalte zum Sprachniveau passen. Sonst ist man als Schülerin oder Schüler zu schnell frustriert und gibt auf. Doch, egal was man hört, klar ist für Keating: «Hauptsache, es kommt in die Ohren.»

Tipps fürs Sprachenlernen

  • Werden Sie sich über Ihre Motivation klar und setzen Sie sich ein Ziel. Zum Beispiel: Sie möchten in den Ferien mit den Einheimischen sprechen können oder Ihre Lieblingsserie endlich in der Originalsprache schauen können.
  • Als Anfänger oder Anfängerin: Hören und lesen Sie in der neuen Sprache, beispielsweise mit einem Audio-Sprachkurs.
  • Finden Sie die passende Methode: Kostenpflichtige Apps wie Babbel bieten Testversionen an, bei Sprachschulen gibt es Schnupperstunden. 
    • Wer selbstständig lernen will: Kaufen Sie ein passendes Lehrbuch oder leihen Sie es in der Bibliothek aus. Achten Sie darauf, dass das Lehrmittel auf autonomes Lernen ausgerichtet ist, Lösungen zu den Aufgaben und Audiobeiträge enthält.
  • Suchen Sie in Ihrem Umfeld oder im Internet nach einem Tandempartner. Indem man sich jede Woche zu einem festen Termin verabredet, ist es leichter, dranzubleiben. Katia Carraro empfiehlt die Plattform Seagull, die von der EU-Kommission mitfinanziert wurde.
  • Planen Sie die nötige Zeit für Ihr neues Hobby ein. Katia Carraro empfiehlt 30 bis 40 Minuten täglich. Achtung, die Regelmässigkeit ist hier sehr wichtig. Einmal in der Woche zwei Stunden am Stück zu lernen, bringt nicht viel.
  • Tauchen Sie in die Sprache ein:
    • «Man kann jeden Tag die Nachrichten in der Sprache schauen, unbekannte Wörter nachschlagen und sie in die Wortschatzsammlung aufnehmen», rät Carraro. Wem die Nachrichten im Fernsehen zu schnell sind, findet sie hier etwas langsamer.
    • Schauen Sie Filme in der neuen Fremdsprache, zuerst mit Untertiteln, nach einiger Zeit geht es möglicherweise auch ohne. 
    • Hören Sie Radio oder Podcasts, bei vielen Podcast-Anbietern findet man kostenlose Sprachlernprogramme. Steve Keating empfiehlt die Videos Youtube Was gucken Jugendliche da ständig? der Vortragsreihe TedTalks. Diese Playlist enthält TedTalks-Videos, die sich besonders fürs Sprachenlernen eignen.
    • Lesen Sie Bücher in der Fremdsprache. Achten Sie dabei darauf, dass die Bücher zu Ihrem Sprachniveau passen. 
  • Noch mehr Tipps finden Sprachbegeisterte auf der Website des Selbstlernzentrums der Universität Fribourg.
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Quelle: Beobachter Edition

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Judith Schönenberger, Online-Redaktorin

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