Was die Schweizer haben, hat sonst keiner: Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine der­artige Vielfalt an Weiterbildungsangeboten. Aber genau hier liegt das Problem: Wie, bitte schön, soll man sich da zurechtfinden? Experten erhoffen sich vom neuen Weiterbildungsgesetz ab ungefähr 2015 mehr Transparenz und bessere Qualitätsstandards. Doch Bildungswillige drohen bei der Suche nach dem passenden Institut zu verzweifeln.

Allein die Verschiedenheit der Anbieter macht ratlos: Kleine Privatschulen und Lernstudios bieten Weiterbildung ebenso an wie die grossen, tonangebenden Player im Geschäft. An Volkshochschulen kann man Kurse belegen, bei kantonalen Stellen und bei Gewerkschaften. Oder darf es ein persönlicher Coach sein?

Ein Orientierungspunkt: Das Eduqua-Label

Wie viele Anbieter es insgesamt gibt, wissen selbst Fachleute nicht genau: zwischen 3000 und 5000, heisst es beim Schweizerischen Verband für Weiterbildung. Fest steht, dass private Institute rund 80 Prozent der Kursstunden bereitstellen. Den Rest liefern öffentliche Träger wie Universitäten, Fachhochschulen und Berufsschulen.

Die verwirrende Vielzahl der Anbieter ist das eine. Das andere: Nicht immer erschliesst sich Interessierten, ob es sich um eine empfehlenswerte Adresse handelt. Doch es gibt einen Anhaltspunkt: das Eduqua-Label, das Schweizerische Qualitätszertifikat für Weiterbildungsinstitutionen. Über 1000 Institute tragen es inzwischen – auch weil es in immer mehr Kantonen ­Voraussetzung für öffentliche Gelder ist.

Das Eduqua-Label zeigt, dass gewisse Kriterien eingehalten werden. Etwa dass Angebot und pädagogische Leitlinien transparent dargestellt werden. Dass die Lehrgänge Kundenbedürfnissen entsprechen. Dass die Lehrenden fachlich und didaktisch auf dem neusten Stand sind. Und wie erfolgreich die Teilnehmer lernen.

Kein Wald-und-Wiesen-Diplom

Natürlicherweise finden jene Institute, die das Eduqua-Zertifikat tragen, dieses eine gute Sache. «Wer das Eduqua-Label nicht schafft oder sich nicht darum bemüht, ­erfüllt wahrscheinlich grundlegende Standards nicht», so Peter Rüegger, Geschäftsführer der KV-Bildungsgruppe Schweiz. Bei der Migros-Klubschule heisst es: «Institute sind durch das Label gezwungen, sich aktiv mit der Qualität ihres An­gebots auseinanderzusetzen. Und es bietet Teilnehmern eine Grundsicherheit.»

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Skeptischer sieht es Beat Nägelin, Verwaltungsratspräsident der HSO-Bildungsorganisation Schweiz: «Die Eduqua-Zertifizierung hat sich zwar als Standard durchgesetzt, ist aber nicht über alle Zweifel erhaben.» Geprüft werde beispielsweise nicht, was auf welcher Stufe gelehrt werde, sondern nur wie das Lehrsystem organisiert sei. «Als Hilfe, für welches Bildungsangebot man sich entscheiden soll, taugt das Label deshalb nur bedingt.»

Mit anderen Worten: Weitere Kriterien entscheiden darüber, was für wen in Frage kommt. So ist es auch wesentlich, welcher Abschluss am Ende des Kurses oder des Studiums steht. Beat Nägelin von der HSO vertritt dazu einen Grundsatz: «Ein Diplom sollte nicht ausschliesslich vom Ruf einer Schule abhängen, sondern auch vom Staat und/oder von einer etab­lierten Organisa­tion anerkannt sein, etwa vom Verband Schweizerischer Handelsschulen.» Auch Peter Rüegger von der KV-Bildungsgruppe empfiehlt: «Achten Sie darauf, dass die ­Abschlüsse schweizweit respektive eid­genössisch anerkannt sind.»

Das deckt sich mit den Ergebnissen der Bildungsstudie 2011: Die befragten Kursteilnehmer massen den «Inhouse-Abschlüssen» einzelner Anbieter keine grosse Bedeutung bei. Mehr Ansehen geniessen das eidgenössische Diplom HF, die höhere Fachprüfung HFP und der eidgenössische Fachausweis FA. Noch gefragter sind internationale Abschlüsse wie der zurzeit an Fachhochschulen boomende MAS (Master of Advanced Studies).

Doch auch Branchenspezifisches kann einen weiterbringen. Peter Rüegger nennt als Beispiel das schweizweit anerkannte Zertifikat von Edupool.ch. Dieser Zusammenschluss von 47 kaufmännischen Weiterbildungszentren organisiere Sachbearbeiter-Lehrgänge und prüfe nach hohen Standards. Das Zertifikat sei besonders nutzbringend, wenn Absolventen in eine andere Region ziehen: «Sie haben etwas in der Tasche, was die Türen von Personalchefs in der ganzen Schweiz öffnet.»

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Fernstudium: Nur für disziplinierte Leute

Laut Bildungsstudie absolvieren mehr als 80 Prozent der Teilnehmer ihre Weiter­bildung berufsbegleitend. Das reicht vom Teilzeitstudium bis hin zum Abendkurs, den man einmal pro Woche besucht. Wie diese Zusatzbelastung neben den ­Alltagspflichten zu bewältigen ist, ist ebenfalls ausschlaggebend für die Wahl des Anbieters.

Fernunterricht wird gern als Alternative für jene genannt, die zeitlich flexibel bleiben und ihrem eigenen Lernrhythmus folgen wollen. Anbieter wie die Universitären Fernstudien Schweiz und die Fernfachhochschule Schweiz setzen dabei auf eine Mischform, «blended learning» genannt. Man erarbeitet den Stoff selbst aus Büchern und Skripten. Zusätzlich nutzt man eine E-Learning-Plattform für Online-Unterricht, um sich mit Dozenten und Kommilitonen auszutauschen, sowie für Tests. Hinzu kommt ein kleiner Anteil Präsenzunterricht.

Doch selbst Anbieter weisen da­rauf hin, dass Fernlernen nicht jedermanns Sache ist, und empfehlen vor der Anmeldung einen Eignungstest. Wer ungern die meiste Zeit für sich lernt, kein Händchen dafür hat, sich selbst zu organisieren, undiszipliniert ist und sowieso schon zu viel um die Ohren hat, dürfte scheitern.

Je transparenter, umso besser

Die Empfehlung der Fernfachhochschule Schweiz: Seriös nebenbei studieren lässt sich nur mit einem Teilzeitpensum, 80 Prozent im Maximum. Viele unterschätzen das – kein Wunder, beträgt die Schulabbrecherquote im ersten Semester bis zu 50 Prozent.

Fazit: Nicht nur auf Qualitätsstandards und das Diplom kommt es an, sondern auch darauf, welche Lernform den Teilnehmern liegt.

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Und nicht zuletzt spielt es eine ­Rolle, ob das Institut seriös und sympathisch rüberkommt. Fachleute empfehlen: Vorsicht, wenn sich ein Anbieter zugeknöpft gibt und schleierhaft bleibt, welche Leistungen der Kunde erhält. Dieser muss klar sehen, wie die Aufnahmebedingungen sind, welche Lerninhalte wie in welcher Zeit vermittelt werden, wie die Prüfungen ablaufen, wer die Dozierenden sind, wer Träger der Einrichtung ist, wann sie gegründet wurde, welche Bedeutung sie auf dem Bildungsmarkt hat.

Stutzig werden sollte man auch bei unfairen Zahlungsbedingungen. Unseriöse Institute fordern oft das gesamte Kursgeld im Voraus – und zahlen bei vorzeitigem Austritt nichts zurück. Semesterweise oder in Raten bezahlen zu können sollte möglich sein.

Seriöse Institute zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie nie sofort eine Unterschrift verlangen, sondern Interessierten mehrere Tage Bedenkzeit einräumen. Und schliesslich stellen sie Referenzen von Absolventen und potentiellen Arbeitgebern zur Verfügung. Kurzum: Sie sorgen von sich aus für mehr Durchblick im Bildungsdschungel.

So finden Sie das richtige Angebot

  • Nehmen Sie die Webseiten und Prospekte der Anbieter unter die Lupe: Finden Sie alle ­nötigen Informationen? Und rufen Sie an: Ist die Beratung kompetent und freundlich?

  • Vergleichen Sie verschiedene Anbieter (ein praktisches Auswahlwerkzeug gibts auf www.alisearch.ch): Was kosten die Kurse? Haben sie Praxisbezug? Entsprechen die Lernziele Ihren Vorstellungen? Wie ist der Kurs, das Studium organisiert? Wie werden Sie betreut? Passt das alles in Ihren Zeitplan? Können Sie den Lehrgang unterbrechen und später wiederaufnehmen (siehe Modell F, www.modellf.ch)?

  • Bei guten Anbietern können Sie sich persönlich beraten lassen und eine Schnupperstunde besuchen.

  • Fragen Sie Personen, die den Kurs besucht, das Studium absolviert haben: Waren sie zufrieden? Was werten sie als Vorteile, was als Nachteile? Würden sie den Anbieter wieder wählen?


Checkliste für Weiterbildungs­angebote

www.rz-laufbahn.ch
www.eduqua.ch

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Was diese Abschlüsse bedeuten

Master of Advanced Studies (MAS)
Der MAS ist ein ein- bis zweijähriges, berufs­begleitendes Studium. Es wird an Universitäten und Fachhochschulen angeboten. Absolventen können vertiefte Kenntnisse in den verschiedensten Fachgebieten erwerben. Angerechnet werden dafür 60 ECTS-Punkte.

Das European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) ist ein europaweit anerkanntes System zur Sammlung, Übertragung und Anrechnung von Studienleistung. MAS-Studiengänge sind eidgenössisch an­erkannt. Sie setzen in der Regel einen Hoch­schul­abschluss voraus. Der «Weiterbildungsmaster» hat nichts mit einem Masterstudium zu tun, das auf dem Bachelor aufbaut.

Diploma of Advanced Studies (DAS)
Der Diplomlehrgang ist zeitlich und inhaltlich weniger umfassend als der MAS (mindestens 30 ECTS-Punkte), bietet aber ebenfalls vertiefte Weiterbildung in einem spezifischen Fachbereich oder den Erwerb weiterer Kompetenzen für den Beruf. Die DAS-Studiengänge sind nicht eidgenössisch geregelt.

Certificate of Advanced Studies (CAS)
Der Zertifikatslehrgang ist ein eigenständiger Abschluss, der auch Teil eines MAS sein kann (modulares System). Mindestens zehn ECTS-Punkte werden vergeben. Er bietet spezifisches Wissen zu einem bestimmten Thema und richtet sich an Leute, die eine Zusatzqualifikation in einem Fachbereich ­erwerben möchten. Auch CAS-Studiengänge sind nicht eidgenössisch geregelt.

Executive Master of Business Administration (EMBA)
Der EMBA ist einer der bekanntesten ­Abschlüsse weltweit. Er wird an Fachhochschulen und Universitäten angeboten. ­Erworben werden in diesen Studiengängen vertiefte Kenntnisse in Wirtschaftsfach­gebieten. Teilnehmer lernen darüber hinaus alles, was im General Management wichtig ist. Angerechnet werden 60 ECTS-Punkte. EMBAs sind meist berufsbegleitend, setzen in der Regel einen Hochschulabschluss ­voraus und sind bei Personen beliebt, die bereits in einer Führungsposition sind.

Wichtige Webadressen

 

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