BehördenKindesentführung, ganz legal

Jakov Kohn: «Durch einen Fehler der Stadt Zürich habe ich den Kontakt zu meinen Kindern verloren.» Bild: Thinkstock Kollektion

Wegen einer Unachtsamkeit des Personenmeldeamtes der Stadt Zürich sieht Jakov Kohn* seine beiden Kinder nur noch via Skype.

von Markus Föhn

Der Schritt seiner israelischen Frau traf Jakov Kohn* wie ein Schlag. Sie suchte mit den beiden gemeinsamen Kindern das Personenmeldeamt der Stadt Zürich auf, meldete alle drei nach Israel ab und verliess die Schweiz für immer.

Das war im Sommer 2014. Kohn fiel nach dem abrupten Wegzug seiner Familie in eine Depression und verlor den Job. Erst diesen Frühling fand er die Kraft, beim Chef des Personenmeldeamts zu intervenieren. Er fragt sich: «Wie kann es sein, dass eine Behörde meine Kinder, die beide Schweizer Bürger sind, ins Ausland ziehen lässt? Gemäss Gesetz wäre meine Zustimmung nötig gewesen.»

Der 39-Jährige kann mit seinen ­Kindern zweimal pro Woche per Skype sprechen, und auch das erst seit Beginn des Eheschutzverfahrens im vergangenen Herbst. Zuvor hatte die Frau jeden Kontakt unterbunden.

Das Präsidialdepartement der Stadt Zürich bestätigt den Vorfall. Die Frau habe «am Schalter ihren Wegzug glaubhaft begründet und auf Nachfrage ver­sichert, dass ihr Mann mit dem Wegzug einverstanden sei». Ausserdem habe sie 2009 mit dem ersten Kind zwei Jahre lang in Israel gelebt, was darauf hin­gewiesen habe, dass es bereits früher «eine Art Fernbeziehung in der Familie» gegeben habe. Laut Kohn war seine Frau allerdings damals einfach nicht aus den Ferien zurückgekehrt.

Ein neues Gesetz sollte das verhindern

Zudem: Seit dem 1. Juli 2014 gilt automatisch das gemeinsame Sorgerecht für Kinder. Das Zivilgesetzbuch schreibt daher vor, dass der eine Elternteil seine Zustimmung geben muss, wenn der ­andere mit den Kindern ins Ausland ­ziehen will. Zürich beschloss zwar, als zusätzliche Sicherheitsmassnahme eine Unterschrift des Elternteils zu verlangen, der nicht am Schalter erscheint.

Als Kohns Frau sich und die Kinder am 2. Juli 2014 abmeldete, klappte das noch nicht. Das Personenmeldeamt habe «just in den Tagen der Abmeldung seine Prozesse umgestellt», sagt der Sprecher des Präsidialdepartements.

Kohn ist enttäuscht: «Durch einen Fehler der Stadt Zürich habe ich den Kontakt zu meinen Kindern verloren.» Der schweizerisch-israelische Doppelbürger hat gegen seine Frau Anzeige wegen «Entziehens von Minderjährigen» eingereicht. Er erwägt der Kinder wegen den Umzug nach Israel.

*Name geändert

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Veröffentlicht am 2016 M07 05