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Cannabis-MedizinKrankenkassen zahlen nicht mehr

In der Schweiz übernehmen immer weniger Krankenkassen Cannabis-Medikamente. Deutschland geht einen anderen Weg.

Um ein Cannabis-Medikament verschreiben zu können, muss ein Arzt zuerst belegen, dass andere Mittel nicht geholfen haben.
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660 Franken pro Monat bezahlt Ros­marie F. für die Cannabis-Tinkturen, die gegen Beschwerden ihrer Muskel­erkrankung helfen. «Obwohl ich eine Bewilligung habe, weigert sich die Krankenkasse zu zahlen.»

Cannabis hilft vielen gegen starke Schmerzen oder Spastik, doch eine legale Behandlung ist nur mit einer Spezialbewilligung des Bundesamts für Gesundheit möglich. Der Arzt muss sie beantragen und belegen, dass andere Mittel nicht geholfen haben. Dann kann er dem Patienten ein ­Cannabis-Medikament verschreiben, nicht aber das Kraut selber.

Doch immer weniger Krankenkassen zahlen für Cannabis-Medizin, auch nicht über eine Zusatzversicherung. «Früher wurden rund zwei Drittel der Anträge bewilligt, heute unter 50 Prozent», sagt Markus Weber, Leiter des Muskelzentrums am St. Galler Kantonsspital. Ob ein Gesuch bewilligt werde, hänge stark von den Vertrauensärzten der Krankenkassen ab.

Pharmafirmen haben kein Interesse

Diese Entwicklung stellt auch Manfred Fankhauser fest. Der Apotheker in Langnau BE stellt medizinische Cannabis-Tinkturen her. «Weil Cannabis-Produkte auf der Liste kassenpflichtiger Medikamente fehlen, sind Patienten auf den Goodwill ihrer Kasse angewiesen. Und der hat abgenommen.»

Es mangelt an klinischen Studien zu Cannabis-Medikamenten. Pharmafirmen, die sie finanzieren könnten, zeigen wenig Interesse. Oft haben sie andere Medikamente im Angebot, die einfacher patentierbar sind.

Die deutsche Politik machts möglich

Deutschland geht einen anderen Weg. Im Januar entschied der Bundestag, es brauche keine weiteren Forschungs­ergebnisse, um Cannabis kassenpflichtig an viele Schwerkranke zu verschreiben. Ab März können es Ärzte verschreiben, wenn andere Therapien nicht helfen. Das Kraut soll durch eine staatliche Agentur kontrolliert und in medizinischer Qualität angebaut werden. Bis es so weit ist, erhalten Patienten importiertes Cannabis.

Das deutsche Vorgehen dürfte den Druck auf Schweizer Behörden erhöhen. Denn eigentlich hat das Bundesamt für Gesundheit in einer Meta­studie vor zwei Jahren schon festgestellt, dass Cannabis gut gegen chro­nische oder durch Krebs verursachte Schmerzen und gegen Krämpfe bei multipler Sklerose wirkt.

Nur dank einer gemeinnützigen Organisation kann Rosmarie F. ihr Medikament bezahlen. «Dafür bin ich sehr dankbar. Aber das kann ja nicht die Lösung für Tausende von Patienten sein.»

Veröffentlicht am 31. Januar 2017

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4 Kommentare

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Thomas
Unsere Krankenkasse hatte unser Gesuch auch abgelehnt. Ich habe darauf nachgefragt, wieso es abgelehnt wurde. Die Antwort: Weil der Verlaufsbericht nach einem dreimonatigen Testversuch fehlte. Ich habe die Sachbearbeiterin dann gefragt, wieso die Krankenkasse uns nicht DAS als Rückmeldung schickte und uns zur Einreichung dieses Berichts aufforderte, anstatt das Gesuch abzulehnen. Darauf hatte sie keine Antwort (Fehler zugeben wollen oder dürfen sie ja nicht), hat unser Gesuch aber wieder auf pendent gesetzt. Nach drei Monaten hat unser Hausarzt den Verlaufsbericht dann eingeschickt und das Gesuch wurde letzte Woche gutgeheissen. Leider ist das heute überall so: Mit dem ersten Nein wollen sich KK/Behörden aus der Verantwortung stehlen. Nur wer sich ständig wehrt, kommt vielleicht ans Ziel.

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Hypolaristic
Der deutsche Hanfverband nennt das neue Gesetz ein "Cannabis-Anbauungs-Verhinderungsgesetz". Statt zu legalisieren wird es dort ab März von den Krankenkassen und somit indirekt vom Steuerzahler finanziert. Damit will man verhindern, dass weiterhin Patienten den Antrag auf Eigenanbau stellen. Der Tenor: "Für alle, die es aufgrund der medizinischen Effekte benötigen, soll Cannabis frei verfügbar sein. Aber wir sind gegen eine Legalisierung". Da frage ich mich doch: Hat Cannabis bei Freizeitkonsumenten keine medizinische Wirkung? Mit so einer Politik wird der Prozess der Legalisierung leider verlangsamt. Und wenn sich nicht endlich mal auch die GESUNDEN FREIZEITKONSUMENTEN hier in der Schweiz öffentlich für die Legalisierung einsetzen, wird das bei der nächsten Abstimmung nichts.

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Hypolaristic
Der deutsche Hanfverband nennt das neue Gesetz ein "Cannabis-Anbauungs-Verhinderungsgesetz". Statt zu legalisieren wird es dort ab März von den Krankenkassen und somit indirekt vom Steuerzahler finanziert. Damit will man verhindern, dass weiterhin Patienten den Antrag auf Eigenanbau stellen. Der Tenor: "Für alle, die es aufgrund der medizinischen Effekte benötigen, soll Cannabis frei verfügbar sein. Aber wir sind gegen eine Legalisierung". Da frage ich mich doch: Hat Cannabis bei Freizeitkonsumenten keine medizinische Wirkung? Mit so einer Politik wird der Prozess der Legalisierung leider verlangsamt. Und wenn sich nicht endlich mal auch die GESUNDEN FREIZEITKONSUMENTEN hier in der Schweiz öffentlich für die Legalisierung einsetzen, wird das bei der nächsten Abstimmung nichts.

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Hypolaristic
Der deutsche Hanfverband nennt das neue Gesetz ein "Cannabis-Anbauungs-Verhinderungsgesetz". Statt zu legalisieren wird es dort ab März von den Krankenkassen und somit indirekt vom Steuerzahler finanziert. Damit will man verhindern, dass weiterhin Patienten den Antrag auf Eigenanbau stellen. Der Tenor: "Für alle, die es aufgrund der medizinischen Effekte benötigen, soll Cannabis frei verfügbar sein. Aber wir sind gegen eine Legalisierung". Da frage ich mich doch: Hat Cannabis bei Freizeitkonsumenten keine medizinische Wirkung? Mit so einer Politik wird der Prozess der Legalisierung leider verlangsamt. Und wenn sich nicht endlich mal auch die GESUNDEN FREIZEITKONSUMENTEN hier in der Schweiz öffentlich für die Legalisierung einsetzen, wird das bei der nächsten Abstimmung nichts.

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