Ich stehe an der Bar, will nach Hause und merke: Der Rucksack mit dem Laptop ist weg. Das Handy habe ich noch. Mit der App «Mein iPhone suchen» versuche ich, den Laptop zu orten. Kein Signal. Via App richte ich einen Sperrcode ein, als Ergänzung zum Passwort.

Ich male mir aus, was der Dieb mit den Daten anstellen könnte. Horror. Ich sehe den Kontostand auf null fallen. Einzig der Gedanke, dass es dazu einen Profi bräuchte Hackerangriffe Wie sicher ist E-Banking? , beruhigt mich ein wenig. 

Praktisch alle Daten sind auf dem Laptop gespeichert, das letzte Back-up ist lange her. Sämtliche angefangenen Texte und Musikstücke sind weg. Tags darauf weicht die Angst einem Zweckoptimismus, der mich auf die Strasse treibt. Ich frage in allen Lokalen, in denen ich war, nach dem Rucksack. Ohne Ergebnis.

Die nächsten Tage über beschwöre ich wie besessen die App. Das hilft: Das Handy empfängt ein Signal vom Laptop aus einem Aussenquartier. Ich fahre hin. Der Punkt auf der digitalen Karte zeigt ein Trottoir vor einem Wohnhaus an. Ich durchsuche das Gebüsch, schaue in Müllcontainer und parkierte Autos – nichts. Zu Hause stelle ich fest, dass ich gegen Diebstähle ausser Haus nicht versichert bin , und verwünsche mich.

Signal aus der Vorstadt

Der Polizist auf dem Posten will mich nicht zum Wohnhaus im Aussenquartier begleiten. Bei allen Wohnungen zu klingeln und nach dem Computer zu fragen, findet er «unverhältnismässig».
 

«Du hast keine Waffen dabei, oder?»

Laptop-Dieb


Zwei Tage später sendet der Laptop wieder ein Signal. Diesmal aus der Vorstadt. Der Punkt auf der Karte liegt zwischen zwei Wohnhäusern. Ich klingle überall. Niemand öffnet. Bevor ich gehe, lege ich einen Zettel in alle Briefkästen: «Hallo, mein Apple-Computer ist in diesem Haus. Ich möchte ihn wieder, danke.» Darunter meine Telefonnummer.

Wenig später klingelt das Telefon. Eine Frau sagt: «Ein Typ hat meinem Mann einen Computer angeboten, ohne Beleg, mit Code geschützt.» – «Haben Sie eine Telefonnummer?» – «Rufen Sie später wieder an.»

Grosse Vorfreude auf Rückgabe des Laptops

Nach zwei Stunden erhalte ich die Nummer des Typen, der den Laptop angeboten hat. Ich rufe sofort an. «Sie haben meinen Laptop. Ich will ihn wieder. Ich biete Fr. 100, quasi Finderlohn.» Der Typ lacht nur. «100 Franken, oder ich gehe zur Polizei.» Er willigt ein, und wir vereinbaren einen Treffpunkt für die Übergabe. Ich tue damit das, wovon die Polizei explizit abrät: Ich treffe den Dieb. Man wisse ja nie, was dann geschehe, hatte mich der Polizist auf der Wache gewarnt.

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Unterwegs schwöre ich mir, mit dem Mann weder in ein Auto zu steigen noch in ein Haus zu gehen. Zudem informiere ich meine Freundin über das Treffen. Die Vorfreude darauf, meinen Laptop bald wieder in den Händen zu halten, ist grösser als alle Angst. Zudem klang der Mann nicht aggressiv. Eher lavierend, schuldbewusst.

Plaudern auf der Parkbank

Am Treffpunkt kommt mir ein junger Mann mit Rennvelo entgegen, den Computer hat er nicht dabei. Er radelt davon, ich ihm nach. Bei einem Park im Aussenquartier hält er an, setzt sich auf eine Bank und mustert mich: «Du hast keine Waffen dabei, oder?» – «Ich will nur meinen Computer.» – «Wieso ist dir das Ding so wichtig? Hast du illegale Bilder drauf? Bist du pädophil?» – «Blödsinn. Da ist meine Arbeit drauf.» – «Woher hast du meine Nummer?» – «Ich konnte den Computer orten. Dann habe ich rumgefragt.» – «Bist du Polizist?» – «Sehe ich so aus?»

Ich bin einen Kopf grösser als er, das beeindruckt ihn. Als wir beide eine Zigarette anstecken, entspannt sich die Situation etwas. Wir reden über unsere Kinder und frühere Jobs, bleiben distanziert. Dann schwingt er sich auf sein Velo, um den Computer zu holen. Nach langen zehn Minuten taucht er wieder auf. Er gibt mir das Gerät, ich ihm die 100 Franken. Ich fahre los und schaue, ob er mir folgt. Erst zu Hause löst sich die Anspannung.

Tipps bei Verlust von Handy oder Laptop

• Ortung

Mit etwas Glück lässt sich das Gerät orten. Das funktioniert aber nur, wenn das Gerät mit dem Internet verbunden ist. Zudem muss die Suchfunktion bereits vorgängig aktiviert sein. 
 

  • Apple iPhone/iPad:
    Unter Einstellungen → eigenen Namen wählen → in der Liste das Gerät anwählen → Mein iPhone suchen → einschalten. Damit das Gerät seinen Standort preisgibt, muss die Ortung eingeschaltet sein: Einstellungen → Datenschutz → Ortungsdienste → ein. Hier kann man bestimmen, welche Apps den Standort anzeigen sollen.
    Für die Suche von Handy/Laptop/iPad: Auf icloud.com/find oder in der App «Mein iPhone suchen» mit der Apple-ID einloggen.
     
  • Apple MacBooks:
    Sowohl Systemeinstellungen → Sicherheit → Datenschutz → Ortungsdienste aktivieren als auch → Systemdienste → Details → Meinen Mac suchen anwählen. Nun muss man auch noch die iCloud freigeben: Systemeinstellungen → iCloud → Anmelden → Meinen Mac suchen.
     
  • Mobiltelefone mit Android-Betriebssystem: 
    Auf dem Gerät muss ein Google- oder Samsung-Konto vorhanden sein: Einstellungen → Sicherheit & Datenschutz/Sicherheit & Standort/Gerätesicherheit → Mein Gerät finden → An.
    Für die Suche: Auf der Website android.com/find mit dem Google-Konto des Handys einloggen → der Standort erscheint auf der Karte (für Samsung-Geräte: findmymobile.samsung.com). Allerdings: Wenn man die SIM-Karte sperren lässt, funktioniert die Suche nicht mehr. Und: Die Suche über das WLAN ist selten auf den Meter genau.

  • Laptops mit Microsoft Windows 10: Mit dem Microsoft-Konto anmelden: Fenster-Symbol → Einstellungen → Update und Sicherheit → Mein Gerät suchen → ein (funktioniert bei Schul- und Geschäftskonten nicht). 
    Für die Suche: Mit dem Microsoft-Konto auf account.microsoft.com/devices anmelden, das Gerät auswählen → Details anzeigen → Mein Gerät suchen → Suchen.

 

• Versicherung 

Eine Hausratversicherung deckt Schäden und Diebstahl zu Hause ab. Für unterwegs ist der Zusatz «einfacher Diebstahl auswärts» nötig. Wie viel die Versicherung zahlt, hängt vom Alter des Geräts und der Deckungssumme ab. Es braucht eine Anzeige bei der Polizei.

 

• Polizei 

Diebstähle auf suisse-epolice.ch anzeigen.

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