Werner Siegenthaler aus Naters ärgert sich: «Jetzt muss ich noch extra dafür bezahlen, dass ich meine Rechnung bezahlen darf!»

Das stimmt tatsächlich –und zwar für alle Swisscom-Abonnenten, die ihre Rechnung so wie Siegenthaler am Postschalter begleichen. Denn ab kommendem Februar verrechnet die Telekomfirma ihren Kunden die sogenannten Postschaltergebühren. Diese betragen je nach Höhe der Rechnung und Art des Einzahlungsscheins zwischen 90 Rappen und 3.50 Franken pro Transaktion. Hinzu kommen acht Prozent Mehrwertsteuer. Swisscom will so mehrere Millionen Franken an Kosten pro Jahr einsparen. Die Argumentation: Es gebe ja verschiedene andere Bezahlarten, die kostenfrei seien, etwa Lastschriftverfahren oder Online-Banking. Zudem habe man die Gebühr jahrzehntelang übernommen. Da sei es nur fair, wenn die Kunden, die den Dienst der Post benutzen, ihn ab jetzt auch bezahlten.

Noch 2011 hatte der damalige Swisscom-Chef Carsten Schloter verlauten lassen, man werde auf die Umwälzung dieser Kosten verzichten, weil die Öffentlichkeit angesichts der Milliardengewinne der Swisscom vermutlich wenig Verständnis dafür hätte. An dieser Rahmenbedingung hat sich nicht viel geändert. 2015 lag der Reingewinn zwar deutlich tiefer als 2014, belief sich aber immer noch auf über 1,3 Milliarden Franken. «Mich nervt das Vorgehen zudem, weil ich seit Jahren absichtlich meine Zahlungen am Schalter erledige. Nicht etwa, weil ich es anders nicht könnte, sondern weil ich 'meiner' Poststelle so zu Umsatz verhelfe», sagt Werner Siegenthaler. «So lässt sich vielleicht verhindern, dass sie geschlossen wird.»

Der 74-Jährige ist übrigens trotz seines Alters und seiner analogen Bezahlart gar nicht so «old style»: 23 Prozent aller Swisscom-Rechnungen für Fest- und Mobilnetz werden noch am Postschalter bezahlt.

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Quelle: Getty Images
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