Mancher Kellner lebt im Haus, in dem er auch arbeitet – einen so schönen Wohnsitz wie Juan Torres jedoch haben die wenigsten: Der gebürtige Spanier residiert im Bottminger Weiherschloss. Das linke Turmzimmer ist sein Schlafzimmer. So viel gediegenes Ambiente inspiriert: In seinem Kleiderschrank hängt neben der Kellner-Livree ein Taucheranzug und ein Klettergewand. Ein Sportsmann? Der kleine Mann winkt ab. Beides braucht der 60-Jährige zur Arbeit – besser gesagt für sein alljährliches «Vergnügen». Der Spanier ist, wie seine Chefin und Schlosspächterin Ruth Gischig bemerkt, «unser Bastler und Tüftler aus Leidenschaft».

Einmal im Jahr holt Torres meterweise Lichterketten aus dem Keller, legt sie aus und formt Figuren damit. Engel, Kerzen, Kugeln, Tannenbäume. Dann steigt er im Taucheranzug in den Weiher, um die Verankerung für die Ketten anzubringen. «Ohne Anzug wäre es einfach ein bisschen kalt im Wasser», meint er lakonisch. Zuletzt legt er das Klettergewand über und seilt sich an der Schlossfassade ab. Stück um Stück des weihnachtlichen Lichterglanzes kommt so zu hängen. 40'000 Lämpchen insgesamt. Eine Riesenarbeit, die ihn beglückt: «Wenn am Eröffnungsabend die Leute im Park die Beleuchtung bestaunen, dann macht es Bumbum in meinem Herzen vor Freude», sagt er in seinem sympathischen Spanisch-Schweizerdeutsch.

Kellner Juan Torres

Quelle: Christian Flierl
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Rittersaal und Spiegelzimmer

Die rechtzeitige Ankunft im Schloss zur Dämmerung lohnt sich: Das barocke Bauwerk mit seinen zwei Zugbrücken und drei Türmchen ist umgarnt von unzähligen Lichtergirlanden, die sich im Wasser spiegeln und sich vom Abendhimmel dramatisch absetzen.

Doch es lockt nicht nur der Lämpchen Schein, es wartet auch das Reich von Ruth und René Gischig. Sie wirten gemeinsam mit Tochter Tina auf dem Herrschaftssitz aus dem 14. Jahrhundert, der im 17. Jahrhundert im Barockstil umgebaut wurde und seit 1957 dem Kanton Baselland gehört. Die Herrschaftsräume wie Rittersaal, Steinsaal und Spiegelzimmer sind für geschlossene Gesellschaften und Bankette bestimmt. Für den heutigen Besuch ist das kleine Restaurant vorgesehen; ein Speisezimmer à la Louis XVI.: Tische mit drei Lagen Tuch, poliertem Silberbesteck in mehreren Reihen, gepolsterten Sesseln, Kronleuchtern. Kellner Torres geleitet die Gäste zum Tisch im Erker mit Sicht auf den Weiher.

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Die Speisekarte wartet mit Klassikern der französischen Gourmetküche auf: Lammcarré, Tournedos de filet de bœuf oder Saumon mariné. Heute soll es «Le Menu du Soir» für 105 Franken sein – eine Abfolge von vier Gängen, die vom Vorspeisenteller mit Lachs und Wildterrine über Seeteufelmedaillons bis hin zu Rehrücken und Dessert einen exemplarischen Einblick in die Küche bietet. Den passenden Tropfen dazu findet man in der umfangreichen Weinkarte.

Familie Gischig

Quelle: Christian Flierl
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Ein treues Team mit viel Routine

Seit 38 Jahren hat die Familie Gischig das Schloss gepachtet. Ruth Gischig betreut gemeinsam mit Tochter Tina die Gäste und organisiert die Bankette. René Gischig regiert in der Küche. Mit fünf Angestellten haben sie vor fast 40 Jahren angefangen. Heute sind es 27 Mitarbeitende, darunter zwölf Köche und drei Patissiers. 20 Jahre haben Ruth und René Gischig auch auf dem Schloss gelebt, ihre Kinder dort grossgezogen.

38 Jahre sind eine lange Zeit in der schnelllebigen Gastronomiewelt. Doch nicht nur die Gischigs hängen am Haus: Die meisten Mitarbeitenden sind seit Jahren hier. Fünf der sechs Kellner, allesamt Spanier, arbeiten gar seit 30 Jahren auf dem Schloss.

So viel Routine, so viel eingespieltes Teamwork kommt dem Gast zugute: Es ist gemütlich und gediegen zugleich. Die Speisen sind vorzüglich; allesamt hausgemacht bis hin zu den Grundzutaten, wie es sich für ein Restaurant mit 15-Gault-Millau-Punkten gehört: Der Vorspeisenteller mit Wildterrine, mariniertem Lachs und Wachtelei macht Lust auf mehr. Die Seeteufelmedaillons sind ein Genuss. Der Höhepunkt ist das Rehrückenstück: butterzart, rosa gebraten. Das Dessert, die fruchtig-cremige Panna cotta, hat nur noch knapp Platz im Bauch.

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Aber dann ist Schluss – mehr geht nicht. So tritt man wohlgenährt in den Innenhof, lässt sich vom Lichterschein begleiten über die Brücke, durch den Park. Und überlegt, ob Juan Torres eigentlich nachts im Scheine all dieser Lämpchen schlafen kann.

Infos

Weiherschloss Bottmingen
Schlossgasse 9
4103 Bottmingen
Telefon 061 421 15 15
www.schlossbottmingen.ch

Sonntag und Montag geschlossen, Reservation empfohlen. Die Weihnachtsbeleuchtung bleibt bis Ende Januar bestehen. Anreise: ab Bahnhof Basel SBB mit Tramlinie 10
bis Bottmingen.

Rezept für 4 Personen

Mit einer Schablone vier Sterne von 16 Zentimeter Durchmesser aus Blätterteig schneiden, auf Backpapier legen und mit der Gabel einige Löcher in die Mitte des Teigs stechen. Mit wenig Spinat belegen. 4 Seezungenfilets und 4 Lachswürfel à 30 Gramm mit Salz und Pfeffer würzen. Lachsstücke in die Seezungenfilets ein­rollen und auf den Spinat legen. Den Stern mit Eigelb und den Fisch mit etwas Butter bestreichen. Bei 180 Grad Umluft zirka zwölf Minuten backen. Mit Weissweinsauce oder etwas Sauce Hollandaise anrichten und nach Belieben mit schwarzen Linsen, Cherrytomaten oder Kräutern garnieren.

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Ein Besuch im nahen Basel – abseits der gängigen Routen.

Quelle: Christian Flierl

Papiermühle Basel

Das Museum für Papier, Schrift und Druck ist ein sogenanntes Arbeitsmuseum. In der historisch authentischen Kulisse einer mittelalterlichen Papiermühle treffen funktionierende Werkstätten und technikgeschichtliche Ausstellungen aufeinander. Auch die Besucher dürfen arbeiten: Das eigene Blatt Papier schöpfen und Versuche in der Handsetzerei gehören zum Museumsbesuch dazu.

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Basler Papiermühle
St.-Alban-Tal 37
4052 Basel
Geöffnet: Dienstag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr

Adventsmarkt

Mitten in der Innerstadt liegt die Barfüsserkirche und der gleichnamige Platz. Ein idealer Ort für den Weihnachtsmarkt, der sich nicht nur auf dem Platz verteilt, sondern – sehr romantisch – den alten Klostermauern entlang rund um die Kirche verläuft.

26. November bis 23. Dezember, täglich 11 bis 20 Uhr

Wasserturm Basel

Auf dem Bruderholzhügel zwischen Basel und Binningen liegt der Basler Wasserturm. Das 1926 errichtete und kürzlich renovierte Gebäude bietet von seiner Aussichtsplattform eine weite Sicht über die Stadt, das ­Elsass und den Schwarzwald. Vorausgesetzt, man ist die lange Treppe im Inneren des
30 Meter hohen Turms hochgestapft.

Unbedingt mitnehmen: einen Fünfziger für die Drehtür.

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Wasserturm Basel, Reservoirstrasse 201
Der Turm ist immer zugänglich
Anfahrt: mit Tramlinie 15 oder 16 bis Bruderholz; mit Buslinie 37 ab Station Bedrettostrasse direkt zum Schloss Bottmingen