Alle Kinder in dieselbe Klasse? Dieses Prinzip bröckelt. Knapp drei Prozent aller Schulkinder besuchen heute Sonderklassen oder Sonderschulen. Vor allem bürgerliche Politikerinnen und Politiker fordern mehr Separation und wollen die Kleinklasse zurückholen. Zürich diskutiert über die Einführung von Förderklassen, die Kantone Basel-Stadt und Aargau haben dies bereits getan. Der Aargau legt sich in Sachen Integration sogar mit der Uno an.

Partnerinhalte
 
 
 
 

Für den Historiker und Sonderpädagogen Carlo Wolfisberg ist diese Aussonderung ein fataler Rückschritt.

Herr Wolfisberg, der Kanton Aargau schickt ein schwerbehindertes Mädchen gegen den Willen der Eltern in die Sonderschule. Der Uno-Kinderrechtsausschuss pocht auf die Regelklasse. Darf ein Kanton die Behindertenrechtskonvention der Uno einfach ignorieren?
Der Fall im Aargau zeigt die Kluft zwischen den Zielen der Uno-Konvention und der aktuellen Gesetzeslage. Der Schulrat hatte den Antrag der Eltern auf Integration ursprünglich bewilligt. Dass es dann doch zur Ablehnung kam, war primär eine Finanzierungsgeschichte. Die Gemeinde stellte sich auf den Standpunkt, die Leistungen nicht erbringen zu können. Faktisch ist das falsch: Man kann die Leistungen erbringen, aber es kostet die Gemeinde Geld. Schiebt man das Kind in die Sonderschule ab, übernimmt der Kanton die Kosten.