Beobachter: Frau Schöpfer, wer kann vom Besuchs- und Begleitdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK profitieren?
Franziska Schöpfer: Grundsätzlich alle, die sich nach mehr sozialen Kontakten sehnen. Oft steckt hinter diesem Wunsch ein Gefühl der Einsamkeit Einsamkeit im Alter Senioren aktiv am Leben teilhaben lassen . Es wird häufig begleitet  von Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Angst, Langeweile oder der Sehnsucht nach Nähe. Bei uns sind vorwiegend ältere Menschen betroffen. Wenn die Mobilität eingeschränkt ist, nehmen die sozialen Kontakte ab. Es erreichen uns aber auch Anfragen von jüngeren Leuten.
 

Haben alle ein Recht auf den Besuchs- und Begleitdienst?
Er steht allen offen, dafür steht das Rote Kreuz. Wir legen prioritär den Fokus auf Leute, die zu Hause leben. Von einem Recht können wir nicht sprechen, es handelt sich vielmehr um geschenkte Zeit von Mitmenschen. Die Aufgabe des SRK ist, diese Menschen zu führen, damit sie zusammen eine schöne Zeit verbringen können.
 

Wo stösst der Dienst an Grenzen?
Bei psychischen Erkrankungen kommt es vor, dass Freiwillige ohne Fachwissen an Grenzen stossen. Das SRK verfügt über weitere Unterstützungsangebote und kann eine Entlastung mit fachlich geschultem, kostenpflichtigem Personal als Alternative anbieten.

«2020 leisteten Freiwillige in der ganzen Schweiz 120'000 Stunden Arbeit im Besuchs- und Begleitdienst.»

Franziska Schöpfer, Geschäftsleiterin SRK, Kantonalverband Unterwalden
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Wie wirkt sich der Dienst auf die physische und psychische Gesundheit aus?
Studien belegen, dass Einsamkeit nicht nur psychisch, sondern auch physisch krank machen und sogar die Lebenserwartung verringern kann. Das vergangene Jahr hat deutlich gezeigt: Die angeordnete Isolation hat viele einsamer und somit krankheitsanfälliger gemacht Altersdepression Welche Anzeichen alarmieren sollten .
 

Wer macht mit beim Angebot des Roten Kreuzes? Gibt es kantonale Unterschiede?
Im vergangenen Jahr leisteten Freiwillige in der ganzen Schweiz 120'000 Stunden Arbeit im Besuchs- und Begleitdienst – trotz Einschränkungen durch die Pandemie. Die Nachfrage ist nicht abhängig vom Wohnort, sondern vom sozialen Umfeld. Einsame Menschen gibt es in allen Regionen und gesellschaftlichen Schichten.
 

Wie werden Begleitpersonen ausgesucht?
Freiwillige, grösstenteils Frauen, melden sich spontan oder auf unsere Aufrufe hin bei uns. Nach einem persönlichen Kennenlernen bereiten wir sie auf einen Einsatz im Besuchs- und Begleitdienst vor und organisieren ein erstes Treffen mit Leuten, die sich einen regelmässigen Besuch wünschen. Wenn es gemeinsame Interessen gibt, stehen die Chancen für einen regelmässigen Besuchsnachmittag gut.

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Ein Kaffee, ein Spaziergang, eine Begleitung zu einem Termin

Soziale Kontakte bringen Abwechslung in den Alltag und sind wichtig, um gesund zu bleiben. Die Freiwilligen des Schweizerischen Roten Kreuzes bieten genau das an: ein Treffen zum Kaffee, einen Spaziergang, eine Spielrunde oder eine Begleitung zu einem Termin. Der Besuchs- und Begleitdienst des SRK ist eine bewährte Dienstleistung, die in der Corona-Krise weiter an Bedeutung gewonnen hat.

Auf Wunsch kann sie derzeit durch den Telefonkontaktdienst ersetzt werden: Rotkreuz-Freiwillige rufen regelmässig an, statt zu Besuch zu kommen.

Mehr Informationen gibt es im Internet: www.redcross.ch

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Zur Person

Franziska Schöpfer

Franziska Schöpfer ist Geschäftsleiterin des Kantonalverbands Unterwalden des Schweizerischen Roten Kreuzes.

Quelle: ZVG

Hinweis zu diesem Artikel

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit* mit dem Schweizerischen Roten Kreuz entstanden.

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK), gegründet 1866, ist die grösste humanitäre Organisation der Schweiz mit 72'000 Freiwilligen und 500'000 Mitgliedern. Das SRK setzt sich für verletzliche und benachteiligte Menschen in der Schweiz und im Ausland ein. 24 Rotkreuz-Kantonalverbände gehören dazu, fünf Rettungsorganisationen und zwei Institutionen. Als vom Bund anerkannte, einzige nationale Rotkreuzgesellschaft ist das SRK Teil der weltweiten Rotkreuzbewegung.


* Zusammenarbeit bedeutet, dass ein finanzieller Beitrag an die Produktion des Buches und die Beiträge geleistet wurde. Für den journalistischen Inhalt ist allein die Redaktion verantwortlich.

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