Natürlich ist Anna Meier* bereit, ihre Mutter beim Einkaufen zu begleiten. Vor allem seit sie den Rollator braucht. Zudem wirkt Mutters Wohnung etwas schmuddlig. Also saust die Tochter schnell mit Staubsauger und Lappen durch. Und klar, dann hilft sie noch beim Duschen. Sie versteht, dass Mama sich lieber von ihr unterstützen lässt als von der Spitex Spitex Hilfe, die immer ankommt .

Solche Szenarien gibt es tausendfach. Der Nachwuchs ist zur Stelle, wenn die Eltern im Alter Hilfe brauchen. Aber oft kommt es dann so: Was ganz natürlich mit einzelnen Handreichungen beginnt, wird bald zur Gewohnheit. Schon nach wenigen Wochen wird es der Tochter oder dem Sohn zu viel, im Dienst der Eltern zu stehen.

So auch bei Anna Meier. Der Einkauf ist erledigt, die Wohnung geputzt, die Mutter sitzt frisch geduscht im Lieblingssessel. Die Tochter aber ist todmüde und kehrt gereizt nach Hause zurück. Dort türmen sich Wäscheberge, die Kinder bestürmen sie wegen der Hausaufgaben, der Mann klagt, dass sie kaum noch Zeit für die Familie habe.

Die eigene Familie kommt bei der Pflege zu kurz

Auch für sich selbst fehlt Anna Meier die Zeit. Wann hat sie sich das letzte Mal aufs Sofa gekuschelt und ihre Lieblingsserie geschaut? Immer häufiger hat sie das Gefühl, sie renne ohne Ende im Hamsterrad – und werde doch niemandem wirklich gerecht. Nicht mal ihrer Mutter. Denn obwohl Anna Meier regelmässig bei ihr ist und hilft, finden die beiden kaum mehr die Zeit, zusammen zu plaudern.

Und dann ist da die Stimme, die Anna Meier manchmal zuflüstert: «Du wirst ausgenutzt.» Ihre Mutter spart Geld und kann dank ihrer Hilfe weiter zu Hause leben Wohnen Das Altersheim kann warten . Ist es fair, dass sie unermüdlich gratis arbeitet? Ihre beiden Schwestern krümmen keinen Finger, kommen kaum je zu Besuch. Doch nach dem Tod der Mutter werden sie genau gleich viel erben Gesetzliche Erbfolge Wer erbt in welcher Rangfolge? . Wenn Anna Meier ehrlich ist, findet sie das nicht gerecht.

Doch wie soll man solche Empfindungen gegenüber der Mutter ansprechen? Darf man für innerfamiliäre Hilfe tatsächlich Geld verlangen? Ein Dilemma. Und ein grosses Risiko, falsch verstanden zu werden.

Doch es gibt Strategien, um ohne schlechtes Gewissen Grenzen zu setzen, wenn einem die Hilfe für die Liebsten zu viel wird. Drei Fragestellungen stehen im Zentrum:

Checkliste «Vorsorgebeauftragte Person» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

In der Checkliste «Was müssen vorsorgebeauftrage Personen beachten?» erfahren Mitglieder von Guider, was man tun kann, wenn man den Auftrag nicht mehr ausführen kann oder will, und ob man gegenüber der Erwachsenenschutzbehörde Kesb Bericht erstatten muss.

1. Welche Art der Unterstützung ist sinnvoll?

Unterstützen Sie die betagten Eltern bei etwas, was Ihnen Spass macht. Wenn Putzen für Sie lästig ist, gibt es sicher bessere Ideen, als die Verantwortung für den elterlichen Haushalt zu übernehmen. Vielleicht können Sie sich für gemeinsames Einkaufen begeistern. Das lässt sich auch gut mit einem gemeinsamen Besuch im Café kombinieren. Falls Ihnen Administratives liegt, können Sie vielleicht für Mutter und Vater Zahlungen erledigen Urteilsfähigkeit Genügt eine Vollmacht für Mutters Finanzen? .

Seien Sie auf jeden Fall ehrlich mit sich – und mit den Eltern. Statt aus lauter Pflichtbewusstsein widerwillig etwas zu tun, sollten Sie die Zeit besser mit den Eltern verbringen.

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2. Was ist das richtige Mass?

Nehmen Sie sich regelmässig Zeit, um darüber nachzudenken, ob die Situation für Sie noch stimmt. Nur weil es für Sie in Ordnung war, sich ein Jahr lang um die Wohnung der Eltern zu kümmern, müssen Sie das nicht für alle Ewigkeit tun. Hören Sie gut auf sich, damit Sie frühzeitig merken, wenn es Ihnen zu viel wird.

Sprechen Sie in diesem Fall offen mit den Eltern darüber, dass Sie in Zukunft nicht mehr im bisherigen Umfang helfen können oder möchten. Es ist gut möglich, dass die Eltern enttäuscht sind; das werden Sie aushalten müssen. Es gibt keine gesetzliche Pflicht, den Eltern zu helfen.

Suchen Sie gemeinsam mit den Eltern nach Alternativen. Vielleicht können Nachbarn gegen ein Entgelt gewisse Dienste übernehmen.

3. Warum soll es keine Entschädigung geben?

Für gelegentliche kleine Handreichungen innerhalb der Familie muss sicher kein Geld fliessen. Irgendwann kann die Hilfe aber den Rahmen sprengen und nicht mehr in die Sparte Gratisdienstleistung fallen – vor allem wenn Geschwister keine Unterstützung bieten. Nehmen Sie Ihren Mut zusammen, sprechen Sie die unbefriedigende Lage mit den Eltern an. Es ist unrealistisch, zu hoffen, die Geschwister kämen von sich aus auf die Idee, etwas zu bezahlen.

Ähnlich unrealistisch ist es, zu erwarten, dass sie Ihnen nach dem Tod der Eltern etwas zusätzlich aus dem Erbe auszahlen. Nur wenn Sie mit den Eltern eine klare Abmachung über die Höhe der Entschädigung Verwandtenpflege Wenn Mama nicht mehr kann getroffen haben – am besten in Form eines schriftlichen Pflegevertrags –, können Sie so etwas nachträglich einfordern.

Die Budgetberatung Schweiz empfiehlt als Stundenansatz für Hilfeleistungen innerhalb der Familie 25 bis 30 Franken.


* Name geändert

Tipps: Hier finden Sie externe Hilfestellen

Körperpflege, Haushalt, Mahlzeitendienst, Besuche/Begleitungen, Fahrdienste und mehr: Professionelle Dienste bieten Unterstützung, allerdings nicht gratis.

  • Pro Senectute: www.prosenectute.ch (mit Pflegevertrag als Muster)
  • Rotes Kreuz: www.redcross.ch
  • Spitex: Die Adressen der lokalen Spitex-Dienste kennt die Gemeindeverwaltung.

Mehr zu Unterstützung im Alter bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wenn Eltern älter werden, erreichen sie irgendwann den Zeitpunkt, an dem sie ohne Hilfe nicht mehr auskommen. Unterstützung im Alter finden Sie aber nicht nur bei Angehörigen, sondern auch bei speziellen Organisationen und nicht zuletzt auch in Pflege- und Altersheimen, auch wenn dieser Schritt vielen eher weniger gefällt. Mitglieder von Guider erfahren unter anderem, welche Wohnformen im Alter in Frage kommen, wie sich die Finanzen regeln lassen und was getan werden kann, sollte es Probleme im Pflegeheim geben.

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Raphael Brunner, Online-Redaktor

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