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WohnenDas Altersheim kann warten

Mit dem Alter fällt es vielen schwerer, sich sicher in der Wohnung zu bewegen. Wie sich der Alltag vereinfachen und das Unfallrisiko minimieren lässt.

Schon kleine Anpassungen wie mehr Licht in einem Raum können helfen, damit Senioren möglichst lange in ihrem Zuhause wohnen können.
von aktualisiert am 11. Januar 2018

Mit dem Alter fällt es vielen schwerer, sich sicher in der Wohnung zu bewegen. Wie sich der Alltag vereinfachen und das Unfallrisiko minimieren lässt. Text: Reto Westermann Es ist verständlich: Statt ins Heim zu ziehen, möchten die meisten alten Menschen möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben. Das wird mit dem Alter aber schwieriger, denn die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt ab: Die Gelenke sind steifer, die Kraft schwindet, das Gehör lässt nach, und die Augen haben mehr Mühe, wenn die Lichtverhältnisse schlecht sind.

Deshalb braucht es Anpassungen in der Wohnung. «Oft genügen kleine Eingriffe, um den Alltag bequemer zu gestalten und Unfällen vorzubeugen», sagt Felix Bohn, Architekt und Fachmann für altersgerechtes Wohnen. Gerade die Sicherheit sei sehr wichtig: «Stürze können im hohen Alter schwere Folgen haben und unter Umständen nach dem Spitalaufenthalt eine Rückkehr in die eigene Wohnung verunmöglichen.» Darum sei es wichtig, Vorkehrungen zu treffen. Vieles könne auch in Mietwohnungen gut umgesetzt werden. Schwieriger wird es hingegen, wenn Anpassungen im Treppenhaus oder im Hauszugang eines Mietobjekts oder einer Stockwerkeigentümerschaft nötig sind. Dann braucht es die Einwilligung des Vermieters respektive der anderen Wohnungseigentümer.

Beratungsstellen helfen weiter

Ob Hauszugang, Treppenhaus oder -eigene Wohnung: Welche Massnahmen sinnvoll sind, muss jeweils im Einzelfall geprüft werden. Gerade bei teureren Anpassungen lohnt sich ein Gespräch mit den kantonalen Beratungsstellen für hindernisfreies Bauen oder mit selbständig arbeitenden Fachleuten.

Viele Massnahmen lassen sich mit wenig Geld umsetzen, andere sind -teuer. Während in Deutschland die Pflegeversicherung altersbedingte Anpassungen der Wohnumgebung teilweise bezahlt, muss man hierzulande ins -eigene Portemonnaie greifen. «Nur wer Ergänzungsleistungen zur AHV bezieht, kann auf eine Beteiligung hoffen», sagt Fachmann Bohn. Aus seiner Sicht können sich aber auch grössere Investitionen aus dem eigenen Sack -bezahlt machen, wenn man dadurch länger, sicherer und komfortabler zu Hause wohnen bleiben kann.

Worauf Sie achten sollten

Einfache Mittel für mehr Sicherheit im Haushalt

  • Stolperfallen wegräumen und Möbel ­sichern. Viele Unfälle zu Hause passieren wegen Hindernissen, die sich einfach eliminieren liessen. Etwa indem man Teppiche entfernt oder mit ­einer rutschsicheren Unterlage versieht. Auch nied­rige Sofatische oder Möbelstücke, die den Korridor verstellen, können tückisch sein und sollten weggeräumt werden. Sinnvoll ist es, hohe Möbel an der Wand zu verschrauben, damit sie nicht um­kippen. So kann man sich auch einmal gefahrlos daran festhalten.
     
  • Umräumen. Wenn das Bücken oder Strecken schwerer fällt, sollten täglich gebrauchte Dinge so verstaut werden, dass man sie leicht erreichen kann. ­Beispiele sind Küchenutensilien oder die Kleider im Schlafzimmerschrank.
     
  • Möbel ersetzen oder anpassen. Weiche, tiefe Stühle oder niedrige Betten können den Alltag unnötig erschweren. Stühle oder Sessel ersetzt man deshalb am besten durch solche mit einer nicht zu weichen Sitzfläche in der richtigen Höhe und mit seitlichen Armlehnen. Zu nied­rige Betten oder Sofas können von ­einem Schreiner erhöht werden.
     
  • Beleuchtung anpassen. Die richtige ­Beleuchtung vereinfacht den Alltag ­älterer Menschen massiv. Dabei gilt: Sie muss hell sein, darf aber nicht blenden. LED-Lampen ohne Diffusor etwa sind zu grell. Bewährt haben sich helle, indirekte Beleuchtungen und gut abgeschirmte Lampen. Im Zweifelsfall ist eine Beratung durch eine Fachperson sinnvoll.
     
  • Haltegriffe in Dusche, WC und Bad montieren. Glitschige Badzimmer­böden oder der hohe Rand einer Badwanne ­erschweren Senioren die Benutzung und erhöhen das Unfallrisiko. Richtig platzierte Haltegriffe bieten hier Sicherheit. Bei der Montage in Mietwohnungen ­sollte das schriftliche Einverständnis des Vermieters eingeholt werden.
     
  • Antirutschbeläge für Badwanne und Duschen. Nasse Duschen und Wannen können zu Unfällen führen. Spezielle ­Antirutschbänder aus dem Baumarkt oder eine Antirutschbeschichtung, die von einer Fachperson aufgebracht wird, bieten sich hier als Lösung an. Antirutschbänder lassen sich leicht ablösen. Beschichtungen sind im Alltag unauffälliger und pflegeleichter, können aber nicht so einfach wieder entfernt werden.
     
  • Waschmaschine und Tumbler in der Wohnung. Ist die Waschküche im Keller nur über eine Treppe erreichbar, kann das ein Problem sein. Wenn der Platz reicht, lohnt es sich, eine kleine Waschmaschine, eventuell auch einen Tumbler in der Wohnung oder im Erdgeschoss des eigenen Hauses zu installieren. Das ­erfordert bei Mietwohnungen aber die Zustimmung des Vermieters.
     
  • Balkonzugang anpassen. Oft ist der Balkon nur über eine Schwelle zugänglich, die für alte Menschen eine Unfall­gefahr darstellt. Je nach Platz und baulicher Situation kann man vom Schreiner eine Zwischenstufe anbringen lassen. Ein Haltegriff in der Türlaibung vereinfacht das Überwinden der Schwelle.

 

Bauliche Massnahmen für Wohnungs­besitzer

  • Küchenmöbel umbauen. Ältere Küchen mit Schränken statt Schubladenauszügen sind unpraktisch, da weiter hinten stehende Dinge oft schwer zu erreichen sind. Für Haus- und Wohnungsbesitzer lohnt sich deshalb ein Umbau einzelner Schränke mit Schubladenauszügen oder speziellen Beschlägen, die den Inhalt einfacher zugänglich machen.
     
  • Dusche statt Wanne. Als Haus- oder Wohnungsbesitzer kann man eine ­unbequeme Badwanne gut durch eine ­Dusche ersetzen – optimalerweise ein bodenebenes Modell. Das ist zwar teuer, aber eine grosse Komfortsteigerung. Wird gleichzeitig das ganze Bad saniert, kann damit auch eine Wertsteigerung des Eigenheims verbunden sein, was sich bei einem Wiederverkauf auszahlt.

 

Bauliche Massnahmen für Hausbesitzer

  • Handläufe montieren. Handläufe auf beiden Seiten von Treppen machen das Gehen leichter und erhöhen die Sicherheit. Bei Treppenhäusern von Mehrfamilienhäusern mit Miet- oder Eigentumswohnungen dürfen solche Handläufe nur vom Eigentümer beziehungsweise mit Einwilligung der Stockwerkeigentümergemeinschaft montiert werden.

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